Es war kurz vor Weihnachten, als sich die Schüler einer Klasse vereinigten, einer armen Familie eine kleine Festfreude zu bereiten. Alle versprachen, irgend eine Gabe dazu mitzubringen. Mehrere Knaben, und darunter der Klassenoberste, wurden beauftragt, die Gaben in Empfang zu nehmen. Schon nach wenig Tagen ging das Sammeln sehr lebhaft. Einige Schüler brachten Kartoffeln, viele ganze Brode herbei. Etliche lieferten Stollen, manche Pfefferkuchen und Nüsse. Mehrere brachten abgesetzte Kleidungsstücke, die aber größtentheils noch sehr brauchbar waren. Einzelne schenkten Bücher und Bilder. Eine Anzahl hatte es auf Bleistifte, Federn und Schiefer abgesehen. Fast jeder spendete zudem einige Aepfel und Nüsse. Gab jeder auch nur wenige, wurde doch schließlich eine Unzahl daraus. Keiner auch hatte verabsäumt, in seine Sparbüchse zu greifen, um auch etwas klingende Münze beizulegen. Die meisten dieser Geldstücke bestanden in Groschen und Fünfgroschenstücken.

Daß die Geschenke so massenhaft eingehen würden, hatte sich keiner gedacht. Sämmtliche Schüler waren daher höchst erfreut, als sie am heiligen Abende in ihrer Schulstube die fast unzähligen Geschenke ausbreiten und ordnen konnten.

Unbeschreiblich glücklich aber war die arme Familie mit ihren zahlreichen Kindern, die alle diese Geschenke bescheert erhielt. Sie hatte jetzt nur allein an Lebensmitteln mehr, als sie in geraumen Wochen verzehren konnte. Wiederholt dankten die Armen warm und herzlich und mehrmals traten ihnen die Thränen in die Augen. Die Schaar der kleinen Wohlthäter aber feierte nun das Weihnachtsfest noch einmal so vergnügt.

32. Die Feuersbrunst.

(Zahlwörter zu Hauptwörtern erhoben.)

Es war der Letzte im Monat December, als in einem Dorfe, in welchem schon den Vierundzwanzigsten vorher ein Bauergut abbrannte, abermals Feuer ausbrach. Der Nachtwächter war der Erste, der es bemerkte und Lärm machte. Ein großes Haus, das dritte westlich von der Kirche, stand in hellen Flammen. Fürchterlich klang das Geschrei der armen Thiere, die noch in dem Stalle staken und nicht herauskonnten. Von den Hunderten, die zur Hilfe herbeigeeilt waren, wagte Keiner die rettende That und wenn man ihnen Tausende geboten hätte.

Da kamen zwei Wanderburschen des Weges daher. Diese Zwei, als sie das Gestöhne der Thiere vernahmen, entschlossen sich sofort, das Möglichste zur Rettung zu versuchen. Schleunigst warf jeder sein Bündel ab und gleich darauf sah man die kühnen Zwei auf allen Vieren zur Thür des brennenden Hauses hineinkriechen. Schon nach fünf Minuten waren die Thiere gerettet. „Wer sind diese Beiden?“ fragte man links und rechts. Es erfuhr indeß Niemand, wie sie hießen und wo sie her waren. Von Allen bewundert zogen die beiden Wanderburschen bald darauf ihres Weges weiter.

33. In der Strafanstalt.

(Biegung des Zahlwortes.)

Der Hauptmann von Lothardt war Direktor einer Strafanstalt. Er aber war durchaus kein Tyrann. Keinem seiner Sträflinge machte er das Leben absichtlich schwer. Jedes einzelnen Wohl lag ihm am Herzen. Was Andere in gleicher Stellung mit unzähligen Flüchen zu erreichen suchten, erreichte er mit wenigen, aber ernst mahnenden Worten.