Nachdem er einigemal bey dem Erbstatthalter gespielt hatte, gieng die Familie wieder nach Frankreich, blieb einige Zeit in Paris, und reiste über Lyon und die Schweiz nach Schwaben, wo sie einige Zeit in Donaueschingen bey dem Fürsten von Fürstenberg verweilten, und dann zu Ende des Jahrs 1766 nach einer Abwesenheit von 3 Jahren wieder in Salzburg eintrafen.
Hier blieb nun die Mozartische Familie mehr als ein Jahr in Ruhe. Diesen Zeitraum der Musse wendete der junge Künstler auf das höhere Studium der Komposition, deren größte Tiefen er nun bald ergründet hatte. Emmanuel Bach, Hasse und Händel waren seine Männer – ihre Werke sein unablässiges Studium! Er vernachlässigte auch nicht die alten italienischen Meister, deren Vorzüge in Rücksicht der Melodie und der Gründlichkeit des Satzes so auffallend gegen die heutigen Italiener abstechen. So schritt er immer näher zu der Stufe der Vollkommenheit, auf der ihn bald darauf die Welt als eine seltene Erscheinung erblickte.
Im folgenden Jahre 1768 gieng Mozart nach Wien und spielte vor dem Kaiser Joseph, der dem 12 jährigen Knaben den Auftrag gab, eine Opera buffa zu schreiben. Sie hieß La finta semplice, und erhielt den Beyfall des Kapellmeisters Hasse und Metastasios, wurde aber nicht aufgeführt.
Bey diesem Aufenthalte zu Wien war er oft bey dem Dichter Metastasio, der ihn sehr liebte, bey dem Kapellmeister Hasse und dem Fürsten Kaunitz; hier gab man ihm oft die erste beste italienische Arie, zu welcher Wolfgang auf der Stelle in Gegenwart aller Anwesenden die Musik mit allen Instrumenten setzte. Dieses Faktum bestättigen mehrere noch lebende verehrungswürdige Zeugen, aus deren Mund ich die Anekdote gehört habe.
Zu der Einweihung der Kirche des Waisenhauses, welche zu dieser Zeit gefeyert wurde, komponirte der zwölfjährige Meister Mozart die Kirchenmusik, und dirigirte ihre Aufführung in Gegenwart des ganzen kaiserlichen Hofes.
Das Jahr 1769 brachte er mit seinem Vater in Salzburg zu, theils in vollkommener Erlernung der italienischen Sprache, theils in der Fortsetzung des höhern Studium seiner Kunst. In demselben Jahre wurde er zum Konzertmeister bey dem Salzburgischen Hofe ernannt.
Mozart hatte nun die ansehnlichsten Länder Europens gesehen; der Ruhm seines großen, früh gereiften Künstlertalents blühte bereits von den Ufern der Donau bis zur Seine und der Themse hin; aber er war noch nicht in dem Vaterlande der Musik gewesen. Italiens Beyfall und Bewunderung mußte erst der Urkunde seines Ruhmes das Siegel aufdrücken. Auch war es seinem nach Vollkommenheit strebenden Geiste daran gelegen, die Blüthe der Tonkunst – den Gesang in seinem natürlichen Boden zu beobachten, und die vielen großen Männer, die damals noch Italiens Ruhm in der Musik stützten, zu kennen – und von ihnen zu lernen.
Im Dezember des nämlichen Jahres verließ also Mozart blos in Begleitung seines Vaters, Salzburg. Sein erster Aufenthalt war Inspruck, wo er in einer Akademie bey dem Grafen Künigl ein Konzert primi vista mit vieler Leichtigkeit spielte. Von da giengen sie nach Mailand.
Hatte in Frankreich und England sein großes Genie und die seltenen Kunst-Fertigkeiten Bewunderung erregt, so war es in Italien feuriger Enthusiasmus, mit dem man ihn aufnahm und erhob! Selbst der mächtige Nationalstolz, und das Vorurtheil des Ultramontanismus wich besiegt von den glänzenden Talenten des 12 jährigen Knaben; er schien eine Erscheinung vom Himmel, ein höherer Genius der Tonkunst zu seyn!
So groß war die Ueberlegenheit seines Genies, daß ihm zu Mailand nach einigen öffentlichen Proben seiner Kunst, gleich die Scrittura zu der Opera seria für den künftigen Karneval 1771 gegeben ward. Von da reisete er schon im März 1770 nach Bologna – eine Stadt die nebst Neapel den größten Ruhm der Musik hatte.