Neben den unter direkter Verwaltung der Bornu-Könige stehenden Gebietsteilen, die sich im Westen und Süden des Tschadsees an dessen Ufer anschlossen, hatten sich zur Zeit des Einbruchs Rabehs noch im Tributverhältnis zu Haschem befunden: im Südosten des Tschadsees die Kotoko mit dem Sultan Wagaia Ibn Ogari, die Makari mit dem Sultan Barao Ibn Joga, das Städtegebiet von Logon, Kusseri und Gulfei, am linken Schari-Ufer, mit dem Sultan Musa, ferner die verschiedenen arabischen nomadisierenden Stammesteile, von denen insbesondere die Schoa unter den Schechs Musa und Dahman Beachtung verdienten; weiter im Süden die verschiedenen Musgu-Schechs, deren Gebiete in erster Linie als Jagdrevier für zu erbeutende Sklaven betrachtet wurden. Im Westen des Reiches waren als Vasallenländer von Bornu zu nennen: Beddi mit dem Sultan Babudja ibn el Hadj, Gumel mit dem Sultan Babankoa Waled ‘Abdullahi, Zinder mit dem Sultan Matschema Ahmadu.
[86] Auch im westlichen Sudan gab es Reiche, deren Gründung vor der Hedjra liegt, die aber schon frühzeitig, etwa im dritten Jahrhundert der muhammedanischen Zeitrechnung den Islam angenommen haben; es sind dies die Reiche Ghana, Melle und Songhai.
[87] Eine zeitlang hatte er vorher in Dikoa, der von Rabeh gewählten Hauptstadt, residiert.
[88] Den Kanuri wird von allen Reisenden, die mit ihnen zusammengekommen sind, im Gegensatze zu den übrigen Völkerschaften Inner-Afrikas, den arabischen und berberischen Stämmen der Sahara, den verschiedenen Tibbu- und Wadai-Leuten, den Fulbe und Tuareg, besondere Liebenswürdigkeit und ein hohes Mass religiöser Duldsamkeit nachgerühmt.
[89] Haschem wurde von seinem Neffen Abu Bekr II. nach seiner Besiegung durch Rabeh getötet. Nach dem muhammedanischen Rechte der Vererbung des Thrones im Grundsatze des Seniorats war Abu Bekr nach seines Vaters Tod zweimal zu Gunsten seiner beiden Oheime Ibrahim und Haschem übergangen worden.
6. Sokoto.
In dem Gebiete, welches das heutige Sokoto-Reich umfasst, regierten bis zum Anfange des 19. Jahrhunderts eine Anzahl grösserer und kleinerer Fürsten, die zum überwiegenden Teile Haussa waren und über Haussa herrschten. Das Reich von Sokoto wurde erst im Jahre 1802 geschaffen durch einen muhammedanischen Fulbe-Schech, Osman ibn Faudani (Dan Fodio), der unter kluger Benutzung des religiösen Moments der Begründer der jetzt regierenden Dynastie wurde.
Die Fulbe hatten ihre ersten geschichtlich nachweisbaren Wohnsitze im westlichen Afrika, in Senegambien, und haben von dort aus in der Zeit unseres Mittelalters ihre Wanderung nach dem Osten nach und nach vollzogen. Im 15. Jahrhundert finden wir sie schon in starken Verbänden bis nach Baghirmi hin, wo sie im Osten des Schari ein kleines Fürstentum begründen konnten. Ihre weitere Wanderung wurde von Arabern, die von Osten her kamen, und noch kriegerischer waren als sie selbst, aufgehalten. Sie bildeten und bilden übrigens überall in Innerafrika nur verstreute grössere oder kleinere Gemeinden, aristokratische Bettler, stolz auf ihre Waffentüchtigkeit, dank welcher sie ihre vorherrschende Stellung bewahren konnten. Die Fulbe sind schon seit einer Reihe von Jahrhunderten muhammedanisch geworden.
Osman ibn Faudani starb im Wahnsinn im Jahre 1817. Der eigentliche Organisator von Sokoto, das vom mittleren Niger bis fast zum Tschadsee sich erstreckte, wurde sein Sohn Muhammed Bello (1817–1837 oder 1838). Schech Osman gilt heute noch nach seinem Tode als heilig, er wie seine Nachkommen führen die stolze Bezeichnung Emir el Mumenin („Beherrscher der Gläubigen“).