Blitzender Reif lag auf den Fluren, zudem drohten die Wolken mit Schnee. Wol blies ein eisiger Wind von Westen nach Osten, aber der Waidmann fürchtet sich vor Kälte nicht.
Die Jäger gingen jetzt auseinander, jeder indeß behielt Linie. Die Hunde drängten vor, allein man hielt sie noch zurück. Bald fielen einzelne Schüsse, aber es fiel kein Hase. Die Ladungen hatten gefehlt, weil man aus zu großer Ferne geschossen hatte. Später traf jeder Schuß, denn die Jäger waren jetzt ihrer Beute näher.
Das Revier war endlich abgejagt, deshalb blies man zum Rückzuge. Das Jagdglück hatte sich günstig gezeigt, darum genoß man nun unter großer Heiterkeit das Mittagsbrod.
46. Der Brudermord.
(Desgleichen.)
Kain bestellte eines Tages seinen Acker, und Abel hütete seine Schafe. Beide waren Brüder, aber ihre Gemüthsart war sehr verschieden.
Kain’s Brust erfüllte die Mißgunst, weshalb er wol auch stets mit Neid auf seinen Bruder blicken mochte. Den Abel beseelte Frömmigkeit, auch trug sein ganzes Wesen das Gepräge der Sanftmuth.
Beide Brüder zündeten eines Tages Feuer an, denn jeder gedachte dem lieben Gott ein Opfer zu bringen. Kain opferte Früchte des Feldes, Abel dagegen verbrannte ein Schaf.
Die Opferfeuer züngelten gleichmäßig empor, die Rauchsäulen indeß nahmen eine verschiedene Richtung an. Der Rauch von Abel’s Opfer stieg in geraden Linien zum Himmel hinauf, der von Kain’s Opferaltare hingegen wälzte sich in dichten Wolken auf der Erde hin.
Das sah Kain, und sein Herz ergrimmte. Sein Bruder dünkte ihm ein besonderer Liebling Jehovah’s zu sein, somit aber war er ihm ein Dorn im Auge.