Es ist hieraus klar, daß durch ein einfaches Austreten von Sauerstoff, Amylon, Zucker und Gummi übergehen können in Fett, oder, wenn man will, in einen Körper, welcher genau die Zusammensetzung des Fetts besitzt. Nehmen wir in der That von der Formel des Amylon 9 Atome Sauerstoff hinweg, so haben wir in 100 Theilen:
| C12 | 79,4 | |
| H20 | 10,8 | |
| O | 9,8 | . |
Die nächste empirische Formel des Fetts ist C11H20O; sie giebt in 100 Theilen:
| C11 | 78,9 | |
| H20 | 11,6 | |
| O | 9,5 | . |
Nach dieser Formel würden sich von dem Amylon die Elemente von 1 Atom Kohlensäure und 7 Atome Sauerstoff getrennt haben.
Mit diesen beiden Formeln stimmt aber sehr nahe die von allen verseifbaren fetten Körpern überein.
Nehmen wir von drei Atomen Milchzucker C56H72O36 die Elemente hinweg von 4 Atomen Wasser und lassen wir 31 Atome Sauerstoff austreten, so haben wir C36H64O, eine Formel, welche ein genauer Ausdruck ist für die Zusammensetzung des Cholsterins[E19].
Gleichgültig, welche Ansicht man auch über die Entstehung der fetten Bestandtheile des Thierkörpers haben mag, soviel ist unläugbar gewiß, daß die Wurzeln und Kräuter, welche die Kuh verzehrt, keine Butter enthalten, daß in dem Heu und der Nahrung des Rindviehs kein Ochsentalg, in der Kartoffelschlempe, welche die Schweine bekommen, kein Schweineschmalz und in dem Futter der Gänse und des Geflügels kein Gänsefett oder Kapaunenfett enthalten ist. Die großen Massen von Fett in dem Körper dieser Thiere erzeugt ihr Organismus, und aus dieser Thatsache, ihrem wahren Werthe nach anerkannt, muß geschlossen werden, daß von den Bestandtheilen der genossenen Nahrung eine gewisse Quantität Sauerstoff in irgend einer Form austritt, denn ohne eine solche Ausscheidung von Sauerstoff kann kein Fett aus irgend einem Bestandtheil der Nahrung gebildet werden.
Die chemische Analyse giebt auf die bestimmteste Weise zu erkennen, daß in den Nahrungsmitteln, die ein Thier verzehrt, sich eine gewisse Menge Kohlenstoff und Sauerstoff befinden, die, in Aequivalenten ausgedrückt, folgende Reihe bilden.
| Im Pflanzenfibrin, -Albumin, -Casein | |||||||||
| sind | enthalten | auf | 120 | Aeq. | Kohlenstoff | 36 | Aeq. | Sauerstoff | |
| Im Amylon | „ | „ | „ | 120 | „ | „ | 100 | „ | „ |
| Im Rohrzucker | „ | „ | „ | 120 | „ | „ | 110 | „ | „ |
| Im Traubenzucker | „ | „ | „ | 120 | „ | „ | 140 | „ | „ |
| Im Gummi | „ | „ | „ | 120 | „ | „ | 110 | „ | „ |
| Im Milchzucker | „ | „ | „ | 120 | „ | „ | 120 | „ | „ |