Jachl kocht sich Tee; denselben Tee, welchen auch die Kuh bekommt, wenn sie zuviel brüllt. Ein bißchen hilft er, aber hat Jachl denn überhaupt Zeit krank zu sein? --

Während er neben Lieschen in die nächste kleine Stadt trabt, zittert er wohl noch, aber sie reden doch vergnügt von allem möglichen. Auf dem Heimweg wird er fast gesund. Seinen steifen Hut trägt er gut verpackt unterm Arm. Er hat ihn vor einem langen, breiten Spiegel aufprobiert, der nicht ein bißchen zerbrochen gewesen ist. Zum ersten Mal sieht Jachl sich selber. »Der hellhaarige, lachende, große Mensch -- bin ich der? Wahrhaftig?«

Eine Sekunde durchfährt ihn unbändige Freude.

»Wonach siehst du denn noch immer?« fragt Lieschen, »ein Hübscher bist du, daß du's weißt.«

Jachl hört noch lange: »Ein Hübscher bist du -- ein Hübscher bist du.«

Schneider Kiekebusch muß zur Umwandlung des Rockes doch hinzugezogen werden. Er ist nicht zu umgehen. Lieschen allein wagt sich nicht heran. Jachl bittet erst auch gar nicht lange, denn: »sicher ist sicher«. Hat er doch beim Anpassen der »schönen« Hose mit Schrecken bemerkt, daß Lieschen ein wenig zu viel abgenäht hat, und daß der Hose Straffheit durchaus nicht angenehm ist. -- Großartig paßt aber dann am Einsegnungstage nach Lieschens Urteil der ganze Anzug. Niemand weiß ja, wie sehr Jachl die Schuhe drücken, wie knapp er sich in die »schöne« Hose gepreßt hat, und daß die schwarzen Handschuhe (sie stammen auch noch von der Großmutter) schon die Krümmung eines Fingers zur Qual machen.

In der sicheren Voraussetzung, vom nächsten Tage ab »ein gemachter Mann« zu sein, überwindet Jachl alles Ungemach. --

Einige Minuten lang hat er gehofft, der liebe Gott, von dessen Güte er besonders viel in den letzten Wochen hörte, werde ihn vielleicht gerade an diesem Tage mit Vater oder Mutter überraschen. Es war aber nichts damit. --

Heute sind alle in Lüttersloh wie die Stadtherren angezogen. Jachl kommt sich auch furchtbar nobel vor.

Seine Gedanken sind aber nicht soviel, wie es vorgeschrieben ist, beim lieben Gott. Während des sehr feierlichen Augenblickes des Niederkniens, fällt ihm ein -- ach, es ist schändlich, -- ihm ein Regenschirm fehle, und daß gerade ein Schirm in der Hand einen gut angezogenen Burschen immer erst »komplett« mache. --