Um sich ein Bild über die Fahrtverhältnisse bei den verschiedenen Dampfschiffahrtsgesellschaften zu machen, folgt nachstehend eine Zusammenstellung der approximativen Fahrtgeschwindigkeit und der Fahrpreise erster Classe auf den Dampfern der vier hervorragendsten Dampfschiffahrtsgesellschaften. Bei der Fahrtgeschwindigkeit sind die Aufenthaltszeiten eingerechnet. Für die Preise erster Classe werden die Fahrt, die Unterkunft in der Cabine, fünf Mahlzeiten, Beleuchtung, Bad u. s. w. geboten; auf den Dampfern der Messagerie auch die Getränke zu den Mahlzeiten.
| Dampfschiffahrtsgesellschaft | Seemeilen per Tag | Preis per Tag in fl. ö. W. | Preis für 100 Seemeilen in fl. ö. W. | |
| Messagerie maritime | 350 | 40·— | 11·43 | |
| P and O | 277 | 28·— | 10·11 | |
| Norddeutscher Lloyd | 280 | 25·50 | 9·11 | |
| Oesterreichischer Lloyd | Schnelldampfer | 294 | 30·— | 10·20 |
| Gewöhnlicher Dampfer | für vereinte erste und zweite Classe | |||
| 166 | 8·50 | 5·12 | ||
Ein sehr verdienstvolles Werk wäre es, wenn Jemand ein Coursbuch für den Personenverkehr der bedeutenden Dampfschiffahrtsgesellschaften herausgeben würde, aus welchen die Fahrtzeiten und die Preise entnommen werden können, wie solche Bücher für die Eisenbahnzüge bestehen. Cook gibt wohl ein ähnliches Buch heraus, es sind aber in demselben nur die Fahrtzeiten und nicht die Preise angegeben.
Ueber die Fahrt von Colombo nach Port Said werde ich gleich die gesammten, während der Fahrt erhaltenen Eindrücke anführen, und werde dann für die einzelnen Tage nur die besonderen Ereignisse anfügen.
Die Reinlichkeit auf dem französischen Dampfschiffe Australien war sowohl im Allgemeinen als auch in den Cabinen viel geringer als jene auf den Schiffen des Oesterreichischen Lloyd und der P and O-Gesellschaft. Bei der letztgenannten Gesellschaft besteht die sehr gute Gepflogenheit, dass der Schiffscapitän mit den dienstfreien Schiffsofficieren um 11 Uhr Vormittags das ganze Schiff und auch alle Cabinen besichtigt, und dass er dabei die Wünsche und Beschwerden der Passagiere entgegennimmt.
Auch die Kost war auf dem Australien nicht so gut und nicht so reichlich bemessen, wie auf den Dampfern des Oesterreichischen Lloyd und der P and O-Gesellschaft.
Die Bewegung des Schiffes, speciell das Rollen, war auf den Schiffen der Messagerie sehr arg, so dass sehr viele Passagiere sich auf demselben unwohl fühlten, und dass manche seekrank wurden. In dieser Hinsicht fährt es sich auf den Dampfern des Oesterreichischen Lloyd am besten.
Die Seekrankheit entsteht häufig aus der Schwierigkeit des Stehens und Gehens auf schwankendem Boden. Beim Stehen soll der Oberleib sich immer nach den verschiedenen Seiten derart neigen, damit er die verticale Haltung einnimmt, und dies kann so schwierig werden, dass man es nur mit dem Anhalten an festen Gegenständen erlangen kann. Beim Gehen kommt noch dazu, dass der Fuss keine gleichmässige Basis findet, dass er bald tiefer und bald höher auftreten muss, und dass dadurch das Schwanken noch ärger wird. Dieses fortwährende Schwanken und die damit in Verbindung stehende Anstrengung erzeugen bei manchen Menschen das Gefühl des Schwindels, und hierzu mag dann noch bei Manchen das Gefühl der Angst hinzutreten. Die Mittel zur Bekämpfung dieses Uebels liegen zum grossen Theil in der Ruhe des Nervensystems, in der Aufnahme der begründeten Ueberzeugung, dass das Umkippen eines so grossen Dampfers ganz unmöglich ist, und in der Angewöhnung des Körpers an die schaukelnde Bewegung, wie dies auf Schaukeln oder auf Schaukelstühlen herbeigeführt werden kann. Alle übrigen angerathenen Mittel betreffs Essens, Trinkens etc. erscheinen nicht massgebend. Jedenfalls wird ein kräftigeres Nervensystem einem solchen Unwohlsein viel besser widerstehen können, als ein geschwächtes oder ein krankes Nervensystem.
Was die Ventilation anbelangt, so war für selbe auf Australien sehr gut gesorgt, und dies ist eine Massregel, welche bei der grossen Hitze in den Tropen sehr wohlthuend wirkt.
Die Gesellschaft der ersten Classe auf dem Dampfer bestand aus 70 Personen, darunter etwa 20 Engländer und Engländerinnen, etwa 20 französische Officiere, welche nach 1½ jähriger Dienstverrichtung in Tonking wieder nach Frankreich versetzt wurden, etwa 10 andere Franzosen, dann 10 Spanier, welche von den Philippinen flohen und nun nach Spanien zurückkehrten, und 10 Personen verschiedener Nationalitäten, worunter auch ich mich befand. Dabei gab es leider viele Kinder jeden Alters, und unter diesen Kindern viele, die schlecht erzogen, und unter den betreffenden Müttern manche, welche ihren Kindern zu Liebe gegen die Mitreisenden recht rücksichtslos waren. Das gesellschaftliche Verhalten der Reisenden in der ersten Classe war weit weniger angenehm, als auf dem Dampfer des Lloyd und auf jenem der P and O-Gesellschaft. Lärmen, Pfeifen etc. und mangelhafte Toiletten waren hier nicht selten. Die Engländer, welche sich auf ihren Schiffen so correct benehmen, zeigten sich hier weit weniger ruhig und zurückhaltend. Ich verhielt mich ganz zurückgezogen, machte mich nur mit dem Schiffscapitän bekannt und ersuchte ihn, mich den anwesenden zwei höchsten französischen Officieren zu nennen, weil ich dies, als auf dem französischen Boden befindlich, für angezeigt erachtete. Diese beiden Herren, ein Oberst der Infanterie und ein Linienschiffscapitän, waren sehr artig und höflich, doch blieb ich auch gegen diese beiden Herren nur auf dem Begrüssungsfusse. Meine Tischnachbarn waren der Holländer N. v. H. und der russische Schiffsingenieur L. mit seiner Frau, und mit diesen führte ich während der Mahlzeiten Conversation, mit Ersterem spielte ich auch Abends auf dem Damenbrett oder Domino und dergleichen. Bezüglich des russischen Ingenieurs will ich noch mittheilen, dass ihm als russischen höheren Beamten der Titel »General« zukam, und dass er von Wladiwostok, dem Orte, an welchem die der Vollendung entgegen gehende sibirische Bahn ihren Abschluss finden wird, nach Petersburg versetzt wurde.