Der Luftballon hatte seine Füllung erhalten, sein Leib war mächtig geschwollen, fast wie ungeduldig drängte er nach der Abreise.

Wir stiegen drei Mann hoch in die von Weidenruthen geflochtene Gondel, und ich nahm sofort auf einem kleinen Sessel Platz. Wir freuten uns auf die seltene Fahrt, aber dennoch klopften unsere Herzen vor Bänglichkeit. Das Luftmeer ist an Gefahren dem Weltmeere gleich, denn auch jenes hat keine Balken.

Ein Signal erscholl, die Stricke wurden gelöst, der Ballon erhob sich. Die versammelte Menge wünschte uns glückliche Fahrt, Hunderte von Tüchern winkten uns den Abschiedsgruß, Tausende von Augen folgten unserem Fluge.

Unser Luftschiffskapitän warf eine Anzahl Gedichte auf die Zuschauer hinunter, auch schoß er ein Pistol in die Luft hinaus ab. Die Menge tief unten jauchzte dabei laut auf, mich durchrieselte ein bängliches Frösteln.

Unser Luftfahrzeug schlug anfänglich die Richtung nach Osten ein, bald indeß wurde es von dem Winde nach Süden getrieben. Pfeilschnell stieg es empor, dennoch erfolgte sein Flug gänzlich geräuschlos.

Die Wolken näherten sich merklich, die Landschaft unter uns trat immer mehr zurück. Unsere Blicke gewannen ein immer größeres Aussichtsfeld, dagegen schmolzen die Gegenstände auf der Erde zu immer kleineren Gestalten zusammen. Die Menschen erschienen nur noch in der Größe von schwarzen Ameisen, die Flüsse schlängelten sich wie schmale Silberschnuren dahin, die Wälder glichen großen Tinteklecksen, und die Berge amen uns wie winzige Hügel vor. Die Luft wurde jetzt nicht nur mit jeder Sekunde dünner, sondern die Temperatur sank auch merklich herab, und somit hatten unsere Lungen tüchtig zu arbeiten.

Wir mochten etwa eine Stunde unterwegs sein, da beschloß unser Kapitän den Rückzug. Er stieg an einer Strickleiter empor, und gleich darauf entstand ein kleines Geräusch. Er hatte ein Ventil geöffnet, ein Theil der eingeschlossenen Luft entwich, das Schiff begann zu sinken.

Ich hatte das Landen oft als ziemlich gefahrvoll schildern hören, deshalb wurde mir jetzt wieder nicht wohl zu Muthe. Zu unsern Gunsten war vollkommene Windstille eingetreten, kein Lüftchen regte sich. Der Ballon sank immer tiefer und schwebte jetzt etwa noch thurmhoch über einer ebenen Flur. Der Anker sank hinab, das Ventil öffnete sich noch einmal kräftig, die Luft strömte zischend aus, und der gespannte Riesenleib legte sich allmälig in Falten. Plötzlich gab es eine Art Stoß, und gleichzeitig erscholl aus dem Munde des Kapitäns ein Hurrah!

Der Ballon stand still, weil der Anker Boden gefaßt hatte. Bald standen wir wieder auf festem Grunde, und ich war außerordentlich befriedigt, denn eine solche Luftreise bietet ein unbeschreiblich wunderbares Schauspiel.

Hauptwiederholung.