Wenn der Schreiber (dieser Geschichte) die Gleichnisse und seltsamen Einfälle, welche die Wohlberedten Arabiens und Persiens über die Eigenschaften, den Nutzen und das Lob des Papiergeldes geschrieben, und die ihm im Gedächtniss geblieben, aufgeschrieben hätte, so hiesse dieses Buch die goldene Kette[775] oder die unvollkommene Erreichung des Zweckes. Würde aber mit diesen Lobsprüchen das Gold zerstieben, woraus würde man denn verfertigen die Kronen mächtiger Sultane und Reiter, die Ohrgehänge, Armbänder und Knöchelringe der Schönen, welche den sich blähenden Busen gewärtigen? und wie könnte denn, mit dem papiernen Geld, die frische Rose, welche freudig die goldene Scheibe in der Faust und Goldbarren (die Staubfäden) im Busen verborgen hält, wie könnte sie die Wange des Windes anlachen? und wie könnte die Blüthe ohne Silber sich einen Schatz für ihr Alter zur Hülfe wider das anrückende Heer des Frühlings machen? Die trunkene Narcisse ist bemüht, im Zauberschlafe mit dem Traume des Goldes ihr sehnendes Auge zu färben, und im steinernen unbarmherzigen Herzen des Berges stocken die Blutadern (die Rubinen) aus Begierde, sich von der goldausstreuenden Sonne Einiges zu erwerben. Wie könnte das Gold einem Stücke Papier sich vergleichen? wie könnte den Werth von jenem dieses erreichen, welches durch einen Funken aufgeht in Rauch und wie die Töchter der Luft (die Dämpfe) davonfliegt bei des Windes geringstem Hauch, welches durch einen Tropfen Thau wird des Wassers Raub und im Staube wird zu Staub? Die Prahlerei kannte keine Gränzen mehr, und durch die Vergleichungen und Herausstreichungen ward die Traurigkeit immer mehr und mehr. Im Silkide d. J. 693 (1293) kam das Papiergeld zu Tebris in Lauf und vermöge der Herzensknoten und den Maassregeln von der Vernunft geboten, begann man sogleich, um seine Seele zu schützen und um etwas zu besitzen, mit Speisen und Waaren niedrigen Handel und Wandel. Binnen drei Tagen war Tebris, welches das kleine Kairo hiess, wie der Beutel der Geduld der Sehnsüchtigen leer; im Lande war kein Glanz und keine Freude mehr, und die Brust der Sicherheit und Rechtlichkeit hatte nicht Fett noch Schmeer. Die Laden und Gassen waren wie öde Häuser verlassen und geleert, die Thore des Handels und Wandels waren versperrt. Verkaufte man den Man Brotes um Einen Dukaten, so glaubten die Käufer, dass sie gewonnen, und die Verkäufer, dass sie verloren hatten. Ein Freund erzählte mir vom Blitze der Witze jener Gegend, was folgt: In dieser Umstände drängender Gefährde stand ich gaffend zu Tebris auf dem Markte der Pferde. Die Verkäufer schlugen ein Pferd, das um fünfzehn Goldstücke doppelt bezahlt gewesen wäre, schlugen dasselbe, fortgezogen durch der Begebenheiten Wogen, um hundert und fünfzig Dukaten Papiergeldes an, und der Käufer, aus Freude über den grossen Preis, lief herum im Kreis, um durch diesen Reigen gleichsam die Bewegung des Pferdes zu zeigen; dann bestieg er einen Gaul, tummelte denselben nicht faul, bis er aus den Augen verschwand. Seine Abreise war zum folgenden Verse der Realcommentar:
A. V. des Verfass.: Wer das Papiergeld erfand, verführt als schlimmer Betrüger,
A. V. des Verfass.: Unter den Hunden ist keiner so trügrisch wie er.
Der Lärmen und das Getöse, der Saus und Braus der Nationen stieg bis an den Gürtel der Constellationen; die Befehlshaber und das Heer hatten keine Geduld mehr, das gemeine Volk flehte am Freitag in der Moschee mit klagendem Gebete; es verlauteten die Klagen über die Ungerechtigkeit, womit sie geschlagen. Sie verfluchten den Aseddin Mosaffir mit allen denen, welche zu dieser Neuerung und Theuerung das Gleiche beigetragen:
Spruch der Ueberlieferung: „Wer schlechte Sitte eingesetzt, dem wird sie bleiben als Last bis an den jüngsten Tag.“
Sie wollten ihn mit seinen Einverstandenen erschlagen. Sie flohen aus dem Kreise und nahmen mit ihrer Seele bösen Namen mit auf die Reise. Die Trefflichen und Dichter der Zeit waren, ihn mit Spottgedichten zu durchgeiseln, bereit; so sagte Einer derselben, als er den Namen Amidol-mülk, die Säule des Reichs, angenommen:
Das Schiff Amidol-mülk's inmitten Reichsgefahr,
Ist wie das Wasser, wenn damit ein Schiff[776] gefüllt.
Sein schlechter Bart ist schlechter als des Hundes Haar,
Diess ist dagegen Atlas und ein seidner Quilt[777].
Sieh, ob er morgen stehet noch auf dem Altar,
Wiewohl er heute für des Reiches Summe gilt.
Auch das folgende Bruchstück reimte Einer:
Du bist nicht Weltenehre, du bist der Schimpf der Welt,
Die auf dein Sein und Wohl nicht das Geringste hält.
Wenn Geber, Jud, Moslim vor der Altäre Stufen
Ormusd, Jehova und Allah ist gross! ausrufen,
So flehen alle drei in Unterthänigkeit
Zur Majestät des Herrn, der Welten Glück verleiht,
Es möge ihm in dieser Welt von allen Dingen
Kein einziges nach seines Herzens Wunsch gelingen![778]
Zu Schiras wurden fünf Tomane Goldes in Sachen des Papiergeldes ausgegeben. Da das Papier, in welchem das Capital der Männer von Verdienst bestand, auf vierzig Weisen ging von Hand zu Hand, so hätte der, welcher heimlich von den Nowaben der Papierfabrik einen Teller Goldes hätte erwirkt, spurlos wie das Gold sein Dasein verwirkt. Zu dieser Zeit wurde an einen Bruder der Reinigkeit (an einen guten Freund) wie es scheint, das folgende Bruchstück verfertigt und in der gehörigen Form abgefertigt: „Der Sicherheit Kiel laufe auf dem Blatte der Wohlfahrt für NN. zum Ziel! und Gott helfe Dir, wo Du immer sein mögest, gleichviel! Der aufrichtige Wohlwünscher und ganz eigene Sehnsüchtige legt gleich der Feder den Gürtel freundschaftlicher Liebe um die Mitte an; er hat den Mund zu wohlduftendem Preise und eröffnendem Wunsche aufgethan, und stellt das Gesicht reinen Verhältnisses weiss und klar mit Schriftzeichen der Aufrichtigkeit folgendermaassen dar: Das offene Feld der Sehnsucht nach dem Umgange mit dem Freunde, dem vertrauten, welcher süsser als das gewöhnliche Leben, hat sich Perlen gleich so ausgebreitet, dass es unmöglich ist, die Länge und Breite dieses Feldes mittels der Messkunst des zweizüngigten Kieles und mittels der Quadratfläche des zweigesichtigen Papieres,
„Dieses ist heut in der Welt eben so wenig zu finden als der Ambra,“