Einige Tage später (am Montag, 17. Juli) fuhr ich wieder zur Mistra hinauf. Diesmal hatte ich in Åsheim ein Rad geliehen und fuhr auf der Landstraße über die Kvernnesbrücke und Odden, wo der Schneider wohnt. Es war ein Umweg von einer Meile.
Der Schneider stand auf dem Hofe; ich kam früher, als er erwartet hatte. Er bat mich hereinzukommen und Platz zu nehmen, bis er sich fertig gemacht habe.
Draußen und drinnen war alles in guter Ordnung. Das Haus liegt schön auf einer kleinen Landzunge an der Südseite des Lomnessees. Draußen war ein kleiner schöner Garten mit Blumenbeeten und Küchengarten.
Eine helle luftige Stube mit Waffen an den Wänden: eine Winchester-Magazin-Hagelflinte, ein Büchsendrilling mit Zielfernrohr. Damit schießt er im Winter die Auerhähne, das soll er besonders gut verstehen. Mehrere andere Gewehre hingen auch da und Fischereigeräte.
Aber vom Schneiderhandwerk war nichts zu entdecken. Auf den Tischen lagen Kataloge von Jagd- und Fischereigeräten. Man merkte, daß er Junggeselle war.
An der Wand hing ein Diplom. Sollte es ein Schützendiplom sein? Aber nein; wahrhaftig, das erinnerte doch etwas an den Schneider, es war ein Diplom über einen vollendeten Zuschneidekursus in Kopenhagen. Also ganz ausgelernt, und gewiß tüchtig im Handwerk wie in allem andern.
Nun ist er fertig. Kaffee in der Thermosflasche und zwei Flaschen Bier im Rucksack, so zogen wir auf unsern Rädern in der Sonnenhitze aufwärts. Man merkte es wahrhaftig nicht, daß er nur mit einem Bein treten konnte. Ich hatte meine liebe Not, ihm die langen steilen Anhöhen hinauf zu folgen, trotzdem ich an meinem Rad die Übersetzung wechseln konnte. Die steilsten Hügel hinauf mußten wir freilich gehen.
Halbwegs oben hörten wir ein furchtbares Getrampel auf uns zukommen; schneller als wir denken konnten, sprengte eine Koppel Pferde heran. Wir mußten uns mit unsern Rädern schleunigst in den Graben werfen, um nicht niedergetrampelt zu werden.
„Den Teufel auch, was mag das bedeuten?“
Aber da kam noch etwas hinterdrein — ein Mann auf einem Motorrad. Wahrhaftig der junge Tierarzt! Hatte der nichts Vernünftigeres zu tun, als so die Pferde zu jagen?