Der kleine Maler ist pünktlich als Begleiter zur Stelle. Zuerst müssen die nötigen Einkäufe für Jachls Verschönerung gemacht werden. Er selbst wundert sich: ganz sicher geht er über die Straßen. Den Automobilen weicht er ohne Furchtsamkeit aus. Im großen Warenhaus stellt er sich beim Anprobieren seines Anzuges so gelassen vor den Spiegel, als habe er von jeher auf diese Weise den Eindruck festgestellt, den er und ein neuer Anzug hervorrufen. --
Der kleine Maler ist ein guter Führer. Schon früh gegen zehn Uhr sitzen die beiden und stärken sich im großen Kaufhause. -- Jachl ist nun wie ein richtiger Stadtherr angezogen, aber für den heutigen Besuch ist die Verschwendung unbedingt nötig. --
Vor dem Haus: »Schaperstraße 24« verabschiedet sich der Maler. --
Joachim Bohn betrachtet erst jedes Fenster des Hauses, bevor er beim Portier klingelt. Vielleicht putzt Lieschen gerade die Scheiben. Nein, zu sehen ist sie nicht. Langsam steigt er die Treppen hinauf. Drei hohe Stiegen. »Links«, hat der Portier ihm noch nachgerufen. --
»Dr. Marwitz«, liest Jachl. Er klingelt. Dauert es immer so lange, bevor jemand öffnet?!
Endlich hört Jachl Schritte. Sie könnte es sein. Die Tür wird geöffnet.
»Ach, bitte, ich möchte zu Fräulein Lieschen.« Leicht lächelnd sieht das Stubenmädchen Joachim prüfend an: »Ach, die -- die ist schon seit fünf Monaten hier fort -- --«
Ehe Jachl noch etwas fragen kann, steht er vor der geschlossenen Tür. --
Nie ist ihm der Gedanke gekommen, Lieschen könnte die Stelle gewechselt haben. Genau so arglos wie Großmutter Bohn scheint der Jachl zu sein. Nur hatte sie es besser wie er. Sie brauchte sich nicht suchend aufs Einwohnermeldeamt zu begeben; sie erfuhr nie, wie oft Trude die Stelle gewechselt hatte, bis sie überhaupt mit »Stellenannehmen« fertig war. -- --
Etwas Furchtbares ist ein Einwohnermeldeamt. So ruhig Jachl sich bis dahin in Berlin bewegt hat, auf den langen Korridoren des Polizeipräsidiums wird ihm doch ganz schwindlig. Zweimal muß der kleine Maler, der noch vor dem Hause Schaperstraße 24 stand, als Jachl herunterkam, erinnern, daß die Auskunft fünfundzwanzig Pfennige koste. Dann sucht Jachl so lange in seinem Portemonnaie, als könne er nicht mehr eine Mark von zehn Pfennigen unterscheiden. --