Auf seiner Rückreise aus Italien im J. 1771, besuchte er noch Venedig und Verona; hier überreichte man ihm auch das Diplom als Mitglied der philharmonischen Gesellschaft.[2] So kam er nach einem Aufenthalte von mehr als 15 Monaten in Italien, nach Salzburg zurück. Die Ausbeute dieser langen Reise war ein Schatz neuer Kenntnisse und Ideen, ein geläuterter Geschmack und die Bewunderung einer Nation, die von der Natur selbst zur Richterin in der Tonkunst berufen zu seyn schien.
Bey seiner Ankunft in Salzburg fand Mozart einen Brief von dem Grafen Firmian aus Mayland, worinn ihm dieser im Namen der Kaiserin Maria Theresia den Auftrag machte, die große theatralische Serenate zur Vermählung des Erzherzogs Ferdinand zu schreiben.[3] Zu diesem Feste schrieb Hasse, der älteste unter den Kapellmeistern die Opera, und Mozart, der jüngste unter ihnen, die Serenate; die Kaiserin schien das so mit Absicht angeordnet zu haben! Diese Serenate hieß: Ascanio in Alba; während der Feyerlichkeit ward immer mit der Oper und der Serenate abgewechselt. Bey der Wahl des neuen Erzbischofs von Salzburg, 1772, schrieb Mozart auch eine theatralische Serenate, betitelt: Lo sogno di Scipione.
Einige Reisen die Mozart im Jahre 1773 und 1774 nach Wien und München machte, gaben die Gelegenheit zu mehreren Meisterwerken der Tonkunst; hieher gehört die komische Oper: La finta Giardiniera, und mehrere Messen für die Münchner Hofkapelle.
Im Jahre 1775 schrieb Mozart in Salzburg die Serenate il re pastore, welche außerordentlich gefiel, und unter diejenigen ältern Werke Mozarts gehört, die auch jetzt noch ihren großen Werth haben; denn er hatte darinn schon den hohen Geist ahnden lassen, der in seinen spätern Kunstwerken herrscht. Dahin gehört das Oratorium der büssende David, welches unter die besten Werke dieser Art gehört, und auch jetzt noch von Kennern bewundert wird.
Fußnoten:
[1] Anmerkung: Ohne meine Erinnerung werden die Leser einsehen, daß dieser Martini mit dem Opernkomponisten Martini, dem Verfasser der Cosa rara, nicht zu verwechseln sey.
[2] Anmerkung. Alle diese Diplome, so wie das Kreuz des päpstl. Ordens, bewahret die Wittwe zum Andenken.
[3] Serenaten waren eine Gattung Kantaten, denen zum Grunde ein dramatisches Sujet gelegt war; sie hatten also Aehnlichkeiten mit den Oratorien.
II.
Mozart als Mann.
Diesen Zeitpunkt, das heißt, sein 20stes Lebensjahr können wir für die Epoche seiner Vollendung als Meister annehmen; denn von nun an zeigte er sich immer als ein solcher im glänzendesten Lichte, und mit einer entscheidenden Ueberlegenheit des Geschmackes und Genies; alle seine Werke, die er seit dem geliefert hat, sind klassisch und erwarben ihm die Krone der Unsterblichkeit. Wir fahren in der Erzählung seiner Lebensbegebenheiten fort, und werden die vorzüglichsten seiner Werke, aus dieser Lebensperiode, in einem besondern Abschnitte rezensiren.