Da traten ein Vater und sein erwachsener Sohn aus einem Gebirgswalde hervor. Aus ihren Zügen sprachen Rohheit und finsteres Wesen. Ihre leisen Schritte und ihre ganze Haltung bekundeten große Vorsicht.

Auf des Sohnes Schultern lagen ein Reh und zwei Hasen. Ueber den Rücken des Alten hingen eine kurze Büchse und ein großes Netz. Ihr Aeußeres und ihr scheues Verhalten ließen sie sofort als Wilddiebe erkennen.

Stumm schlichen Vater und Sohn über die Felder dahin. Kein Wort, kein Laut kam über ihre Lippen.

Bald hatten beide ein kleines Gebüsch erreicht. Hier aber traten ihnen plötzlich der Flurschütz und sein Hund entgegen. Schreck und Verwirrung bemächtigten sich der Diebe. Das kräftige Halt und die angelegte Doppelbüchse des Flurschützen kamen ihnen doch zu unerwartet. Weder Vertheidigung noch Flucht konnte sie retten. Blut und Leben hätten dabei auf dem Spiele gestanden.

Nach wenig Minuten schritten der alte und der junge Wilddieb als Gefangene voran. Der Flurschütz und sein Hund folgten. Traurig blickten Mond und Sterne auf das düstere Bild hernieder.

Wuth und Aerger lagerten auf den Zügen der beiden Verbrecher. Ihr Weg führte in die Frohnveste. Nach etwa einer Stunde sperrten sie Schloß und Riegel von dem freien Leben ab.

Wochen und Monate zogen an ihren Kerkermauern vorüber. Endlich erfolgten das letzte Verhör und der Richterspruch. Feld- und Wilddieberei werden vom Gesetze hart geahndet. Vater und Sohn wanderten auf das Zuchthaus. Hier quälten sie nun freilich Reue und Gewissensbisse. Doch die Erkenntniß kam zu spät. Ehre und Freiheit waren verspielt.

Was aber hatte jene Beiden nach und nach auf die verbrecherische Laufbahn geführt? Arbeitsscheu und Leichtsinn waren die einzige Ursache.

2. Drei Verdienstvolle.

(Mehrere Subjecte.)