Nach bewerkstelligter Landung des Schiffes nahm ich mir einen dort üblichen einspännigen Wagen, für den halben Tag nach der Taxe von 2 Dollars = 2 fl. 40 kr., und fuhr vorerst in den ausser der Stadt befindlichen botanischen Garten. Auch hier gab es, wie in Penang, grosse, den grünen Teppichen gleichende Grasflächen, hohe Bäume mit mächtigen schönen Blüten in Orange, Lila, Zinnober u. s. w., buntfarbige Pflanzen und Blumen und in den Gezweigen das lustige Zwitschern der exotischen Vogelwelt; dann besichtigte ich den anschliessenden zoologischen Garten, in dem einzelne Exemplare der im Lande hausenden wilden Thiere untergebracht sind.
Bei meiner Rückkehr in die Stadt suchte ich unseren Honorarconsul, den Grossindustriellen Herrn Brandt auf, der sich hier eines grossen Ansehens erfreut. Derselbe machte mir in gefälliger Weise den Antrag, an der am heutigen Tage stattfindenden Feier der Uebergabe des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone an den Besitzer des dortigen Hôtels »Adelphi«, Herrn Hasner, theilzunehmen. Herr Hasner stammt aus Oesterreich-Ungarn und hat sich viele Verdienste, darunter auch jenes der Bereicherung der Schönbrunner Menagerie, erworben. Ich sagte mit Vergnügen zu, denn es freute mich, im fernen Lande einem Feste beiwohnen zu können, in welchem ein Landsmann von Sr. Majestät unserem Allerhöchsten kaiserlichen und königlichen Herrn decorirt wird.
Ich kaufte sodann noch 80 Stück Ansichtskarten sammt Marken, wofür ich 12 Dollars = 14 fl. 40 kr., also beinahe das Doppelte wie bei uns, bezahlen musste.
Um 8 Uhr Abends fand im Hôtel »Adelphi« zur Feier der eben besprochenen Ordensübergabe ein Diner mit zehn Gängen und vorzüglichen Weinen statt. Bei dem Braten erhob sich Herr Brandt, hob die Verdienste des Hôteliers hervor und brachte auf ihn ein Hoch aus; sodann sprach ich einen kurzen, begeisterten Toast auf Se. Majestät unseren allergnädigsten Kaiser und König, welcher eine zündende Wirkung erzielte, und schliesslich stand der Gefeierte auf, konnte aber, vor Rührung übermannt, kaum ein Wort sprechen, und las endlich seine Dankesrede an Herrn Brandt mit bewegter Stimme vor.
Beim Diner waren 12 Personen, Oesterreicher, Ungarn und Reichsdeutsche anwesend, darunter befand sich auch der Magnat Graf F., welcher mit seiner Frau, einer Amerikanerin, seit sechs Jahren auf seinem eigenen Segelschiffe in der Welt herumfährt. Graf F. lud später Herrn Brandt und mich ein, den nächsten Tag sein Schiff zu besehen und daselbst das Tiffin zu nehmen.
Da mir die Seeofficiere dringend abriethen, während meines Aufenthaltes in Singapore in meiner Schiffscabine zu übernachten, weil in den Docks die Cabinen sehr heiss sind und von Mosquitos überfluthet werden, so nahm ich die Einladung unseres Consuls dankbar an, die Zeit über in seiner Villa (Bungalow) zu wohnen. Diese Villa ist inmitten eines grossen Gartens gelegen, sehr luftig gebaut und besitzt viele grosse Zimmer und Säle, welche reizend, theils mit Rohr-, theils mit kunstvoll geschnitzten Möbeln eingerichtet sind. Mir wurde ein Schlafzimmer mit einem Mosquitonetzbette, ein Toilettecabinet und eine Badekammer zugewiesen. Bei dem Umstande aber, als die vor den Zimmern befindlichen Altane ganz offen und die Zimmer selbst nur mit Thüren versehen sind, welche bis zur halben Höhe reichen, war mein Gemach sehr luftig, ja auch zugig.
Am 14. März begab ich mich mit Herrn Brandt zum ersten Pferdehändler in Singapore, weil der Erstere sich zu seinem einzelnen sehr hübschen Schwarzbraun ein zweites, dazu passendes Pferd kaufen wollte. Diese Pferdekaufangelegenheit interessirte mich aus dem Grunde, um einen Vergleich mit den ähnlichen Verhältnissen in der Heimat ziehen zu können. Ich fand bei dem Pferdehändler so ziemlich Alles wie bei den unseren, List und Schlauheit mitinbegriffen; die Preise der Pferde, meist Australier, standen aber höher als in unseren Landen.
Nach der Pferdeschau fuhren wir in den Club, wo ich als Mitglied eingetragen worden war, und wo uns Graf F. bereits erwartete, um uns hierauf gemeinsam in einem sehr hübsch hergerichteten Kahn auf sein Schiff zu bringen. Die ganze Einrichtung des elegant ausgestatteten Seglers fand unseren vollsten Beifall, wie nicht minder das vorzügliche Tiffin, bei dem der Hausherr und die Hausfrau in liebenswürdigster Weise die Honneurs machten.
Nachmittags ging ich nochmals in den Club und von da auf meinen Dampfer, um des Abends nach der Villa Brandt zurückzukehren. Dabei zeigte es sich recht deutlich wieder, dass die dortigen Kutscher gar keine Kenntniss von Strassen und Gebäuden haben. So führte mich mein Kutscher statt in die Villa zu einer englischen Kaserne, und ich verdankte es nur der freundlichen Vermittlung eines englischen Officiers, dass ich bald darauf mein Ziel erreichte.
Am 15. März sah ich mir zeitlich Morgens noch einmal die sehr reiche und schöne Stadt an, in welcher ein auffallend reges Leben herrscht. Singapore ging erst im Jahre 1824 in den englischen Besitz über, und hat seit dieser Zeit einen raschen Aufschwung genommen, so dass es jetzt zu einem der bedeutendsten Handelsplätze Südasiens zählt. Seine Einwohnerzahl mag sich auf 150.000 Seelen belaufen. Die einzelnen Stadttheile sind nach den verschiedenen Nationalitäten von einander getrennt, und in dem europäischen Viertel, in dem ich längere Spaziergänge machte, vereinigt sich der grosse Handelsverkehr. Eine besondere Sehenswürdigkeit der Stadt bildet das Palais des englischen Gouverneurs, welches von einem prächtigen Garten umgeben ist, und bemerkenswerth ist die Gleichmässigkeit des Klimas, welches die Aerzte bewog, diese Stadt das »Paradies der Kinder« zu nennen.