Hier bot er seine endgiltige Unterwerfung an, worauf man ihn wieder nach Egypten zurückbrachte, in der Hoffnung, ihn im Kampfe gegen die unterdessen zu Herren des Sudan gewordenen Mahdisten verwenden zu können. Seitdem lebte Zuber in Kairo und in Heluan in glänzender Gefangenschaft, stets von einer grossen Schar von Leuten aus dem egyptischen Sudan und auch aus anderen innerafrikanischen Ländern aufgesucht. Mit fürstlicher Freigebigkeit pflegte er seine Gäste zu bewirten. Ich habe den alten Herrn, der sich mit seinem von der schwarzen Gesichtsfarbe scharf abstechenden weissen kurz gehaltenen Vollbarte stattlich ausnahm — eine hagere, aber immer noch sehnige Soldatengestalt — vielfach besucht.
Nachdem die Macht des Nachfolgers des egyptischen Mahdi, des Chalifa Abdullahi et Taischi, vollständig gebrochen und der Chalifa selbst gefallen war, erlaubte der Sirdar und Generalgouverneur des Sudan, Sir Reginald Wingate, welcher in seiner langjährigen Eigenschaft als Chef des egyptischen Intelligence Department Zuber genau kennen gelernt hatte, diesem Anfang des Jahres 1900 die langersehnte Rückkehr nach dem Lande seiner Väter, zunächst zu nur einstweiligem Aufenthalte. Fast 25 Jahre waren vergangen, seitdem Zuber Pascha den Sudan verlassen hatte. Die Schreckensherrschaft der Mahdisten hatte hier wie ein Schwamm die Vergangenheit weggewischt, und eine grosse politische Bedeutung dürfte Zuber für den Sudan kaum je wieder erlangen.
[1] Der Name Rabeh hat die vielfältigsten Verstümmelungen erfahren. Er ist eine arabische Participial-Bildung und bedeutet „der Gewinnende“. Der Ton ruht daher auf der ersten Silbe. Von der Bevölkerung der Tschadseegegend, welche in der Umbildung der arabischen Namen grosses leistet — so wird Ali in Aliu, Muhammed in Hammu, Abu Bekr in Abu Kiari entstellt — wird der Name Rabi oder Rabbi, auch Arabi, ausgesprochen. — In den vorliegenden Blättern sind die arabischen, Neger-, Haussa- u. s. w. Namen ihrem Laute entsprechend wiedergegeben, eine genaue Transkription der arabischen Schriftzeichen ist also nicht durchgeführt worden. Ausserdem ist bei einzelnen Namen Rücksicht auf die in den heutigen Karten und Werken gebräuchliche Schreibart genommen, um bei einer Vergleichung mit diesen keine Irrtümer aufkommen zu lassen.
[2] Aus den Djealin ist auch der Mahdi hervorgegangen, und auf sie stützte er sich in erster Linie. Sie traten in den Hintergrund, als seit dem Jahre 1885 sein den Baggara entsprossener Nachfolger Abdullahi et Taischi seine Stammesgenossen, die Nachkommen anderer altarabischer Einwanderungen, die hauptsächlich im Südwesten von Darfur wurzelten, mehr hervorzog.
Die Djealin leiten ihren Namen und ihre Abstammung von einem Araber Namens Djeal ab, der während der arabischen Invasion des Sudan gegen Ende des 2. Jahrhunderts der Hedjra, also etwa gegen 800 n. Chr., nach den Nilländern gekommen sein soll. Der Hauptsitz der Djealin ist die Gegend von Schendi und Metemmeh, wie überhaupt die Landschaft zwischen Berber und Omdurman. Die Djimeab sind ein Zweigstamm der Djealin, ebenso wie die Nimrab, Sadab, Mukabrab u. s. w. Übrigens geben alle Djealin sich als Nachkommen des Abbas, des Onkels des Propheten Muhammed, aus. Abbas soll über 90 freigelassene Sklaven gehabt haben, die er als seine Söhne betrachtete.
[3] Der Name kommt von der Verbalform djalab („importieren“) her, und es werden im Sudan alle diejenigen, welche sich mit Tauschhandel beschäftigen, Djellaba genannt, ohne dass diese Bezeichnung irgend etwas mit dem Volksstamm, dem sie angehören, zu thun hat.
[4] Vergl. Schweinfurth, Im Herzen von Afrika, Leipzig 1874, Bd. II, S. 379, wo der fürstliche Hofhalt, mit dem Zuber sich umgeben hatte, sehr anschaulich geschildert wird.
[5] Prinz Hassan, ein Sohn Ismaïl Paschas, war eine Zeit lang preussischer Offizier im 1. Garde-Dragoner-Regiment.