Die Wittwe hatte bald Gelegenheit ihren Rath auszuführen.

»Euer Majestät,« sagte sie mit edlem Eifer bey der Audienz, »jeder Mensch hat Feinde; aber heftiger und anhaltender ist noch niemand von den seinigen verfolgt und verläumdet worden, als mein Mann, blos weil er ein so großes Talent war! Man hat es gewagt Euer Majestät viel Unwahres über ihn zu sagen: man hat seine hinterlassene Schulden zehnfach vergrößert. Ich stehe mit meinem Leben dafür, daß ich mit einer Summe von ungefähr 3000 Gulden alles bezahlen könnte, was er schuldig ist. Und diese Schuld ist nicht muthwillig gemacht worden. Wir hatten keine sichern Einkünfte; häufige Kindbetten, eine schwere und kostbare Krankheit von anderthalb Jahren, die ich auszustehen hatte, werden bey dem menschenfreundlichen Herzen meines Monarchen zur Entschuldigung dienen.«

»Wenn es so ist,« sagte der Monarch, »da ist wohl noch Rath zu schaffen. Geben sie ein Konzert von seinen hinterlassenen Werken, und ich will es unterstützen.«

Er nahm ihr die Bittschrift gnädig ab; und in kurzer Zeit ward ihr eine Pension von 260 fl. angewiesen, die zwar an sich gering ist, aber da Mozart erst 3 Jahre angestellt, folglich die Wittwe noch nicht pensionsfähig war, so bleibt es immer eine Gnade. Die Akademie ward unternommen, und der unsterbliche Monarch erfüllte so großmüthig sein Versprechen, daß die Wittwe dadurch in den Stand gesetzt wurde, die Schulden ihres Mannes zu tilgen.

Aus dieser Begebenheit kann man schließen, wie viel an den boshaften Erzählungen von der Unordnung seiner Haushaltung, seiner Verschwendung und dergleichen Anschwärzungen Wahres seyn mag. Da man so wenig seiner Größe als Künstler beyzukommen im Stande war, so suchte der grämliche Neid seinen moralischen Charakter zu verstellen! Eine sehr leichte und gewöhnliche Taktik kleiner Seelen, denen jedes Verdienst, jede Größe unausstehlich ist: um so mehr, wenn sie ihrem kleinen Gewerbe zu schaden droht! Es ist nur Gerechtigkeit, die dem Verdienste gebührt, wenn man sich Mühe giebt solche fremde Flecken aus dem Gemählde würdiger Menschen zu verwischen.

Wenn gegen Mozart diejenige Billigkeit ausgeübt wird, die jeder an sich selbst zu erfahren wünschen muß, so wird er deshalb noch nicht als Muster der Oekonomie und Sparsamkeit angepriesen. Es ist wahr; er hätte den Werth des Geldes besser schätzen sollen: aber darf ein großer Geist keine Schwächen, keine Fehler haben? Möchten doch die, über ihn so streng urtheilen, auf ihr Herz greifen und sich fragen: – – –

Quid tu?
nullane habes vitia?

Und sind sie in irgend einem Fache Mozarte? – Die Endschuldigung der Schulden, die er hinterließ, vernahmen wir eben aus dem Munde seiner Wittwe; und gewiß, sie ist nicht ungegründet.

Mozart hinterließ von mehreren Kindern nur zwey Söhne, wovon der jüngere etwa 4 Monathe alt war, als der Vater starb. Er heißt Wolfgang wie sein Vater, ist gegenwärtig 17 Jahre alt, und durch die ersten Produkte seines musikalischen Talentes dem Publikum schon vortheilhaft bekannt. Sein Klavierspiel zeichnet sich durch feinen Ausdruck und Präcision aus. Und so wäre denn zum Theil die scherzhafte Vorhersagung seines Vaters erfüllt, daß dieß Kind ein Mozart werden würde, weil es einst weinend in den Ton stimmte, aus dem der Vater eben auf dem Fortepiano spielte. Offenbar lebt der Geist seines Vaters in ihm: aber dem Sohne fehlt eine so bildende Vaterhand, wie diejenige war, die das Genie des Vaters so trefflich leitete und entwickelte.

Möge der hoffnungsvolle Sohn in dem Bestreben nach Vollkommenheit nicht ermüden, und so wie er der Erbe des väterlichen Talentes ist, auch seinen rastlosen Fleiß in dem Studium großer Meister geerbt haben! Nur dadurch geht der Weg zum wahren Ruhme! Der ältere Sohn Karl ist gegenwärtig in Mayland und macht ebenfalls große Fortschritte in der Tonkunst.