Fars, d. i. Persien im eigentlichsten und engsten Sinne, der Kern des persischen Reichs, in welchem das Haupt desselben die alte Persepolis, die Geburts- und Grabstätte des Cyrus, ist als Vaterland persischen Namens, als Mutterland persischen Stammes zu jeder Zeit seiner Geschichte, von der ältesten bis zur neuesten, und folglich auch binnen des Jahrhunderts mongolischer Herrschaft vor allen anderen Landschaften des Reichs von vorwiegendem Interesse und Momente. Persien im weitesten Sinne, d. i. Iran, das Ariene der Sendbücher, ist das Paradies der Bibel, das zwischen den vier Flüssen des biblischen Paradieses, dem Digloth (Tigris), Frat (Euphrat), Gihon (Dschihun) und Phischon (Sihun), östlich und westlich eingeschlossene asiatische Hochland. Persien im engsten Sinne, d. i. Fars, ist die von Natur und Kunst vor allen anderen Landschaften des Reichs am meisten ausgezeichnete südliche, nördlich vom persischen Irak, südlich vom persischen Meerbusen, östlich von der Sandwüste Kirmans, westlich vom Gebirgslande Luristan begränzt, in welcher das paradiesische Thal Schaab Bewwan, von den asiatischen Geschichtschreibern als eines der vier Paradiese des Ostens gefeiert, die Naturfeste Kalaaisefid, d. i. das weisse Schloss, schon aus dem Schahname als der Sitz des weissen Diwe's bekannt, die Ruinen der vierzig Säulen[449] oder der vierzig Leuchtthürme[450], die behauene Steinwand des Ebenbildes Rustem's[451], die der alten Königsgräber, das Grab der Mutter Salomon's[452], d. i. das des Cyrus (ein Felsengrab mit Pehlewiinschrift), die des Kerkers[453] und der Musikkapelle Dschemschid's[454], Felsengrotten mit Inschrifttafeln in Pehlewi, die Sculpturen von Schabur, welche den Triumph Schabur's über Valerian verherrlichen, Königsgräber, Heldengrotten, Bergaltäre, Feuertempel und mehrere andere solcher steinerner Ueberlieferungen der ältesten Geschichte des Reichs. Ein von der Natur durch mehrere Seltenheiten hochbegünstigtes Land, in welchem die Rosen und der Wein von Schiras glühen, das reine Wasser von Mossella fliesst, ein Land, das der Lebensfluss und der Kor durchströmen, deren erster seinen Namen von den lebendigen Bergwässern, dieser in der ältesten Zeit von Kyros, in der mittleren vom grössten Fürsten der Dynastie Buje den Namen hat[455]; das Land, wo der königliche Berg der Gräber von Persepolis und das vielfarbige Salzgebirge von Darabdscherd sich erheben, wo zu Schiras die Berggipfel persischen Dichterruhms in den Grabmälern von Hafis und Saadi. Persische Baukunst und Dichtkunst haben in Fars ihre höchsten Triumphe gefeiert, und ohne von der ältesten Geschichte zu sprechen, so ist seit dem Aufblühen neupersischer Poesie und Literatur Fars der Mittelpunkt derselben geblieben, bis erst in der jüngsten Zeit sich dieselbe in dem Brennpunkte der nach Norden übertragenen Hauptstädte von Teheran und Tebris gesammelt. In den ersten drei Jahrhunderten der Hidschret blühte morgenländische Dichtkunst und Literatur zwar zuerst unter der Herrschaft der Beni Saman und Chorasan auf und erhielt sich dort noch mit der Herrschaft der Seldschuken in bedeutendem Flore; denn Fars wetteiferte hierin mit Chorasan schon unter der Herrschaft der Beni Buje, und trug unter der der Salghuren den ersten Preis davon, welcher demselben erst nach dem Untergange dieser Dynastie, unter der Herrschaft der Ilchane vom nördlichen Persien, wo die Residenz Tebris aufblühte, streitig gemacht, in der Folge aber unter der Herrschaft der Dynastien der Beni Mosaffer und Sseffi wieder errungen, und bis in die neueste Zeit behauptet ward, wo der Lebensfluss geistiger Kultur wieder den nördlichen Hauptstädten und Residenzen Teheran und Tebris in seichteren Fluthen zufliesst; also schon aus dem Gesichtspunkte der Kulturgeschichte allein ist die Geschichte der Salghuren, welche ein Jahrhundert vor der Herrschaft der Ilchane Fars beherrscht, von der höchsten Wichtigkeit, indem dieselbe auch die Kulturgeschichte Persiens während der Eroberung und der dreizehnjährigen Herrschaft Hulagu's einschliesst.
Die Beni Amare, Beni Buje und Beni Seldschuken.
In Hinsicht auf Kultur hat die bisher europäischen Orientalisten und Geschichtschreibern nicht einmal dem Namen nach bekannt gewordene Dynastie der Beni Dschelendi, welche zur Zeit der arabischen Eroberung von den Ufern des persischen Meerbusens bis nach Kerman und Irak hin herrschten, einen bedeutungsvollen Beinamen, indem dieselben auch Beni Amare oder Imare, d. i. die Söhne der Kultur, heissen. Das arabische Wurzelwort Amr oder Omr bezeichnet Leben und Kultur, indem die Kultur belebt und das Leben ohne Kultur kein geistiges; zunächst verwandt mit Omer, d. i. Homeros, dem Inbegriffe ältester griechischer geistiger, vom Orient aus belebter Kultur[456]. Aammar heisst der Hochgebildete, Wohlgerüche Liebende, sei es nun die physischen, sei es die geistigen höherer Bildung, wovon jene ein treffliches Sinnbild. Bisher kennt die europäische Geschichte des Morgenlandes nur zwei Dynastien der Beni Ammer, die, welche zur Zeit der Kreuzfahrer in Tripolis herrschte, wo die herrliche, angeblich drei Millionen Bände starke Bibliothek derselben von den Kreuzfahrern verbrannt ward[457]; die zweite, welche im ersten Viertel des vierzehnten Jahrhunderts zu Tripolis an der afrikanischen Küste gegründet, unter sieben Fürsten durch sieben und siebzig Jahre gedauert[458], welche ebenfalls Freunde der Wissenschaften und Literatur; die dritte endlich, die hier zum erstenmale in Europa an's Licht gezogen wird, die der Beni Amare in Fars, welche, auf ihre Bergfesten stolz, nicht nur den arabischen Eroberungen, sondern auch noch der in Chorasan aufsteigenden Dynastie der Beni Ssaffer trotzten, indem Omer Ben Leis, der Fürst der letzten, zwei Jahre lang den Abdallah Ben Ahmed el-Dschelendi, den Fürsten der Beni Amare, bekriegte, ohne denselben besiegen zu können. Nach den historischen Ueberlieferungen der moslimischen Geschichtschreiber sollen die Beni Amare als Herren der Küste und Seeräuber schon zur Zeit des Moses geherrscht und das Schiff weggenommen haben, dessen im Koran bei der Erzählung der Wanderung des Moses mit Chisr nach dem Zusammenfluss der beiden Meere (des arabischen und persischen oder persischen und indischen) Erwähnung geschieht[459]. Nach der Herrschaft der Beni Omeije erhob sich unter der der Beni Abbas in Fars die der Beni Buje, deren grösste Fürsten besonders die neue Hauptstadt Schiras durch Bauten verherrlichten. Während der sieben und achtzig Jahre, welche vom Ende der Herrschaft der Beni Buje bis zu dem Beginne der Herrschaft der Salghuren verflossen, ward Fars durch sieben Statthalter Atabege der Seldschuken verwaltet. Der erste, Faslui Schebankjare, von dem ein Dichter gesagt:
Von Gott, dem Allerhöchsten, war es Huld und Glück,
Dass Ungethüm des Aufruhrs hielt Faslu zurück.
Der zweite, Rokneddin Chumar Tekin, ertrank; der dritte, Dschelaleddin Dschanli, zerstörte Schebankjare; der vierte, Rokneddin Dschanli, welcher eine Medrese zu Schiras gebaut, ward zu Hamadan erschlagen; der fünfte, Mengubers, baute eine Medrese, an welcher er begraben liegt, desgleichen seine Gemahlin Sahide, d. i. die Einsiedlerin, die nach ihr Issmeti, d. i. die keusche, genannte Medrese; der sechste, Besabe, ward, wiewohl ein gerechter und billiger Herr, gewaltsamer Weise getödtet, und der siebente, Melekschah, hielt, der letzte, das Ansehen der Seldschuken aufrecht. i. J. 543/
1048 Wider diesen stand in der Hälfte des sechsten Jahrhunderts der Hidschret, des eilften der christlichen Zeitrechnung, Sonkar Ben Mewdud, der Salghure, vormaliger Sklave Melekschahs, in Aufruhr auf und masste sich als Atabege die Krone an. Er war Atabeg, d. i. Obersthofmeister, des unmündigen Sohnes Sultan Mohammed's, des Seldschuken, gewesen und war von ihm zum Statthalter von Fars bestellt worden, das er drei Jahre lang verwaltete, dann aber durch seines Bruders Tekele List eingesperrt ward[460]. Er hatte sich am Fusse des Berges Giluje angesiedelt, von wo aus er seine neue Herrschaft begründete; er schlug sich zu wiederholtenmalen mit Jakub Ben Arslan, dem Herrn von Chusistan, und starb, nachdem er die neugegründete Herrschaft durch vierzehn Jahre befestigt. Er baute zu Schiras Kloster, Moschee, Karawanserai und eine hohe Minaret, er selbst ein hoher Leuchtthurm der Herrschaft, welcher durch Siege, Einrichtungen und Bauten als Reichsgründer seinen zehn Nachfolgern strahlend vorgeleuchtet[461].
Die fünf ersten Atabegen Salghuren.
Der Atabeg Mosaffereddin Sengi Ben Mohammed, der Bruder des Gründers, vom Sultan der Seldschuken, Toghrul, als Atabege bestätigt, behauptete, wie sein Bruder, die Herrschaft durch vierzehn Jahre, wiewohl sie ihm von seinem Schwager Saik, welcher zu Baidha ein Karawanserai gebaut, mit den Waffen in der Hand streitig gemacht ward. Er baute für den grossen Scheich Abdollah Chafif eine kleine Zelle, welche in der Folge bis zu drei Domen vergrössert, erst von Schah Ismail, dem Gründer der Dynastie Ssofi, zerstöret ward. 570/
1174 Ihm folgte als dritter Atabeg sein Sohn Tekele, ein gerechter Fürst, dessen weiser Grosswesir, Emineddin Karasun, zu Schiras Moschee und Kloster erbaute; im fünften Jahre seiner Regierung verheerte der Atabeg von Aserbeidschan, Pehliwan, der Sohn des Ildigis, das Land, und die fünfzehn folgenden Jahre derselben waren kaum hinreichend, die dem Lande durch die Verheerung geschlagenen Wunden durch gerechte Verwaltung zu heilen; 590/
1194 kaum vernarbt, wurden dieselben während der siebenjährigen seines Vetters und Nachfolgers Toghrul Ben Sonkor[462] wieder durch den Bürgerkrieg, in welchem ihm sein Vetter, der fünfte Atabeg, Ebu Schudschaa, d. i. der Vater der Tapferen, Saad Ben Sengi, den Thron zu entreissen strebte, aufgerissen und durch Landplagen so schmerzlicher gemacht. Auf unerhörte Trockenheit folgte schreckliche Hungersnoth, in welcher die Leichname der Hungers Gestorbenen von den Ueberlebenden verzehrt wurden, und auf die schrecklichste Hungersnoth noch schrecklichere Pest. 600/
1203 Usbeg, der Sohn Pehliwan's, der Atabege von Aserbeidschan, verheerte Schiras, und vierzehn Jahre hernach, als der Sultan Mohammed Tekesch, der Schah Chuaresm's, mit dreimalhunderttausend Mann auf dem Zuge nach Bagdad sich des Gebirgslandes des persischen Irak bemächtigt hatte, schlug sich Saad einigemal mit ihm und wurde von ihm gefangen. Mohammed Tekesch, selbst ein tapferer Fürst, erhob die Tapferkeit des gefangenen Feindes so hoch, dass er ihm die Herrschaft von Fars unter der Bedingniss bestätigte, dass dessen Tochter Melike Chatun dem Sohne Chuaresmschah's, dem grossen und unglücklichen Dschelaleddin Mankburni (dem letzten der Chuaresmschahe), vermählt werde; dass das Drittel der Einkünfte von Fars in den Schatz Chuaresmschah's fliesse und das feste Schloss Istachr chuaresmische Besatzung einnähme. Saad's Sohn Ebubekr missbilligte den vom Vater geschlossenen Rettungsvertrag, stand wider denselben mit den Waffen in der Hand auf, schlug ihn einigemal und sperrte ihn im Schlosse von Istachr, welches sammt den von Ischnekwan von Chuaresmschah hätte besetzt werden sollen, ein. Ebubekr hatte die Pflichten des Sohnes so sehr ausser Augen gesetzt, dass er sogar nach dem Vater mit Keulen schlug; dieser stürzte den Sohn vom Pferde und sperrte ihn in einem der drei Schlösser von Istachr ein, erfüllte den mit Chuaresmschah geschlossenen Vertrag durch Sendung der Tochter und benützte den Frieden zum Baue einer Moschee, eines grossen Karawanserai auf dem Wege von Tebris, welches Schehrallah, d. i. die Stadt Gottes, heisst, und zu Erneuerung der Mauern von Schiras[463]. Saad's Wesir war Amideddin Abu Nassir Esaad Abrisi, welcher einen Band arabischer und persischer Geschichte hinterliess und mit welchem Saad, selbst Dichter, sich öfters in poetischen Wettstreit einliess. Die Frucht eines derselben ist die berühmte, seitdem auf allen Zungen gang und gäbe Antithese Chuaresmschah's:
In Schlachten wie Eisen, bei Festen wie Wachs,
Verderblich dem Feinde, gesegnet dem Freunde[464].
Der Wesir Amideddin stand in gelehrtem Briefwechsel mit dem Meister aller Humanitätswissenschaften, Omer Er-Rasi, über die Schwierigkeiten des mystischen Epos Selaman und Absal, welches unter der Hülle einer Männerliebe die Allegorie des Aufschwungs der Seele zu göttlicher Liebe. Die Volkssage hat die Namen der beiden Helden dieses Gedichtes altpersischen Ursprungs einer Steinwand von Sculpturen von Schiras[465] aufgeheftet, sowie denen von Tak Bostan bei Kermanschahan die Sage von Chosrew und Schirin. Saad hatte den Wesir Amideddin sammt seinem Sohne Tadscheddin zu Ischnekwan, einem der Schlösser Istachr's[466], eingesperrt; er kürzte sich die lange Weile seiner Gefangenschaft durch Gedichte, die er an die Wand schrieb, und deren eines die berühmte Kassidet, deren Beginn: