Der 16. Juni ist der letzte volle Tag, welchen ich auf dem Dampfer Australien der französischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft Messagerie maritime verlebte, und da will ich nun noch meine weiteren Erfahrungen über die Existenz auf diesem Schiffe mittheilen. Der Mangel an Reinlichkeit auf dem Schiffe zeigte sich auch darin, dass Bettwäsche, Handtücher, Servietten u. s. w. recht selten gewechselt, und dass das Putzen der Kleider und Schuhe recht mangelhaft war. Die Bedienung war nicht sorgsam und bei der Kost musste ich es sehr oft beklagen, dass alle Gattungen gekochten oder gebratenen Fleisches recht zähe, hie und da auch angebrannt waren. Wie schon erwähnt, wurde das Leben auf dem Dampfer auch durch das den ganzen Tag währende Schreien, Quitschen und Tollen der Kinder verbittert. Wenn schon die betreffenden Eltern dies ungeahndet geschehen liessen, so hätte doch der Schiffscapitän oder einer seiner Organe zum Wohl der übrigen Passagiere dagegen einschreiten sollen. Aber auch in dieser Hinsicht war keine Einwirkung wahrnehmbar, dagegen wurden die Passagiere gedrängt, Geldspenden zu geben, und zwar einerseits in Form einer Lotterie für ein kleines Schiffchen zu dem Zwecke, den Erlös der Schiffsmannschaft des Dampfers zukommen zu lassen, und andererseits in Form eines recht unmusikalischen Concertes, um den Ertrag desselben der Sammlung für die verunglückten französischen Schiffsleute zuzuwenden.
Ankunft in Marseille und Weiterfahrt nach Wien.
Am 17. Juni langten wir endlich um 2½ Uhr Nachmittags im Hafen von Marseille an. Bis wir aber vom Schiff auf's Land kamen, vergingen beinahe drei Stunden, weil die hygienischen Massregeln in nachstehender Weise getroffen wurden. Zuerst fuhr der Schiffscapitän in einer Zille auf's Land, dann langte nach ½ Stunde ein französischer Arzt auf dem Dampfer an und verfügte, dass jeder Passagier in einem Blankette des »Passeport sanitaire« seinen Namen, den Ort der Herkunft und den Ort des künftigen Aufenthaltes eintrage. Dann unterschrieb der Arzt alle Passeports sanitaires, vertheilte sie wieder an die Passagiere und somit konnten diese, ohne vorher ärztlich untersucht worden zu sein, und ohne dass das Gepäck desinficirt worden wäre, vom Schiffe auf das Land gehen.
Ich übergab zu diesem Zwecke meine 13 Gepäckstücke an den Bediensteten der Speditionsfirma King, einem Wiener, welcher auf den Dampfer Australien gekommen war, und bezeichnete ihm jene sechs Stücke, welche ich mit mir nehmen wollte, und die übrigen sieben Colli, welche mittelst Fracht an mich nach Wien zu senden sein werden. Nach Passirung des Zollamtes, wo von den Effecten nichts visitirt worden war, fuhr ich zum Bahnhof und von dort um 7 Uhr Abends nach Paris, wo ich am andern Tag um 9 Uhr Früh anlangte.
In Paris wollte ich am 18. Juni verweilen und hierzu stieg ich in dem Terminus-Hôtel ab. Nachmittags fuhr ich mit dem holländischen Herrn, welcher sich mir auf dem Schiffe angeschlossen hatte, über den Boulevard, die Champs elysées, den Arc de triomphe und das Bois de Boulogne zu den Rennen nach Auteuil, und dann besichtigte ich auf der Rückfahrt von Auteuil nach Paris den eben an diesem Tage stattfindenden grossen, historischen Festzug, welcher jedes Jahr um diese Zeit abgehalten wird. Bei diesem Festzuge erscheinen in der Tracht aus dem 13. Jahrhundert Soldaten und Zünfte zu Fuss und zu Pferd, grosse allegorische Carossen und prachtvoll ausgestattete Schiffe und Musikcorps, welche in ähnlichen Trachten die zeitgemässen Tonstücke spielen. Endlich sah ich auch den Ausstellungsraum für das Jahr 1900 und nahm dort wahr, dass schon eine immense Zahl von kolossal grossen Gebäuden errichtet wurde.
Nach 7 Uhr Abends fuhr ich mit dem Orientexpresszuge von Paris nach Wien ab. Als ich dann am 19. Juni in mein geliebtes Vaterland gelangte und wieder unsere schönen bewaldeten Berge, die grünen Fluren, die heimlichen Wohnräume, sowie die lieben, guten Landsleute gewahrte, dann erweiterte sich das Herz in Freude und meine tiefen Gefühle gaben deutlich Zeugniss davon, dass die Vaterlandsliebe in des Menschen Brust tief begründet ist.
Nach einer 24 stündigen Eisenbahnfahrt, also am 19. Juni, um 7 Uhr Abends, langte ich in meinem geliebten Wien an und somit war meine Reise beendigt.
Reiseauslagen und Reisepläne.
Nachfolgend gebe ich die Ausgaben genau specialisirt an, welche ich ohne Einbeziehung der besonderen Einkäufe während der Reise gemacht habe, und bemerke hierzu, dass die Auslagen in vielen Fällen, speciell in Bombay, hätten bedeutend vermindert werden können.