Wie bei anderen Kräften umfaßt der Begriff einer ungleichen Intensität der Lebenskraft in einem belebten Körpertheil nicht nur die ungleiche Fähigkeit der Zunahme an Masse und der Ueberwindung von (chemischen) Widerständen, sondern man bezeichnet damit auch gradezu die Verschiedenheit in der Größe des Widerstandes selbst, den die Theile oder Bestandtheile eines belebten Körpertheils einer Aenderung in der Form und Zusammensetzung durch neue äußere einwirkende Ursachen entgegensetzen; ganz ähnlich wie die Stärke der Cohäsionskraft oder der Affinität in gradem Verhältniß steht zu dem Widerstande, den diese Kräfte einer äußern mechanischen oder chemischen Ursache entgegensetzen, welche die Theile einer Verbindung von einander zu trennen strebt.
Die Aeußerungen der Lebenskraft sind abhängig von einer gewissen Form ihrer Träger und einer bestimmten Zusammensetzung der Substanz des lebendigen Körpertheils.
Die Fähigkeit der Zunahme an Masse in einem belebten Körpertheil wird bedingt durch die unmittelbare Berührung mit Stoffen, die sich zu einer Zersetzung eignen, oder deren Elementartheile zu Bestandtheilen des Trägers der Lebensthätigkeit übergehen können.
Die Aeußerung der Zunahme setzt voraus, daß die einwirkende Lebenskraft mächtiger ist, als der Widerstand, den die chemische Kraft einer Zersetzung oder Umsetzung der Elementartheile der Nahrungsstoffe ihr entgegensetzt.
Die Aeußerungen der Lebenskraft sind abhängig von einer gewissen Temperatur; weder in einer Pflanze, noch in einem Thiere zeigen sich Lebenserscheinungen, wenn die Temperatur in gewissen Verhältnissen abnimmt.
Die Lebenserscheinungen eines belebten Organismus nehmen an Stärke und Intensität durch Wärmeentziehung ab, wenn die Temperatur, welche er besitzt, nicht durch andere Ursachen wieder erneuert wird.
Entziehung von Nahrungsstoff setzt allen Lebensäußerungen eine bestimmte Grenze.
Der Contact der belebten Körpertheile mit Nahrungsstoff wird in dem Thierorganismus bedingt durch eine mechanische Kraft, welche in ihm selbst erzeugt wird und gewissen Organen die Fähigkeit giebt, Ortsveränderungen zu bewirken, eine mechanische Bewegung hervorzubringen, mechanische Widerstände aufzuheben.
Man kann einem ruhenden Körper eine gewisse Bewegung ertheilen durch eine Menge in ihren Aeußerungen höchst verschiedener Kräfte; wir setzen ein Uhrwerk in Bewegung durch ein fallendes Gewicht (durch die Schwere), durch eine gespannte Feder (durch Elasticität). Wir bringen jede Art von Bewegungen hervor durch die elektrische oder magnetische Kraft, sowie durch die chemischen Kräfte, ohne daß wir im Stande sind zu sagen, wenn wir die Aeußerung dieser Thätigkeiten nur in ihrer Erscheinung ins Auge fassen, durch welche von diesen verschiedenen Ursachen des Ortswechsels der ruhende Körper die Bewegung oder Geschwindigkeit empfangen hat.
In dem Organismus des Thieres kennen wir nur eine Quelle der bewegenden Kraft, und diese Quelle ist die nämliche Ursache, welche die Zunahme belebter Körpertheile an Masse bedingt, welche ihnen das Vermögen giebt, äußeren Actionen Widerstand zu leisten, es ist die Lebenskraft.