Inhalt.
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| Kap. XV. | Unser letzter Zeltplatz an der Ostküste. Erste Wanderung auf dem Inlandseise | ||
| XVI. | Die Entwickelung unserer Kenntnisse von Grönlands Inlandseis und die früheren Versuche, in dasselbe einzudringen | ||
| XVII. | Wir verlassen die Ostküste | ||
| XVIII. | Wir verändern unsere Route auf Godthaab. Einige Mittheilungen über Klima und Schneeverhältnisse | ||
| XIX. | Die Wanderung über das Inlandseis. Ein Sturm im Innern. Häusliches Leben | ||
| XX. | Segelfahrt über das Inlandseis. Land! Land! Der erste Trunk Wasser | ||
| XXI. | Abwärts bis an den Ameralik-Fjord | ||
| XXII. | Die Seereise in dem „halben Boot“. Die Ankunft in Godthaab | ||
| XXIII. | Die vier Zurückgelassenen im Austmannathal und deren Erlebnisse | ||
| XXIV. | Reisebericht des Grönländers Silas | ||
| XXV. | Unser Aufenthalt in Godthaab | ||
| XXVI. |
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| A. | Einleitung. Die Verbreitung der Eskimos. Ihre Wanderungen | |
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| B. | Das Aussehen. Die Kleidung. Der Kajakfang. Die Häuser | |
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| C. | Das bürgerliche Leben in Grönland. Eigenthumsbegriffe. Geselligkeit. Gastfreundschaft | |
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| D. | Mahlzeiten. Speisen. Genußmittel | |
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| E. | Die Stellung der Frauen. Die Ehe. Die Tugend. Die Geburt. Die Kinder | |
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| F. | Charakter, Verbrechen, Trommeltanz und Gerichtsverfahren. Freiheitsgefühl | |
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| G. | Ursprüngliche Religion. Aberglaube. Kunstsinn. Dichtung. Musik | |
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| H. | Der Einfluß der Civilisation. Die Zukunft der Grönländer | |
| XXVII. | Ein Jagdausflug nach dem Ameralik-Fjord | ||
| XXVIII. | Die erste Uebungsstunde im Kajakrudern | ||
| XXIX. | Weihnachten in Godthaab | ||
| XXX. | Tagebuchaufzeichnungen aus Sardlok und Kangek | ||
| XXXI. | Abermals auf dem Wege nach dem Inlandseise. Umiarsuit! Umiarsuit! (Ein Schiff! Ein Schiff!) Die Heimreise | ||
| Anhang. | Das wissenschaftliche Ergebniß der Expedition | ||
Kapitel XV.
Unser letzter Zeltplatz an der Ostküste. Erste Wanderung auf dem Inlandseise.
rüh am Abend, ungefähr um 8 Uhr, landeten wir endlich in dichtem Nebel bei unserm letzten Zeltplatz an der Ostküste von Grönland. Im selben Augenblick, als ich den Fuß ans Land setzte, stieg ein Schwarm Schnepfen auf und ließ sich gleich wieder auf einem Stein ganz in unserer Nähe nieder. Mit einem Schuß erlegte ich vier dieser leckeren Vögel; das war ein guter Anfang.
Balto war so muthig und obenauf, daß er, kaum an Land gekommen, die große Sünde beging, einen der Pfarrer in Finmarken in einer längeren Messe nachzuahmen, was ihm vorzüglich gelang; er würde es jedoch niemals gethan haben, wenn er seines Lebens nicht ganz sicher gewesen wäre. Heute leistete er sich auch sogar einen kleinen Fluch, was seit langer Zeit nicht mehr vorgekommen war. Ja, er lieferte Ravna sein neues Testament in lappländischer Sprache zurück, das er von diesem geliehen und für ihn aufbewahrt hatte. Er meinte, jetzt habe er keine Verwendung mehr dafür. Als Sverdrup ihm sagte, er solle seiner Sache nur nicht gar zu sicher sein, es wäre noch mancher harte Strauß zu bestehen, ehe er die Westküste erreichte, wurde er doch ein wenig bedenklich und hielt mit dem Fluchen inne. Wir hatten nach und nach eine gute Uebung im schnellen Löschen unseres Bootes erlangt, niemals aber haben wir schneller gelöscht als an diesem Abend. Es lag ein fröhlicher Eifer in allem, was wir vornahmen, und derselbe wurde noch gesteigert durch mein Versprechen, Kaffee zu kochen.
In meinen Tagebuchaufzeichnungen von diesem Tage heißt es u. a. folgendermaßen: „Während die Boote geleert wurden, machte ich mich ans Kaffeekochen. (Es war die zweite warme Mahlzeit in den zwölf Tagen, die wir an der Ostküste zugebracht hatten.) Der Kaffee und das Abendessen wurden auf den Felsklippen unten bei den Böten in heiterster Stimmung eingenommen, — selbst die Lappen waren vergnügt. Wir hatten das Gefühl, einen Bestimmungsort erreicht und eine Schwierigkeit überwunden zu haben. Freilich stand uns der beschwerlichste Theil der Reise noch bevor, aber da war festerer Grund für unsere Schritte, sicheres Eis für unsere Berechnungen, — keine treibenden Eisschollen, keine Böte, die jeden Augenblick zerschellen konnten. Besonders für die Lappen war das Inlandseis mit seinen Schneefeldern heimischer als das wandelbare Treibeis. Die Landschaft, die uns umgab, würde nicht jedem Auge so schön erschienen sein wie dem unsrigen. Es waren graue Gneisfelsen, auf denen wir saßen, und zu beiden Seiten waren wir von Eisgletschern umgeben, die direkt ins Meer hinausgingen. Der Nebel hatte sich ein wenig verzogen, so daß auch der Berg (Kiatak) wenigstens theilweise sichtbar wurde. Auf dem Wasser schwammen hie und da einige Stücke Gletschereis. Es war eine Mischung von Grau und Weiß, hin und wieder von Blau unterbrochen, — graue Luft, bleigraues Meer mit weißen Eisschollen und graue Felsen mit weißem Schnee rings umher und dann ein klein wenig Blau in den Schluchten der Gletscher oder in dem Gletschereis draußen auf dem Wasser. Aber in unsern Herzen war kein Grau!“
Mit eigenthümlich frohen Empfindungen legten wir uns an jenem Abend schlafen, nachdem wir ziemlich hoch am Berg hinauf einen passenden Zeltplatz gefunden hatten.
Aussicht gegen Osten von unserem letzten Zeltplatz an der Ostküste. Kiatak. Am Morgen des 11. August. (Nach einer Photographie.)