Frieda Freiin von Bülow.

Reisescizzen
und
Tagebuchblätter
aus Deutsch-Ostafrika.

Berlin 1889.
Walther & Apolant.
Markgrafenstraße 60.

Alle Rechte vorbehalten.

Meinen
wackeren Freunden und Gefährten
in Ost-Afrika
mit herzlichem Gruße
zugeeignet.

Reise-Erinnerungen.

Der Markusplatz lag in hellem Sonnenglanz, welcher in all dem blanken Marmor und in der Goldmosaik der wunderbaren maurischen Kirche funkelte und blitzte. Auf den Marmorplatten wogte eine festtägliche Menge mit nur in Venedig möglicher Geräuschlosigkeit. Tausende von schönen Augen sahen erwartungsvoll nach der berühmten Uhr hinauf, die heute ihr schönstes Kunststück machte, denn es war am Tage der Himmelfahrt Christi. – Wir aber wandten uns, begleitet von einigen Kofferträgern nach der Piazzetta, von wo aus wir eine der langgeschnabelten schwarzen Gondeln bestiegen und nach dem Hafen hinausruderten. Dort lag, weit draußen, der große »Indienfahrer,« ein Dampfer der »Peninsular and Oriental Steam Navigation Company,« der uns nach Aden bringen sollte. Mein Onkel und seine junge Braut geleiteten uns noch an Deck, doch mußten sie uns bald das letzte Lebewohl sagen, denn die Abfahrtsstunde war gekommen. So lange wir die sich Entfernenden sahen, winkten wir mit den Tüchern. Dann nahm das Rasseln der Ankerkette, das Hin- und Herlaufen dunkelfarbiger Matrosen, die Commandorufe der Schiffsofficiere, der lange, klagende Pfiff und das Schnaufen der in Thätigkeit gesetzten Maschine unsere Aufmerksamkeit gefangen.