Seit wann gebrauchst Du zu Deinen Briefen das inliegende schöne Siegel – oder ist was damit passiert?
Il paraît donc,[2] daß die ganze Neue Rheinische Zeitung diesen Sommer in London zusammensitzen wird, moins[3] vielleicht Freiligrath und den Honorarius Bürgers. Daß Lupus definitiv kommt, freut mich sehr. Ich weiß übrigens positiv, daß die Geschichte mit den Alien-Offices[4] an der Grenze hier jetzt noch weit weniger streng ist als früher und daß daher der ganze Skandal wegen des Verbots, Flüchtlinge hierher zu schicken, der purste Humbug ist.
Die Unterschrift des Alrauns [Dronke] zu der Genfer Adresse ist höchst sonderbar – eine bévue inconcevable[5] –, neuer Beweis, daß man a sharp look-out after these young men[6] haben muß und daß sie kurz gehalten werden müssen. Es kann nur eine bévue sein, die Briefe des Kerlchens waren übereifrig, und vielleicht hat er geglaubt, einen famosen Geniestreich zu machen. Man muß ihn scharf inquirieren, rüffeln und ihm empfehlen: surtout pas de zèle![7]
Nächstens werde ich Dir eine ökonomische Abhandlung von Wellington aus dem Jahre 1811 mitteilen, über free trade und Monopol im Kolonialhandel. Das Ding ist kurios, und da es die spanischen Kolonien betrifft und nicht die englischen, so kann er den freetrader spielen, obwohl er gleich im Anfang mit einem aristokratisch-militärischen Fanatismus über die Kaufleute schimpft. Er dachte nicht, daß er diese Prinzipien nachher auf die englischen Kolonien anwenden helfen müßte. Aber das ist der Witz. Dafür, daß der alte Irländer unverdienterweise Napoleon besiegte, hat er später vor Cobden erliegen müssen und en économie politique[8] durch das kaudinische Joch des free trade passieren. Die Weltgeschichte gibt doch zu sehr vielen angenehmen Betrachtungen Anlaß!
Die Auflösung der Londoner demokratischen provisorischen Regierung für Deutschland hat mich mit Kummer erfüllt. So eine schöne Gelegenheit für die Esel, sich vor dem öffentlichen Gelächter zu erhalten, findet sich sobald nicht wieder. Dafür eröffnet der große Franz Raveaux in der Kölnischen Zeitung wieder seine Klüngelpolemik mit Herrn Paul Franck und anderen Tröpfen. Er ist wieder reif, in irgend ein Nationalnarrenhaus gewählt zu werden und zu sagen: „Meine Herren, hück hat die Stadt Köllen ener jroßer Dag erlebt!“
Ich bin übrigens moralisch überzeugt, daß der Willich und Komp. über einen großartigen Plan zur Revolutionierung Englands während der Exhibition brüten, obwohl es ebenso sicher ist, daß sie keinen Finger rühren werden. Wird nichts Vereinzeltes bleiben!
Die zweite Marke auf meinen Briefen ist für späte Aufgabe. Ich kann für diesen Stamp anderthalb Stunden nach Schluß der gewöhnlichen Post den Brief noch mit demselben Zuge fortbekommen. Übrigens zahlt dies die Firma.
Dein F. E.
[1] Bargeld.