Bei Cabet war ich. Der alte Knabe war recht kordial, ich ging auf all seinen Kram ein, erzählte ihm von Gott und dem Teufel usw. Ich werde öfter hingehen. Aber mit der Korrespondenz müssen wir ihm vom Halse bleiben. Er hat erstens genug zu tun und ist zweitens zu mißtrauisch. Il y verrait un piège,[2] um seinen Namen zu mißbrauchen.

Ich habe in den Epigonen „Das Wesen der Religion“ von Feuerbach etwas durchgeblättert. Abgesehen von einigen netten Aperçus ist das Ding ganz im alten Stiefel. Anfangs, wo er sich rein auf die Naturreligion beschränkt, ist er schon gezwungen, sich mehr auf empirischem Boden zu verhalten, aber später wird’s kunterbunt. Wieder lauter Wesen, Mensch usw. Ich werde es genau lesen und Dir in kürzester Frist die Hauptstellen, wenn sie interessant sind, exzerpieren, damit Du es für den Feuerbach noch gebrauchen kannst. Einstweilen nur zwei Sätze. Das Ganze – zirka sechzig Seiten – beginnt mit folgender, vom menschlichen Wesen unterschiedenen Definition der Natur: „Das vom menschlichen Wesen oder Gott(!!), dessen Darstellung das ‚Wesen des Christentums‘ ist, unterschieden als unabhängige Wesen (1), das Wesen ohne menschliches Wesen (2), menschliche Eigenschaften (3), menschliche Individualität (4), ist in Wahrheit nichts anderes als – die Natur.“ Dies ist doch das Meisterstück einer mit Donnerton ausposaunten Tautologie. Dazu kommt aber noch, daß er das religiöse, vorgestellte Phantom der Natur an diesem Satz vollständig hinten und vorn mit der wirklichen Natur identifiziert. Comme toujours.[3] – Ferner, etwas weiter. „Religion ist die Beherzigung und Bekennung dessen, was ich bin(!) ... Die Abhängigkeit von der Natur sich zum Bewußtsein erheben, sie sich vorstellen, beherzigen, bekennen, heißt sich zur Religion erheben.“

Der Minister Dumon wurde dieser Tage im Hemde bei der Frau eines Präsidenten ertappt. Der „Corsaire“ erzählt: Eine Dame, die bei Guizot suppliziert hatte, sagte, es ist schade, daß ein so ausgezeichneter Mann wie Guizot, est toujours si sévère et boutonné jusqu’au cou[4]. Die Frau eines employé der Travaux publics[5] sagt: On ne peut pas dire cela de M. Dumon, on trouve généralement qu’il est un peu trop déboutonné pour un ministre.[6]

Quelques heures après,[7] nachdem ich dem Weilchen zu Gefallen umsonst ins Café Kardinal geloffen – das Weilchen ist etwas traurig, weil ihm die Démocratie pacifique[8] seine Honorare, zirka 1000 Franken, nicht zahlt; es scheint eine Art great crisis and stopping of cash payments[9] bei ihr eingetreten zu sein, und Weilchen ist zu sehr Jude, um sich mit Banknoten auf das erste Phalanstère der Zukunft abfertigen zu lassen. Übrigens werden die Herren Fourieristen alle Tage langweiliger. Die Phalange enthält nichts als Unsinn. Die Mitteilungen aus Fouriers Nachlaß beschränken sich alle auf das mouvement aromal[10] und die Begattung der Planeten, die plus ou moins[11] von hinten zu geschehen scheint. Aus der Begattung des Saturn und Uranus entstehen die Mistkäfer, welche jedenfalls die Fourieristen selber sind – der Hauptmistkäfer aber ist der Herr Hugh Doherty, der Irländer, der eigentlich noch nicht einmal Mistkäfer, sondern erst Mistengerling, Mistlarve ist – das arme Tier wälzt sich schon zum zehnten Male (10me article[12]) in der question religieuse[13] herum und hat noch immer nicht heraus, wie er mit Anstand sein exit[14] machen kann.

Bernays habe ich noch nicht gesehen. Wie Ewerbeck aber sagt, ist es so gar arg mit ihm nicht und sein größtes Leiden die Langeweile. Der Mann soll sehr robust und gesund geworden sein, seine Hauptbeschäftigung, die Gärtnerei, scheint in Beziehung auf seinen Kadaverzustand den Sieg über seinen Kummer davongetragen zu haben. Auch hält er, dit-on,[15] die Ziegen bei den Hörnern, wenn seine –? Gattin? –, die nur zwischen zwei Fragezeichen zu denken ist, sie melkt. Der arme Teufel fühlt sich in seiner Umgebung natürlich unbehaglich, er sieht außer Ewerbeck, der wöchentlich hinauskommt, keine Seele, läuft in einer Bauernjacke herum, geht nie aus dem Sarcelles, das das elendeste Dorf der Welt ist und nicht einmal ein Kabarett hat, heraus, kurz, er ennuyiert sich zum Sterben. Wir müssen sehen, daß wir ihn wieder nach Paris kriegen, dann ist er in vier Wochen wieder der alte. Da der Börnstein in seiner Qualität als Mouchard nicht wissen soll, daß ich hier bin, so haben wir dem Bernays erst geschrieben wegen eines Rendezvous in Montmorency oder sonst in der Nähe, nachher schleifen wir ihn nach Paris und wenden ein paar Franken daran, ihn einmal tüchtig aufzuheitern. Dann wird er schon anders werden. Übrigens laß ihn nicht merken, daß ich Dir so über ihn geschrieben habe, in seiner überspannten romantischen Stimmung könnte der gute Junge sich moralisch verletzt fühlen ....

Antworte bald.

Dein E.

Adresse: 11, rue de l’Arbre sec, 17.[16]

Es versteht sich, daß, was ich Dir hier und später über Ewerbeck, Bernays und andere Bekannte schreibe, strikt konfidentiell ist.

Ich frankiere nicht, da ich knapp bei Gelde bin und vor dem 1. Oktober nichts zu erwarten habe. An selbigem Tage werde ich aber einen Wechsel schicken, um meinen Anteil an den Portoauslagen zu decken.