Der Kasernenhof des Regiments war zu dieser Festlichkeit mit dem Laubwerke der Eiche geschmückt. An den Fenstern hingen Kränze. Ueber dem Haupteingange prangten des Königs Namenszug und das Wappen des Landes. Den Namenszug umflatterten eine Menge Fahnen. Vor dem Thorwege stand eine Art Ehrenpforte, deren Säulen bunte Blumenranken umspannen. Auf einem hohen Plumpenhäuschen, dem man ebenfalls ein festliches Gewand angelegt hatte, prangte die Fahne des Korps und wehte dem Helden ihre Grüße zu.
Das Musikchor spielte vor der Uebergabe der Auszeichnung den neuesten Sturmmarsch der Infanterie und nach der Feier einen Choral. Die Rede des Commandanten rühmte an dem Wachtmeister den großen Muth, die ausgezeichnete Tapferkeit und das treue Soldatenherz.
Der weite Kreis der Kameraden gönnte dem Braven den wohlverdienten Lohn. Eine solche Auszeichnung eines solchen Braven gab sogar einem Offiziere Veranlassung, bei Tische einen Toast auf ein so echtes Soldatenherz, wie der Wachtmeister besäße, auszubringen.
27. Die Rettung.
(Desgleichen.)
An dem Ufer eines Flusses spielten die Kinder eines armen Webers aus dem nahen Städtchen D. Sie ließen zuerst den Drachen steigen, den der ältere Knabe aus den Blättern des alten Hauskalenders gefertigt hatte. An dem Kopfe des Drachen sah man ein Gesicht mit einem schwarzen Barte. An dem Schwanzende flatterte ein Büschel bunter Federn. Da der Wind dem Spiele nicht günstig war und den Drachen nicht tragen wollte, schritten die Kinder zu einer anderen Unterhaltung. Sie suchten an dem Ufer des Flusses Muschelschalen und bunte Steine. Mit den Steinen wollten sie dann nach einem Stabe werfen, auf den sie einen alten Topf gestürzt hatten. Allein bei dem Suchen der Steine und der Muscheln glitt der kleine Paul von dem Ufer aus und fiel in den Fluß.
Sicher hätte das Kind des armen Webers den Tod in den Wellen gefunden, wäre nicht in dem nächsten Augenblicke ein Retter erschienen. Den Fluß daher kam nämlich der Diener eines Barons mit dem Pudel des Herrn. „Karo, apporte!“ rief der Diener dem Pudel zu und zeigte auf die Wellen und den mit dem Tode ringenden Knaben.
Das Thier stürzte sich sogleich in das Wasser, schwamm dem Kinde nach, packte es an den Kleidern und zog es glücklich dem Ufer und den übrigen Kindern zu. Welch eine Freude unter den Geschwistern! Sie küßten dem Diener aus Dankbarkeit die Hand und hätten am liebsten auch den Pudel geküßt.
Der kleine, ganz durchnäßte Knabe wurde nun sogleich der heimathlichen Hütte zugeführt, dort entkleidet, in ein wollenes Tuch eingeschlagen und in das Bette gebracht, in dem er sich noch im Laufe des Tages von seinem Schrecken wieder ganz erholte.