Und zur Zeit der Schlacht ist die Wissenschaft bei Gott, welcher die Bestimmung des Looses macht. Und es ist keine Hilfe, als bei Gott! dem Allgeehrten, dem Allweisen! er sendet sie dem und verleihet die Macht, und nicht dem, der selbst die Vorherbestimmung des Sieges macht. Wir sind nicht von jenen, welche auf Gelegenheit und Vorwand lauern, und nicht von denen, welche sich abwenden und niederkauern; und die Stunde der siegreichen Schlacht ist nicht anders als die Stunde (des jüngsten Tages), in welcher Alles schnell wird abgemacht. Bei Gott! er führt nur zum Guten dieses Volk, und er ist der Mächtige, im Stande, jede Kunde und Gnade zu vollenden. Geschrieben im Neumonde des Ramasan des obgedachten Jahres.“
Arghun's Bewegungen; Tod Alaeddin Dschuweini's.
Arghun's ränkeschmiedender, rachebrütender Geist sammelte indessen Wolken über dem Haupte Schemseddin's und Teguder's zum Gewitter, aus welchen der den Herrscher und seinen Wesir verzehrende Wetterstrahl fahren sollte. Nachdem Arghun auf wiederholtes Begehren des Chans demselben den Emir Buka gesendet, welcher die Hand Kutui Chatun's (der Wittwe Abaka Chan's) ehrenvoll empfing, brach Arghun von Ssughurluk nach Chorasan auf. 4. Reb. II. 681/
12. Juli 1282 Ahmed suchte den Oheim Konghuratai für sich zu gewinnen, indem er ihm die Frau Tukini, die Wittwe Hulagu's (die Nichte der grossen Frau Tokus), zur Gemahlin gab und mit einem grossen Heere zur Gränzhuth nach Rum abordnete, nach vierzehn Tagen aber ihm den Emir Akbuka nachsandte. 19. Reb. II. 681/
27. Juli Ahmed war von zwei moslimischen Gesetzgelehrten, dem schon erwähnten Abderrahman von Mossul, berathen, welcher, Sohn eines Sklaven des letzten Chalifen der Beni Abbas, vom Blutbade nach Mossul gerettet, dort eine Zeit lang Tischler, dann von Iseddin, dem Herrn Amadia's, bei dem er sich in Kredit gesetzt, dem Abaka überlassen worden, und bald durch angebliche Kenntniss von Schatzentdeckungskunde und geheimen Wissenschaften sich dessen Vertrauen erwarb[632]. Teguder hiess denselben nicht anders, als Vater, und einen zweiten Günstling, Namens Mengli, nicht anders, als Sohn; diese und Teguder's Mutter, Kutui, eine sehr verständige und zur Regierung tüchtige Frau, lenkten die Zügel derselben, während Schiktur Nujan und Sundschak, wiewohl denselben Teguder vorzüglich seine Erhöhung auf den Thron dankte, zur Seite gesetzt wurden[633]. 19. Dschem. II. 681/
24. Sept. 1282 Zwei treulose Diener Atamülk's Dschuweini[634] erschienen vor Arghun, bei demselben ihren Herrn anzuschwärzen, dass er dem Wedschiheddin Sengi, dem Wesir Chorasans, den Befehl zugefertigt, den Prinzen Arghun zu vergiften. Arghun liess denselben sogleich in den Kerker werfen, zog das ganze Habe desselben ein und schenkte ihm das Leben nur auf Fürbitte der Frau Bulughan Chatun, der geliebtesten Gemahlin Abaka's, welche nach dessen Tod in das Harem seines Sohnes Arghun übergegangen. Arghun zog gegen Bagdad, um dort zu überwintern. 23. Dschem. II./
28. Sept. Zu Rei empfing er den Melik Fachreddin ehrenvoll und bestätigte ihm die Befehlshaberschaft des Landes; Ahmed, hiervon in Kenntniss gesetzt, schickte Gesandte, um den Fachreddin aufzuheben und nach Schirwan zu bringen, wo er die von Arghun empfangenen Ehrenbezeugungen mit der Folter büsste. Arghun, hierüber entrüstet, sandte Sendschreiben an die Emire und an Schemseddin, den Inhaber des Diwans, des Inhaltes: Sein Vater, Abaka, habe ihm den Melik Fachreddin überlassen, er werde die demselben zugefügte Schmach und Pein rächen. Als er nach Bagdad gekommen, forderte er von Nedschmeddin Assfer, dem Stellvertreter Alaeddin Dschuweini's, dass er die vom Vater, Abaka, geforderten, von Alaeddin nie bezahlten Summen erlege. Nedschmeddin ward in den Staub geworfen, und als Alaeddin davon die Nachricht erhielt, traf ihn in Arran der Schlag; seine Stelle erhielt sein Neffe Harun[635]. 4. Silhidsche 681/
5. März 1283 Arghun hatte den Winter zu Bagdad zugebracht und während desselben zehntausend der Karawinas, welche nach den Worten Wassaf's: „eine Art von Dämonen, die fürchterlichsten der mongolischen Nationen“, sich angeeignet. Von den Prinzen des Hauses standen der Bruder Kendschatu und der Vetter Baidu, der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes Hulagu's, ihm zur Seite; von den Emiren waren ihm mehrere zugefallen[636], deren mächtigster Taghadschar, der ehemalige Befehlshaber in Fars, dem er die Befehlshaberschaft eines Tomans mit den Insignien der Standarte und Pauken verlieh. Der mit ihm einverstandene Prinz Dschuschkab (der Sohn Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) überwinterte zu Diarbekr. Auch Alinak, der Statthalter Georgiens, welchen Ahmed Teguder an Arghun mit der Einladung zum Kurultai gesandt hatte, war von demselben gewonnen worden und hatte sich mit ihm verbündet; als er aber an den Hof Ahmed's zurückkam, ward derselbe durch Schemseddin's Klugheit, welcher dessen Pläne durchschaute, wieder dem Herrscher gewonnen, indem ihm die älteste der Töchter Ahmed's, die Prinzessin Kutschuk, vermählt ward. Als Arghun im Frühjahre von Bagdad nach Chorasan zurückkehrte, liess er den Prinzen Dschuschkab an der Spitze seines Lagers als Vorhuth zurück.
Konguratai getödtet.
Als Arghun auf seinem Zuge gegen Chorasan nach Rei gekommen, liess er den Vogt Teguder's prügeln, ihm an den Hals und an die Füsse einen Block schlagen und sandte ihn so auf einem Esel an Teguder, zugleich die Forderung der Auslieferung des Wesirs Schemseddin zur Berichtigung der dem Vater schuldig gebliebenen Summen stellend. An der Gränze Masenderans kam ihm Jankadschi Nujan mit einem Tomane (zehntausend Mann) des Heeres entgegen; er sagte zu ihm und zu Hindu Nujan, dem Befehlshaber der beiden Tomane, welche die Gränze am Dschihun hüteten: Als mein Vater mich vor seinem Tode zu sich berief, war ich bis hierher gekommen, als ich die Nachricht, dass er gestorben, erhielt, und weil ich kein Heer hatte, des mir bestimmten Thrones verlustig ging; nun bin ich entschlossen, wenn ihr mir nur beistehen wollt, denselben mit dem Schwerte zu erobern. Hindu antwortete: Wiewohl die Sache sich so verhält, so ist doch Teguder als der Aka, d. i. der Aeltere, dermalen Chan, doch du, Gott sei Lob! Herr und Padischah in diesem Lande; begnüge dich damit und befolge den Rath des im Dienste deines Vaters ergrauten Dieners; sollte aber Teguder dich angreifen wollen, so sind wir bereit, die Seele für dich zu opfern. Zu gleicher Zeit, als Tarchun gegen Chorasan gezogen, war Teguder nach Alatagh gekommen und hatte von hier seinen vertrauten Rathgeber, den Scheich Abderrahman, als Gesandten an den Sultan Aegyptens gesandt; er wurde zu Damaskus in den Kerker geworfen, aus welchem ihn nur der Tod befreite. Teguder lud seinen Bruder, den Prinzen Konguratai, den Statthalter Rum's, ein, auf einem Kurultai zu erscheinen. Dieser hatte zwei seiner Vertrauten zu Arghun gesendet, welcher dieselben höchst ehrenvoll empfing und dem Oheim zwei Kuppeln Panther zum Geschenke sandte; diese Sendung erregte das höchste Missvergnügen und den grössten Verdacht Teguder's. Konguratai verschwor sich mit zwei Emiren[637] wider das Leben Teguder's, und sie bestimmten zur Ausführung ihrer That die Festnacht des neuen Jahrs[638], wo nach mongolischem Herkommen zum Andenken des Auszugs aus den Erzgebirgen von Ergenekun der Chan mit seinem ganzen Hofe der Schmiedung von Eisenmassen beiwohnte. Teguder, hiervon benachrichtigt, begab sich zu Alinak, seinem Eidam, und bewog ihn, am Tage vor der neuen Jahresnacht sich zu Konguratai zu verfügen und ihm denselben zu bringen. 26. Schewwal 682/
17. Jan. 1284 Alinak versprach, nicht nur den Konguratai, sondern auch den Arghun auf gleiche Weise in Teguder's Hände zu liefern. Dieser überhäufte ihn mit Ehren und Geschenken und übertrug ihm den Befehl des ganzen Heeres. Am neuen Jahrstage des Affenjahres (des neunten des zwölfjährigen mongolischen Thiercyklus) wurde Konguratai getödtet. Zu Karabagh in Arran sassen die Richter durch sechs Tage lang zu Gericht und verurtheilten die beiden Emire, Mitverschworenen Konguratai's, zum Tode; nach Bagdad erging der Befehl, den Prinzen Dschuschkab und sieben Emire Arghun's zu ergreifen[639] und gebunden nach Tebris zu bringen, wo sie erst später durch die Ankunft Arghun's von ihren Banden befreit wurden; auch den Bruder des Chans, den Bruder Kendschatu, welcher sich selbst als ergeben stellte, hatte man nach Tebris gesendet, aber auf dem Wege dahin, zu Sawa, entwich er seinem Geleite und begab sich zu Arghun. Diesem berichtete der Richter von Kaswin, Rasieddin, den Mord Konguratai's, die Gefangennehmung der Emire, die Rüstung des Heeres unter dem Oberbefehle Alinak's. 18. Moharrem 682/
6. April 1284 Zu Tebris feierte Teguder die Hochzeit mit seiner Nichte Tudai Chatun, der Tochter Musa Gurgan's, des Gemahls Tarakai's, der fünften Tochter Hulagu's. Gurgan war der Ehrentitel aller Eidame und mit dem regierenden Hause verschwägerten Emire.
Ausbruch des Kriegs zwischen Teguder und Arghun.
Schemseddin, wohl einsehend, dass der Kampf um den Thron auch seiner Macht und seinem Leben gelte, bot Alles zur Rüstung eines zahlreichen Heeres auf. Hunderttausend auserwählte Reiter aus allen Nationen und Religionen, Mongolen, Musulmanen, Armenier, Georgier, Turkmanen nahmen das Feld. Den Vortrab von fünfzehntausend befehligte Alinak[640]. Ein Ende Januars eingefallener tiefer Schnee verspätete den Aufbruch des Heeres. 9. Silkide 682/
29. Jan. 1284 Endlich zog der Vortrab unter dem Befehle von Alinak, Baisar Aghul und Taghai Kokoltasch gegen Kaswin, wo dreihundert dem Arghun eigen gehörige Familien von Usen aufgehoben wurden. Arghun sandte, sobald er von dem Anmarsche des Heeres Kunde erhalten, Boten an seinen Schatz in Gurgan (Hyrkanien) und an die Werkstätten von Nischabur, Tus und Isferain, um Geld, Waffen, Kleider herbeizuschaffen, die er unter die Emire des Heeres vertheilte. Melik Fachreddin von Rei, der das Register darüber führte, hatte dasselbe: Verzeichniss der unter das siegreiche Heer vertheilten Summen überschrieben. Arghun, der zufällig zur Vertheilung gekommen und das Register gesehen, nahm die Feder und schrieb das Wort: siegreich mit ungemein schönem persischem Schriftzug, dessen er vollkommen Meister war, hin. Kawameddin, der persische Wesir, der zugegen, deutete diesen Umstand sogleich auf die schönste Erfüllung des gehofften Sieges. Am folgenden Tage traf die Nachricht von dem Unfalle Kaswins ein; Arghun sandte den Vortrab unter dem Befehle Timur's voraus, liess den Sischi Bachschi beim schweren Gepäcke zurück und brach selbst auf der Strasse von Temische auf. Ahmed war indessen mit acht Tomanen, d. i. mit achtzigtausend Mann[641], über die Ebene von Moghan herangezogen und am ersten Mai zeigten sich seine Vorposten zu Thalkan. 8. Ssafer 683/
27. April 1284 Von Erdebil hatte er Kurmischi, den Sohn Alinak's, an den Vater mit dem Befehle gesandt: die Schlacht nur zu wagen, wenn er dem Feind an Macht überlegen, sonst aber seine Ankunft abzuwarten. Er brach von Erdebil auf, nachdem er bei dem Gepäcke den Abukjan zurückgelassen. 18. Ssafer/
7. Mai Arghun hatte seinerseits einen Boten an den Emir Newrus gesendet, um ihn mit einem Tomane der Karawinas in's Feld zu laden, und zugleich den Hindu Nujan zu erscheinen aufgefordert; er selbst verheerte mit achttausend Mann das Land. Zu Chiel büsürg stiessen die Vorposten der beiden Heere auf einander und in der Ebene von Ak Chodscha in der Nähe von Kaswin kam es zur Schlacht. Den rechten Flügel Arghun's befehligten Jula Timur und Amakadschi, den linken Bulughan; das Mitteltreffen Taulai. Auf der Seite des Chans stand im Mitteltreffen Prinz Huladschu, der zwölfte Sohn Hulagu's, der Bruder Teguder's; den linken Flügel befehligte Basaraghul und den rechten Alinak. Arghun, wiewohl ihm der Feind an Stärke bei weitem überlegen, that Wunder der Tapferkeit, wie weiland Siawesch und Rustem; aber sein linker Flügel ward von Alinak geschlagen, während Jula Timur und Amakadschi den Basaraghul's zurückdrängten. Jula Timur verfolgte hierauf den flüchtigen Basaraghul bis vor die Thore Kaswin's und verheerte das Land umher. Der Kampf dauerte von Mittag bis in die sinkende Nacht. Alinak zog sich von Dschemelabad bis nach Ebher, zehn Parasangen, zurück; da seine edle Stute in die Hände der Reiter Arghun's gefallen, sandte ihm dieser beleidigende Botschaft: Es wäre mir nie eingefallen, dass ein Held, wie du, vor einem Haufen, wie die unserigen, wie Schafe vor dem Gebrülle des Löwen fliehen und dass dein edles Pferd wie eine Saummähre erbeutet werden würde. Als Arghun zu Rei und Tehran, riethen ihm seine Emire, sich nach Kaliusch, das ober Dschadscherm, zurückzuziehen, wo sie Meister vortheilhaften Schlachtfeldes und vor den Thoren ihre Zelte sein würden. Als sie aber nach Demaghan kamen, trafen sie keinen Mann der Karawinas, auf deren Beistand sie gerechnet hatten, und erhielten die Nachricht, dass das Heer Arghun's gänzlich geschlagen und zerstreut worden sei. Die Karawinas waren in der Ebene von Akchodscha angekommen, als die Schlacht schon verloren war; sie verheerten also blos das Land und verbrannten Demaghan.
Die Landschaften Kumis und Taberistan; die Scheiche von Semnan, Demaghan und Bostam.
Der Schauplatz, in welchem der Krieg zwischen Teguder und Arghun jetzt geführt ward, sind die beiden Landschaften Taberistan und Kumis, welche nördlich von Masenderan, westlich vom persischen Irak, östlich und südlich von Chorasan begränzt, insgemein von den Reisebeschreibern zu dem nördlichen Chorasan gerechnet werden, wiewohl alle morgenländischen Erdbeschreibungen dieselben als zwei besondere Landschaften aufführen; sie ziehen sich längs des Gebirges hin, so dass Taberistan die untere südwestliche, unmittelbar an das Gebiet von Tehran stossende, Kumis die nordöstliche obere. In der ersten lagen einige der berühmtesten Schlösser der Assassinen, deren schon bei der Eroberung derselben durch Hulagu Erwähnung geschehen, wie Firuskjuh, d. i. der Glücksberg, und Girdkjuh, d. i. der Gürtelberg; die Hauptstadt ist Demawend, gleichen Namen mit dem Berge führend, in dessen Klüfte die persischen Heldensagen den Kerker des von Dämonen gefolterten Tyrannen Sohak verlegen; das Gebirgsland Taberistan mit seinen Felsenpässen, deren berühmtester der kaspische (wahrscheinlich der südliche Pass von Charwar), liegt dem persischen Oesterreich (Chorasan) wie Tyrol dem europäischen Chorasan (Oesterreich) als Schutzwehr vor[642]. Das obere Gebirgsland Kumis zerfällt in vier Distrikte von Schahrud, Semnan, Demaghan, Bostam, wovon der erste nach dem Berge und Flusse so genannt ist, die anderen drei aber nach den gleichnamigen Städten. Semnan, die südwestlichste dieser drei Städte, am Rande der Wüste, unmittelbar nach dem Austritte aus dem kaspischen Passe, gelegen[643], kleiner als Demaghan, grösser als Bostam, ist sowohl durch seine Pistazien und Feigen, als durch den hier geborenen und begrabenen grossen Scheich Alaeddewlet Semnani berühmt[644]. „In dieser alten Stadt“, sagt Fraser, „herrscht eine wunderbare Verschiedenheit der Gebäude, grosse luftige Häuser von sonnengetrockneten Ziegeln und Lehm in der Form von Schlössern, mit Schiesslöchern, Basteien und Thürmen versehen, unstreitig von hohem Alterthume; viele tiefe Klüfte innerhalb der Stadtmauern, welche ihren Ursprung der Wirkung von Gewässern zu danken scheinen, bilden Höhlen, welche ihren Einwohnern und ihren Heerden zum Aufenthalte dienen und von ihnen den zahlreichen Ruinen ober der Erde vorgezogen werden.“ Das Bad der Stadt ward schon im sechsten Jahrhundert der Hidschret erbaut[645]. Die Inschriften anderer Denkmäler gehören der späteren Zeit, der Dynastie Ssafewi an[646]. In der Nähe ist die von persischen Geschichten und auch von Fraser erwähnte Windquelle, welche, verunreinigt, Sturm und Ungewitter verursacht[647], eine auch in Europa mehreren Quellen und Höhlen auf hohen Gebirgen gemeinsame Volkssage[648]. Demaghan, deren Erbauung von persischen Geschichtschreibern und Geographen dem Huscheng, dem zweiten der alten persischen Könige, zugeschrieben wird (der erste Keiomeers, der Stiermann des Budehesch), an dem Zusammenlauf der Strassen von Chorasan, Kuhistan, Masenderan und Irak gelegen, stand wahrscheinlich an der Stelle des alten Hekatompylos, der Stadt von hundert Thoren oder Pässen[649], in dessen Nähe der Fluss Stiboetes aus einer schönen Felsenhöhle entsprang[650]; diess ist der von den morgenländischen Erdbeschreibern gerühmte Chosrewi, welcher sich in hundert und zwanzig unterirdische Bäche vertheilt[651]; die Stadt liegt heute in Ruinen; das berühmteste Grabmal ist das der vierzig Köpfe oder Töchter[652], und von den berühmtesten Scheichen der Ssofi ist Ebu Dschaafer Demaghani nach der Stadt genannt[653]. Von den Scheichen von Demaghan und den von Semnan geht weit im Rufe der Heiligkeit und Wunderthätigkeit der Scheich Ebu Jesid von Bostam, der dritten Hauptstadt von Kumis, vor. Schon in der Hälfte des dritten Jahrhunderts der Hidschret gestorben[654], war er der Stifter des nach seinem Namen genannten Ordens der Derwische Bostami; auch als Geburtsort späterer Gelehrten ist Bostam berühmt[655], aber doch keiner, wie der Scheich Ebu Jesid oder Bajesid, von dem die Antworten auf die Frage: wo sein Vaterland? Mein Vaterland ist unter dem höchsten Himmel, und auf die Frage: Wie bist du zu Gott gelangt? Indem ich über mich hinausgegangen; und dessen Sterbegebet: Mein Gott! was ich in meinem Leben zu dir gebetet, war lauer Vollzug von Gebot, und wenn ich dir gedienet, war's flauer Dienst in der Noth[656].