Und — ganz von Zärtlichkeit für mich durchtränkt —

Mit ihrer sanften Güte mich umhaucht?

Mein Weg zu Dir ist ganz in Licht getaucht.

[ Maria an Roland.]

Geliebter, ich liebe Deine Verse, liebe Deine zarte Zärtlichkeit, liebe Dich, Dich, heute nur Dich.

Ich kann Dir die Stunde nicht nennen, in der ich aufhörte, Dir nichts sein zu wollen als eine mütterliche Freundin. War es vielleicht in jener Dämmerstunde, in der wir durch die blühende Einsamkeit meiner Wiesen gingen — die Sonne wollte gerade untergehen — wir hatten zu sprechen aufgehört — mein Herz fühlte sich unruhig — bewegt — hungrig? Oder waren es Deine Gedichte, bei deren Anhören es mir schien, als wehten blühende Bäume mir zu Häupten, deren stillgewordene Kronen sich leise im Winde von neuem zu regen begannen?

Doch von Deinen Versen will ich Dir schreiben. Schon jetzt beginnen sie, Dir alles zu verwandeln; Hingerissenheit konnte Dich überfluten, der Du nicht zu wehren vermochtest. Aber das sollst Du ja auch garnicht. Indem Du den Gott in Dich einströmen läßt, bist Du ein Künstler; ein schlechter vielleicht für die Welt, für Dich selbst ein begnadeter. Ich kann nicht wissen, ob ein herrisch forderndes Talent sich plötzlich in Dir erhob, kann nicht wissen, wie hoch und wie weit es Dich tragen wird, nur das weiß ich: Der Kampf beginnt, dieser Kampf, den ich selbst in so vielen Phasen kenne: Aus glühendem Schaffensrausch, aus Siegesfreude wirst Du in marternde Bangnis sinken. Entsetzen vor eigener künstlerischer Unfähigkeit wird Dich foltern. Neues Hoffen wird Dich emporreißen. Traue der Helle in Dir mehr als allen inneren Umdüsterungen. Und wolle, wenn es Dein Los sein soll, unterzugehen, — tausendmal lieber im Kampfe um die Kunst fallen, denn im Kampfe mit dem dürren Leben.

Den immer Korrekten, immer Nüchternen sind wir nur seltsam — uns erscheinen sie armselig; wir schauen Verborgenes, von dem sie nichts sehen oder nichts sehen wollen. Wir stürzen uns freiwillig in Gefahren — sie sind bedacht, sich allem ihre Ruhe Gefährdendem fern zu halten. — —

Eine seltsame Beklemmung will mich in dieser Stunde nicht verlassen. Eisern muß der eigene Glaube an das Können sein, damit wir nicht vor der Zeit stürzen. Und Du sollst nicht stürzen, hoch hinauf sollst Du steigen. Bald — wir können die Spanne Zeit nicht abschätzen — werde ich Dir nur ein lichter Schattenriß sein, der sich vom anders getönten Firmament abhebt. Heute noch glaubst Du, ein Aufleuchten in meinen Augen, ein bebendes Mitdichten allein nur meines Herzens genüge Dir. Wohl könnte das einer Liebe höchste Staffel sein, — doch wiege Dich nicht in diesen Wahn ein. Nur zu bald wirst Du den grausamen Mut haben, mir zu erklären, daß Du weiter müssest, — — bevor Du es ahnst, werde ich Dich verloren haben.

Verloren? Verzeihe das Wort. Dachte ich nicht noch vor kurzem anders über ein solches Weiterklimmen? War es nicht immer die stille Voraussetzung, mit der ich Menschen an mich zog? War das: „Weiter“ — war der Wandel nicht der Reiz für mich in jeder Vereinigung, war er nicht ihr Ziel? Oder könnte es doch wahr gewesen sein, daß ich selbst manch eine Blüte zerriß, die ich liebevoll ins Leben gepflegt hatte? Bleiben oder Gehen? Welches mag über das verhältnismäßig glücklichere Los entscheiden? Wie immer, all meine „geistigen Errungenschaften“ entgleiten mir einem Gewande ähnlich, das nur leicht auf meinen Schultern ruhte.