14. Das Kanonenfieber.

(Desgleichen.)

Nicht ohne Schreck und eine gewisse Verzagtheit las Melchior den Ruf zu den Waffen. Unter Thränen und Seufzen nahm er Abschied von den Seinigen. Mit trübseligen Gedanken und niedergeschlagnen Augen marschirte er inmitten seines Regimentes zum Thore hinaus.

Seine Kameraden sangen aus voller Kehle und muthiger Brust ihre frischen Soldatenlieder. Melchior schritt stumm und bänglich dahin.

In guter Stimmung und noch bei frischen Kräften überschritt endlich das Regiment die feindliche Grenze. Ebenso kühn als schnell warf sich ihm der Feind entgegen. Zwar in größter Eile, aber dennoch vorsichtig nahm das Regiment Stellung.

Unter Horn- und Trommelsignalen begann der Kampf. Summend und zischend durchkreuzten die tödtlichen Geschosse die Luft. Theils stumm, theils mit einem jähen Aufschrei brachen die von den Kugeln Getroffenen zusammen.

Melchior erbebte bei den ersten Schüssen ganz entsetzlich, fast wie ein furchtsames Kind. Von Todesangst und einer gewissen Betäubung ergriffen stand er in Reihe und Glied. Zitternd und darum ohne jegliches Ziel feuerte er seine Schüsse ab. Fast wider Willen und ohne Selbstbewußtsein ging er mit vorwärts.

Zehn Minuten lang war jetzt mit außerordentlicher Erbitterung, aber noch ohne Erfolg gekämpft worden. Da kam plötzlich und in fast wunderbarer Weise ein ganz anderer Geist über Melchior. Er stellte sich kalt und mannhaft dem Feinde gegenüber. Er zielte mit Ruhe und Sicherheit. Schnell und unerschrocken benutzte er jede Gelegenheit zu seiner Deckung. Mit Ungeduld und sichtlicher Kampfbegeisterung erwartete er das Signal zum Vorwärtsgehen. Beim schließlichen Sturmangriffe eilte er sonder Furcht und Todesangst allen Anderen voran.

Sein Regiment errang endlich unter fast übermenschlichen Anstrengungen und großen Opfern den Sieg.

Und Melchior?