„Aber der Otter ist ein schlauer Kerl, und es ist nicht leicht, an ihn heranzukommen,“ sagte er, „und wenn du auch noch so gut weißt, wo er seinen Bau hat, so ist es doch ein Glücksfall, wenn du ihn erwischst. Er weiß ganz genau, wenn du in der Nähe bist, und dann kommt er nie.
„Den Eingang zu seinem Bau in der Steinhalde hat der Otter unter Wasser an einer Gumpe des Flusses, und er taucht unter, sobald er dort hinein will, und wenn er von dort kommt, so sieht er sich gut vor. Zuerst kommt nur die Nasenspitze übers Wasser und dann, während er über den Fluß schwimmt, etwa noch die beiden Augen, und dann kommt er so still an Land, daß du es nicht einmal plätschern hörst.
„Manche mondhelle Nacht habe ich im Winter am Flusse gelegen und darauf gewartet, daß er aus dem Loch im Eise auftauchen sollte, aber das ist eine kalte Arbeit.
„Da nähte ich mir aus Fellen einen Schlafsack, so wie ich gehört habe, daß man ihn am Nordpol gebrauchen soll, und diesen Sack erprobte ich erst zu Hause auf dem Boden. Ja, hinein kam ich wohl, wenn er auch etwas eng zu sein schien, und hübsch warm war es auch darin. Aber als ich wieder heraus wollte, da wurde es schlimm. Soviel ich mich auch abmühte, immer rollte ich wie ein Wickelkind auf dem Boden. Meine Frau lachte sich halb zu Tode, und ich fluchte. Da mußte sie mir aus dem Sack heraushelfen.
„Ich machte den Sack weiter und ging damit los. Es war eine bitterkalte Nacht, aber der Sack war warm, und ich fand, er war wirklich eine abgezeichnete Erfindung, wie ich so im Mondschein dalag und auf den Otter wartete, der nicht kam, und mir der Atem fast im Halse gefror.
„Die Schuhe hatte ich vor mich hingestellt; aber als ich sie wieder anziehen wollte, waren sie steif gefroren wie Holz, und wie ich mich auch mühte, ich brachte sie nicht wieder an die Füße. Da half es nichts, ich mußte auf Strümpfen nach Hause gehen. Als aber die Frau die Tür öffnete und mich in bloßen Strümpfen stehen sah, den Sack in der einen Hand, die Schuhe in der andern, da wurde sie böse und sagte: ‚Was machst denn du für Geschichten?‘“
Wir sprachen auch vom Winter und vom Schneeschuhlauf.
„Eines Winters,“ sagte Haraldset, „unternahm ich mit dem Studenten H. eine schneidige Schneeschuhwanderung. Das war einer, der konnte dir fahren! Wir waren im Gebirge, nördlich vom Rukketal; er hatte Speise und Trank bei sich und auch Schreibzeug. Er sollte nämlich für ein Sportblatt schreiben, aber daraus wird wohl nichts geworden sein.
„Auf dem Heimweg, da kamen wir auf den Bergrücken oberhalb Nes, da geht es, weißt du, schroff bergab. Ich warnte ihn, er sollte nicht zu schnell fahren, aber er war keck. Wir hatten eine Flasche Punsch mitgehabt, und er hatte wohl das meiste davon getrunken. Damit ging es also abwärts.
„Ich fuhr behutsam, machte öfter eine Seitenwendung und versuchte, die Geschwindigkeit zu mäßigen. Als ich aber ein Stück weiter hinabgekommen war, wurde der Weg steiler und steiler, und die Geschwindigkeit stieg unheimlich.