Ach laß mich eine Weile
Spazieren auf grüner Heide,
Bis an die blaue See.
Gut Nacht! Gut Nacht, Herzmutter,
Du siehst mich nimmermehr;
Zum Meere will ich laufen,
Und sollt ich auch ersaufen,
Es muß mich heute taufen;
Es stürmet gar zu sehr!“
Spät entschlafen unter diesen wiederkehrenden Reimen, wurde er erst gegen Abend durch den Pistolenschuß erweckt, der sich zur gewohnten Stunde hören ließ. Fast zugleich trat die alte, gute Aufwärterin leise ein, und als sie ihn wachend fand, fragte sie: ob er nicht der Judenhochzeit aus dem Hinterfenster zusehen wolle. — „Wer wird verheiratet?“ fuhr er auf. — „Die schöne Esther, mit dem armen Lump, der gestern zurückgekehrt ist.“ — Zum Glück war der Majoratsherr unausgekleidet auf seinem Sofa eingeschlafen, denn Zeit konnte er nicht verlieren, mit solcher Heftigkeit sprang er nach den hinteren Fenstern des Hauses, aus denen er den Begräbnisort mit den wilden Tieren gesehen hatte. Lange Häuserschatten und zwischendurch strahlende Abendlichter streiften über den grünen Platz neben dem Begräbnisort, der mit einem schrecklichen Gewirre schmutziger Kinder eingehegt war. Die Art der Musik, welche jetzt anhub, erinnerte an das Morgenland, auch der reichgestickte Baldachin, der von vier Knaben vorausgetragen wurde. Ebenso fremdartig waren alle Zeichen der Lustigkeit unter den Zuschauern, welche Nachtigallen und Wachteln künstlich nachahmten, einander zwickten und Gesichter schnitten, und endlich, zum Teil mit künstlichen Sprüngen, den Bräutigam begrüßten, der wie ein Schornsteinfeger ein schwarzes Tuch um den Kopf trug und mit einer Zahl befreundeter Männer eintrat. Und welche Ungeduld, wie viele seltsame Einfälle unter den Leuten, als die Braut länger als erlaubt auf sich warten ließ. Aber endlich kam händeringend ein Weib und schrie unbarmherzig: „Esther ist tot!“