[4] Was sagst Du dazu.
[5] Müde, satt.
[6] Kleinen Großhanse.
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Donnerstag, 13. Februar 1851.
Lieber Marx!
Ich erwartete diese Geschichte wegen Harney ziemlich sicher. Ich fand die Anzeige des Bem-Meetings im Friend of the People, worin es hieß, daß sich die Deutschen, Franzosen, Polen und Ungarn, sowie die fraternal Democrats[1] dabei beteiligen würden, und daß die W(indmill)street und Komp. sein mußte, war klar. Ich vergaß, Dich früher auf diese Annonce aufmerksam zu machen. Es ist mir heute nicht möglich, etwas Weiteres in der Sache zu tun. Morgen aber schreibe ich einen Brief an Harney, der ihm anzeigt, daß er das Manuskript, das ich ihm geschickt habe, nicht drucken soll, da ich es nicht fortsetzen werde, und worin ich ihm zu gleicher Zeit die ganze Geschichte ausführlich auseinandersetze. Wenn dieser Brief nicht hilft, so muß man die ganze Sauce fallen lassen, bis Herr Harney von selbst wiederkommt, was sehr bald geschehen wird. Ich vermute sehr stark, daß er in kurzem herkommen wird, wo ich ihn gehörig zwischen nehmen werde. Er soll endlich merken, daß man auch mit ihm Ernst macht. Jedenfalls, um Zeit und doppeltes Schreiben zu ersparen, werde ich Dir den Brief schicken, und wenn Du ihn gelesen hast, laß ihn ihm so rasch wie möglich zukommen.
Persönlich ärgert mich diese Albernheit und Taktlosigkeit von Harney mehr als irgend etwas anderes. Au fond[2] kommt auch darauf nichts an.
Wir haben jetzt endlich wieder einmal – seit langer Zeit zum erstenmal – Gelegenheit, zu zeigen, daß wir keine Popularität, keinen support[3] von irgend einer Partei irgend welches Landes brauchen, und daß unsere Position von dergleichen Lumpereien total unabhängig ist. Wir sind von jetzt an nur noch für uns selbst verantwortlich, und wenn der Moment kommt, wo die Herren uns nötig haben, sind wir in der Lage, unsere eigenen Bedingungen diktieren zu können. Bis dahin haben wir wenigstens Ruhe. Freilich auch eine gewisse Einsamkeit – mon Dieu,[4] die habe ich hier in Manchester seit drei Monaten bereits genossen und mich daran gewöhnt, und dazu als reiner Junggeselle, was jedenfalls hier sehr langweilig ist. Wir können uns übrigens im Grunde nicht einmal sehr beklagen, daß die petits grands hommes[5] uns scheuen; haben wir nicht seit soundso viel Jahren getan, als wären Krethi und Plethi unsere Partei, wo wir gar keine Partei hatten, und wo die Leute, die wir als zu unserer Partei gehörig rechneten, wenigstens offiziell, auch nicht die Anfangsgründe unserer Sachen verstanden? Wie passen Leute wie wir, die offizielle Stellungen fliehen wie die Pest, in eine „Partei“? Was soll uns, die wir auf die Popularität spucken, die wir an uns selbst irre werden, wenn wir populär zu werden anfangen, eine „Partei“? Wahrhaftig, es ist kein Verlust, wenn wir nicht mehr für den „richtigen und adäquaten Ausdruck“ der Bornierten gelten, mit denen uns die letzten Jahre zusammengeworfen hatten.
Eine Revolution ist ein reines Naturphänomen, das mehr nach physikalischen Gesetzen geleitet wird, als nach den Regeln, die in ordinären Zeiten die Entwicklung der Gesellschaft bestimmen. Oder vielmehr, diese Regeln nehmen in der Revolution einen viel physikalischeren Charakter an, die materielle Gewalt der Notwendigkeit tritt heftiger hervor. Und sowie man als der Repräsentant einer Partei auftritt, wird man in diesen Strudel der unaufhaltsamen Naturnotwendigkeit hineingerissen. Bloß dadurch, daß man sich independent hält, indem man der Sache nach revolutionärer ist als die anderen, kann man wenigstens eine Zeitlang seine Selbständigkeit gegenüber diesem Strudel behalten, schließlich wird man freilich auch hineingerissen.