35. Ein Brief.
(Persönliche Fürwörter.)
Lieber Robert!
Du wünschtest, so viel ich gehört habe, ein Kaninchen von meinem Bruder zu besitzen. Ich kann Dir nun mittheilen, daß er gern bereit ist, Dir ein solches Thierchen zu schenken. Du sollst nur kommen und Dir eins aussuchen, dann wird er Dir es schicken.
Wir würden uns freuen, wenn Du heute schon kämst und auch den Emil Kappler mitbrächtest. Wir würden dann mit Euch einen Spaziergang unternehmen und Euch in den nahen Wald führen, woselbst sehr viel Heidelbeeren stehen, die Ihr gewiß alle gern eßt. Sie schmecken dies Jahr ganz besonders süß. Wolltet Ihr das nicht, könnten wir auch mit Euch zu Pastors Kindern gehen. Sie haben sehr viel Bilderbücher und Spielzeug. Sie besitzen auch eine kleine Kegelbahn, auf der wir sehr viel Vergnügen finden würden.
In der Hoffnung, daß Du vielleicht heute noch mit Deinem Bruder und dem Emil kommen wirst, und mit dem Versprechen, daß wir Euch so gut als möglich unterhalten werden, grüßt Dich
Dein
Gustav Pernitz.
36. Schönheit bringt Gefahr.
(Besitz anzeigende Fürwörter.)
In einem Walde standen ein junger Tannenbaum und eine junge Fichte dicht neben einander. Beide stritten sich um ihre gegenseitigen Vorzüge. Das Tannenbäumchen sagte: „Mein Wuchs ist viel schlanker als deiner. Meine Aeste stehen weit regelmäßiger als die deinigen. Die Farbe meiner Nadeln ist schön dunkelgrün und glänzend; die Rückseite derselben ist sogar in Silber getaucht. Dein Kleid dagegen macht gar kein Aufsehen, denn seine Farbe ist einfach und matt. Ueberhaupt hat unser Geschlecht etwas Nobles, während eure ganze Sippschaft ein gewöhnliches Aussehen bietet.“