Zur Zeit Abaka-Chan's und Sultan Ahmed's waren für die ganzen Kosten der Küche nur vierzig Tomane bestimmt und doch waren die Verwalter und Küchenaufseher[767] nicht sicher vor dem Tadel der Tadelnden und dem Spotte der Spottenden und dem Schimpfe der Schimpfenden. Zur Zeit (Unserer) den Tag vermehrenden Regierung haben Wir hundert fünf und sechzig Tomane auf diese Weise an goldenen Verwendungen ausgetheilt, und dennoch rufen sie immerwährend: Wer gibt mehr? Die Prinzen und Prinzessinnen geben immer neue Wünsche kund und schliessen, gegen einander rechtend und spiegelfechtend, nicht den Mund.“ Der Zweck dieser Prolegomenen ist, dass der Schatz auf alle Weise für den Bedarf baaren Geldes[768] bedurfte, dass die Einkünfte der Länder in einem Jahre 1800 Tomane, die bestimmten Ausgaben 700 Tomane betrugen und dass der Rest für die wichtigsten Geschäfte des Reiches, für die Gaben und Geschenke des Padischah nicht hinreichte. Der Herr des Diwans befahl, die Auflagen der Länder, besonders der von Bagdad und Schiras, welche der Gürtel des Reiches, zu läutern[769]; doch der Ueberschuss der Ausbeutungen des Dieners (des Grosswesirs) gab für die Majestät, auf deren Weberstuhl der Einschlag gestreifter Kleider steht, so viel aus, als der arabische Spruch:

Arab. Vers. Es sättigt nicht, was vom Zahnstochern kommt heraus,

und durch diese Massregeln der Läuterung wurde der Verwirrung der Finanzen nicht abgeholfen. Da befand sich Aseddin Mosaffir Ben Mohammed Amid, dessen hässliche Gestalt, dessen geschminktes Gesicht, dessen gebrechliche Constitution und schändliches Naturel ein Muster seiner Sitten und Eigenschaften war, im Lager an der Seite der Majestät und des Grosswesirs, als dessen Berather und leitender Vater. Er war's, der die Mühle des Betruges in den Gang gebracht, der mit Hoffnung und Furcht denselben kirr gemacht. Aus Eingebung schlechter Seele, welche, allen Geschäften des Menschen feind, als das Gegentheil des ursprünglichen Guten erscheint, wollte er seinen schlechten Namen bei den Weltbewohnern einfassen in einen ewigen Rahmen, damit er auf der Erde bis zu dem Tage der Auferstehung das Ziel der Pfeile des Fluches und des Spottes aller Menschen werde. Er stellte vor: „Es fehlen zur hinlänglichen Aufbringung der Gelder die Quellen; sei es im Schlimmen, sei es im Guten, bedarf der Schatz Gold für seinen Bedarf. Die Ueberschüsse der Einkünfte sind Heu und Spreu[770], und Anlehen zu machen, gehört künftighin zu den schwierigsten Sachen. Wenn es sich darum handelte, schnell das Heer zu rüsten und beritten zu machen, würde es schwer halten in allen Sachen, und das tändelnde und schändende Gerede der grollenden Feinde, die schnell und hart daherfahrende Fehde daimonischer Männer, von denen jetzt keine Rede, würde sich breit machen; die Bemühungen und Bestrebungen, welche dermalen gäng und gäbe, um die Spalten des Reiches zu verdämmen und um durch rechtliche und wohlthätige Gesinnung alles Unrecht zu hemmen, würde ein Ende nehmen, und wollte man (was jedoch nicht unmöglich anzunehmen) öffentlich die reinen Wasser mit Steuern belegen, oder neue Vergantungen[771] und schwere Strafgelder den Unterthanen zumuthen und auflegen, so würde dieses die Gemüther erbittern und das Land würde verwittern. Eine Maassregel, welche, vor allem Angriff vor Verschwärzern geschützt, schnell zur Herstellung alles Verfalles nützt und mannigfaltigen Nutzen umfasst und besitzt, ist mir so in den Sinn gekommen, dass man, wie in den Ländern des Kaan, auch in denen des Ilchan das Scheingeld, statt Silbers und Goldes, in Umlauf setze, damit dadurch die Thore des Verkehres geöffnet würden, damit das Geld ganz in den Schatz einlaufe und Schaden und Verlust keinen Menschen treffe auf Erden.“ Nach diesen vorausgeschickten eingebildeten Gründen trugen der Herr des Diwans und Bulad Dschinksanek, der Gesandte des Kaans, das Wort vor. Da diese Maassregel dem Aeussern nach den Reichthum vermehrte, die Magazine der Kaufleute leerte, den Armen und Elenden Beruhigung gewährte, so schien dieselbe Anfangs denen, die darüber nachdachten, erspriesslich und gut. Der Ilchan erliess ein Diplom, befehlend, absolut und entscheidend, kurz und gut, dass man auch in den übrigen Ländern nicht mehr mit baarem Gelde Handel und Wandel treibe, sondern dass man überall die Webung goldener Kleider abschaffe und nur soviel davon gestatte, als für das Kleid des Padischah und seiner nächsten Umgebungen erforderlich sei, dass man sich nicht mit Verfertigung goldener und silberner Geschirre und mit keiner Kunst, welche Vergeudung des Goldes und Silbers mit sich führe, befasse, dass man die Goldschmiedekunst und die Silberarbeiterei der Gesichtsfarbe und dem thränenden Auge der Verliebten überlasse; kurz, durch die Einflüsterung und Verführung, Verlockung und Versuchung dieses Unholdes und gespenstischen Koboldes, der seinen Herrn auf diese Weise schändete, geschah es, dass er in alle Länder, in's arabische und persische Irak, nach Diarbekr, Rebiaa, Mossul und Miafarakein, nach Chorasan und Kerman und Schiras einen grossen mit diesem Geschäfte beauftragten Emir sandte, und dass überall eine Fabrik solchen Scheingeldes errichtet, dass Verwalter, Schreiber, Schatzmeister und andere Beamte dabei verwendet und überall grosse Summen zur Verfertigung des Scheingeldes gespendet wurden. Durch die Verlautbarung dieser Geschichten wurden die Völker in den Reif des Erstaunens gezwängt und blieben in demselben ohne Seele beengt.

Arab. Vers. Schnell, wie die Hoffnungen, des Lebens Zeit vergeht,
Arab. Vers. Und umgekehrt, auf Persisch heisset Dem nur Med[772].

Die Gestalt und Form des Scheingeldes Dschaw war diese: Ein länglichtes, viereckiges Blatt Papier mit einigen chinesischen Worten beschrieben, in denen immer Fehler geblieben[773]; ober diesen chinesischen Worten stand auf beiden Seiten:

Es ist kein Gott als Gott, und Mohammed ist sein Prophet!

Dieses war das Gepräge dieses Silberblattes, der Juwelenknoten dieses Perlenstates, das Tughra dieser Befehle und das Amulet dieser Kehle; unter demselben war geschrieben: Iritschi Turitschi, auf Chinesisch (uighurisch), d. i. Sobald es angekommen, sei es für bleibend angenommen! In der Mitte war ein Kreis beschrieben, der aber ausser dem Mittelpunkt ruhiger Ansicht liegen geblieben; dabei war der Werth des Papieres von einem halben Dirhem bis zehn Goldstücke, und dann in Schrift das, was folget, geschrieben: „Der Padischah der Welt hat im Jahre 693 (1293) eingesetzt dieses gebenedeite Papiergeld; es soll cursiren in Ländern allen; wer es verfälscht oder verändert, sei mit Weib und Kind der Todesstrafe und sein Gut dem Fiscus verfallen.“ Nach Schiras war ein Patent dieses Papiergeldes, das, sehr ausführlich und lang, eingebildete Fragen aufwarf und die Antworten darauf aufdrang, gekommen. Ein Exemplar desselben ist noch in den Händen und es wäre unnütz, darüber noch mehrere Worte zu verschwenden. Das Wesentlichste seines Inhaltes ist: „dass, sobald das gebenedeite Papiergeld Goldes statt, wie die Thränen der Verbannten Lauf gefunden hat; so wird Armuth und Dürftigkeit und Schaden und Elendigkeit verschwunden sein unter den Söhnen der Zeit, Korn und Getreide wird zu haben sein in Wohlfeilheit, und Arme oder Reiche sind dann einander gleich.“ Die Dichter und Trefflichen der Zeit haben zum Lobe des Papiergeldes nach der Eingebung ihres Genius dem Padischah und dem Herrn des Diwans lobend die Resultate ihrer Gedanken geweiht; als eine Probe von diesem Lobe ist das folgende Distichon aus einem Bruchstücke eines der Trefflichen hier eingereiht:

„Geht Papiergeld in der Welt,
Sein Entgelt[774] sie frisch erhält.“

Es erging der Befehl, dass alle Künstler und Handwerker, welche Gold und Silber in ihren Arbeiten verarbeiten, dasselbe aus dem Hause, wo das gebenedeite Papiergeld ausgetheilt ward, erhalten, dass Alle, welche als Befehlshaber Länder verwalten, nach ihren Verdiensten ihre Besoldungen und Bezahlungen dort beziehen sollen, dass das alte abgenützte Papier dorthin gelangen, und der Bringer für den Gehalt von zehn Dinaren alten Papiergeldes neun Dinare neues empfangen soll, dass die Kaufleute des persischen Meeres, welche in fremde Länder handeln und wandeln aus dem Schatze Gold erheben und dafür ihr Papiergeld abgeben sollen, vorausgesetzt, dass dabei der Weg der Behutsamkeit beobachtet und ihre Erlaubniss und Befugniss von Nowaben und Aufsehern des Diwans gehörig betrachtet und erachtet worden sei. Verfügungen dergestalten waren in diesem Patente enthalten.