Der Kaiser hat unter andern mit ihm gescherzt, es seye wohl keine so außerordentliche Kunst zu spielen; wenn man auf die Klaviatur schauen kann, aber bey verdeckter Klaviatur – das wäre etwas? Mozart war damit nicht in Verlegenheit gesetzt: er läßt sich die Klaviatur bedecken und spielt eben so gut, wie vorher.

Auch dieß sey noch nichts besonderes, versetzte der Kaiser, wenn man mit allen Fingern spielt; aber mit einem einzigen zu spielen, das wär erst Kunst.

Auch diese Zumuthung machte den Knaben nichts weniger als verlegen – er versuchte es mit Entschlossenheit auf der Stelle, und spielte zur Verwunderung mehrere Stücke auf diese Art mit Nettigkeit aus. Schon damals äußerte er einen Charakterzug, der ihm stets eigen geblieben ist; nemlich die Verachtung alles Lobes der Großen, und eine gewisse Abneigung vor Ihnen, wenn sie nicht Kenner zugleich waren, zu spielen. Mußte er es dennoch, so spielte er nichts als Tändeleyen, Tanzstücke u. d. gl. unbedeutende Sachen. Aber, wenn Kenner zugegen waren, so war er ganz Feuer und Aufmerksamkeit.

Diese Eigenheit behielt er bis zu seinem Tode, wie wir es bey seinem dreymaligen Aufenthalt in Prag sehr oft erfahren haben.

So geschah es auch damals bey dem Kaiser Franz. Als er sich zum Klavier setzte um ein Konzert zu spielen, und der Kaiser bey ihm stand, sagte Mozart: »Ist Herr Wagenseil nicht hier? der versteht es.« Wagenseil kam, und der kleine Virtuose sagte: »Ich spiele ein Conzert von Ihnen, Sie müssen mir umwenden.«

Auch folgende Anekdote kann vielleicht zu seiner Schilderung beitragen.

Unter allen Erzherzoginnen nahm ihn Antoinette, die nachmalige Königinn von Frankreich am meisten ein, und er hatte eine besondere Zärtlichkeit für sie. Als er einst in den Zimmern der höchstseligen Kaiserinn Maria Theresia war, und von den kleinen Prinzen und Prinzessinnen herum geführt wurde, hatte er das Unglück, des Gehens am geglätteten Fußboden ungewohnt, zu fallen. Niemand war geschäftiger ihm beyzuspringen und aufzuhelfen, als die kleine Erzherzoginn Antoinette; dieß rührte sein kleines Herz so sehr, daß er gerade zu der Monarchin eilte, und mit viel Begeisterung die Güte des Herzens dieser Prinzessinn erhob. Wer hätte einem solchen Kinde nicht gut werden sollen?

Die beyspiellose Fertigkeit, mit welcher er das Klavier behandelte, und der hohe Grad der Kenntniß der Kunst, die er in einem Alter erreichte, wo Kinder sonst noch kaum einen Kunsttrieb äußern, war bewundernswürdig genug; ja es ließ sich wohl kaum etwas Größers erwarten. Aber der wunderbare Geist der Töne, der in ihn von dem Schöpfer gelegt ward, schritt alle gewöhnliche Schranken über, und ging, da er einmal erwacht war, allem Unterrichte voran. Was man ihn lehren wollte, das war seinem Geiste schon wie bekannt, und er schien sich nur daran zu besinnen!

Der Unterricht diente ihm also nur als Reizmittel, und zur Berichtigung des Geschmackes.

Mozart spielte bisher kein anderes Instrument als das Klavier; aber er konnte auch schon geigen, bevor es sein Vater wahrnahm, oder ihm irgend eine Anweisung auf der Violine gegeben hatte. Ich will den Vorfall, der dieses offenbarte mit den Worten des Nekrologes erzählen. – »Mozart hatte aus Wien eine kleine Geige mitgebracht, die er dort geschenkt bekommen hatte. Kurz als die Familie wieder nach Salzburg zurück gekehrt war, kam Wenzl ein geschickter Geiger und Anfänger in der Komposition zu dem Vater Mozart, und bath sich dessen Erinnerungen über 6 Trios aus, die er während der Abwesenheit der Mozartischen Familie gesetzt hatte.«