Die Sonne stand schon über dem Waldrand im Osten und flutete gerade ins Zimmer herein, als ich die Tür öffnete, um im Klarafluß ein Morgenbad zu nehmen.
Welch wundervoll friedlicher Fleck auf dieser lärmenden Erde! Still und ruhig liegen die Sennhütten auf der Wiesenfläche mitten in dem großen Wald. Ein betauter Blumenteppich reicht die Wiese bis zum Flußrand hinab. Draußen glitzert der Klarafluß wie ein breites Silberband; auf der andern Seite steht der dunkle Wald in kühlem Schatten.
Man scheut sich, den Fuß auf diese morgenfrische Reinheit zu setzen und den Tau von diesen zarten Blumenknospen zu treten. Man bleibt stehen, weitet die Brust, saugt diesen Frieden ein und läßt sich die Sonne ins Herz scheinen.
Aber dieser unermüdliche Fluß eilt ohne Rast und ohne Ruh weiter über Rollsteine; seine Schaumkämme und Wirbel wechseln ununterbrochen und doch bleiben sie immer dieselben.
Weshalb solche Hast, gerade hier? Nimm dir doch lieber etwas Zeit, du starker Fluß!
„Laß uns sachte gehen und gut Umschau halten,
Sieh der Weg ist reich an lieblichen Gestalten.“
Aber wer kann das in seiner Manneskraft? Du hast es nur eilig, um rasch durch dieses Land zu kommen, nach Schweden hinein.
Ist das ein wunderlicher Fluß! Alle großen Flüsse sonst haben sich im Laufe der Zeiten tiefe Täler gegraben. Der Klarafluß aber hat seinen Lauf geändert. In alten Zeiten floß er vom Fämundsee über den Drevsee geradewegs nach Schweden hinein, dann aber hat er seinen Sinn geändert und seinen Lauf über das graue, mit Renntiermoos bewachsene flache weite Gebirgsland mit seinen runden Höhen und Senken genommen.
Aus dem Fämundsee fließt die Glöta durch unwegsame Moränen aus großen Steinen in den Istersee und dann in den Galten. Daraus geht der Klarafluß hervor. Durch flaches Waldland, endlose Kiefernwälder — mit hohen, moosbewachsenen Bergen dazwischen — fließt er zumeist in allmählich fallenden Stromschnellen und stilleren Strecken, seltener in größeren Wasserfällen mit anschließenden tiefen, schwarzen Gumpen für die großen Fische.