Da der Hôtelier Hassner für diese interessanten Antiquitäten, welche ich für das kärntnerische Landesmuseum bestimmt habe, keine Bezahlung annehmen wollte, so werde ich demselben nach meiner Rückkunft eine grössere Zahl von Flaschen mit rothem und mit weissem Chateau Palugyay-Wein zusenden lassen.

Das Hôtel Adelphi in Singapore ist sehr gut und schön gelegen, besteht aus einem prächtigen und grossen Hause mit vielen geräumigen, luftigen Gesellschaftsräumen und mit schönen, sehr gut eingerichteten Passagierzimmern, und ist von einem sehr gut gehaltenen Garten umgeben. Die Verpflegung ist dort sehr gut, die Bedienung vortrefflich und dabei sind die Pensionspreise ausserordentlich billig. Der Hôtelier Hassner, wie gesagt, ein Oesterreicher aus Nordböhmen, ist schon seit einer langen Reihe von Jahren im Hôteldienste thätig, in der Stadt Singapore allgemein hochgeachtet und beliebt, für seine Gäste sehr aufmerksam und sorgsam, und so kann das Hôtel Adelphi mit gutem Gewissen jedem nach Singapore Reisenden bestens anempfohlen werden.

Fahrt von Singapore nach Colombo.

Am 19. Mai, um 7¼ Uhr Früh, nach erfolgter rascher Verpackung und Abfertigung der mir übergebenen Antiquitäten, fuhr ich zum Dampfer Coromandel, wo ich mein sämmtliches Gepäck, und zwar sechs Stück in meiner Cabine und acht Stück auf dem Schiffsdeck vorfand. Der mich begleitende Hôtelier überwachte speciell, dass das Stück mit den Antiquitäten zu den Effecten auf das Deck gelegt worden war. Der mit der Ueberwachung des Gepäckes betraute Schiffsofficier hat die auf dem Deck befindlichen Colli gesehen und in dem Gepäcksraum unterbringen lassen. Ich hebe diese Angelegenheit hervor, weil es bei dem Ausschiffen einen sehr unliebsamen Anstand wegen meines Gepäckes gab.

Das englische Schiff Coromandel ist weit grösser und in mancher Richtung besser eingerichtet, als das Lloydschiff Marquis Bacquehem. So z. B. geniesst der Reisende auf dem Deck des Coromandel viel mehr Bewegungsfreiheit und hat nicht die Unannehmlichkeit, an dem heissen Dampfkessel vorbeigehen zu müssen, wie auf Marquis Bacquehem. In den Cabinen befinden sich grössere Fenster und demnach sind dieselben kühler, als bei Marquis Bacquehem. Im Uebrigen sind aber die Verhältnisse auf dem Coromandel, ungeachtet des vierfach höheren Fahrpreises als auf dem Lloydschiff, nicht besser als auf diesem. Die Mahlzeiten sind wohl ein wenig reicher, aber nicht besser, dagegen gibt es zum Tiffin nur kalte Speisen und der Wein ist sehr theuer. Eine Flasche des billigsten Weines kostet 2 Dollars = 2 fl. 40 kr. ö. W.

Auch auf dem englischen Dampfer wurde mir eine für drei Personen eingerichtete Cabine zur Verfügung gestellt, eine Zuvorkommenheit, für welche ich dem Schiffscapitän meinen Dank aussprach.

Ich befand mich auf dem Schiffe inmitten von Engländern, auch einige Frauen mit ihren Männern und selbst Kinder fehlten dort nicht. Im Ganzen befanden sich in der ersten Classe etwa 30 Engländer und ich war der einzige Nichtengländer. Das Leben unter den Engländern ist insofern recht angenehm, als dieselben ein durchaus sehr anständiges und ruhiges Betragen haben und Niemanden in seiner Lebensweise stören.

Die englischen Herren sind meist gross, schlank, haben durchschnittlich blonde oder braune Haare, und viele haben lichtblaue Augen. Sie tragen entweder gar keinen Bart oder nur einen Schnurrbart, diesen aber nach abwärts, und sind sonst stets sorgfältig rasirt. Die englischen Damen sind auch sehr schlank, jene auf dem Schiffe waren aber nicht besonders hübsch.

In der äusseren Erscheinung sind die Engländer sich beinahe ganz gleich. Während des Tages tragen sie leichte, lichte, einfarbige oder leicht gerippte kurze Röcke und Beinkleider von gleichem Stoffe, und zwar entweder von Wolle oder von roher Seide, unter demselben ein Wollhemd mit umgelegtem Kragen und auf dem Kopfe die bekannte Reisemütze. Morgens tragen die Engländer bis zum Breakfast um 9 Uhr weite Leibchen und Beinkleider aus grobem, lichtem Wollstoff (Pangshyana) und Abends zum Diner sind sie in schwarzem Frack oder Smoking, schwarzen Pantalons, tief und breit ausgeschnittenen Gilets, Hemden mit glattgestärkter Brust, in welcher sich meist nur ein Knopfloch befindet, das mit einem ziemlich grossen Gold- oder Perlenknopf geschlossen wird, und mit schwarzer Cravatte gekleidet. Nach dem Diner wechseln manche Engländer bei grosser Hitze den Frack oder Smoking mit einem weissen, gestärkten Piquetleibchen, welches in der Form dem Smoking ähnlich ist, aber nur bis zur Taille reicht und dort gerade endet. Die auf dem Schiffe befindlichen Damen machten zum Diner auch Toilette, aber nicht mit ausgeschnittenen Kleidern. Sie wussten wohl warum.

Alle Reisenden brachten auf das Schiff Rohrfauteuils oder Rohrsofas mit, die mit ihrem Namen versehen waren, und welche sie dann stets an jene Stelle auf dem Deck schoben, welche ihnen zur Ruhe am besten dünkte. Die englischen Ehepaare sassen dort während des ganzen Tages ohne geringste Unterbrechung stets nebeneinander. Nun that es mir recht leid, dass ich, der Gepäcksverminderung halber, meine Rohrmöbel nicht mitgenommen hatte. Auch in der Art und Weise des Essens und Trinkens gleichen sich die Engländer. So z. B. nehmen sie beim Essen der Suppe stets den breiten Theil des Löffels an den Mund, die Trinkgefässe stellen sie rechts seitwärts der Teller, und als Getränke nehmen sie Whisky mit Soda. Die Begrüssungsform der Engländer besteht nur in einem leichten Nicken des Kopfes, höchstens in dem Erheben der Hand wie zum Salutiren, und nur bei grösserer Intimität in der Phrase: How do you do?