6. Um für den Krieg organisieren zu können, muß die Revolution Raum und Zeit gewinnen. Sie muß daher politisch angreifen, das heißt soviel wie möglich Länderstrecken in ihren Bereich ziehen, weil sie militärisch im Anfang stets auf die Defensive beschränkt ist.

7. Die Organisation für den Krieg kann in dem republikanischen Lager so gut wie in dem royalistischen nur basiert sein auf Zwang. Mit politischer Begeisterung und mit phantastisch aufgeputzten Freischaren ist gegen Disziplin und gut geführte Soldaten noch nie eine offene Feldschlacht gewonnen worden. Die militärische Begeisterung stellt sich erst nach einer Reihe von Erfolgen ein. – Für diese Erfolge gibt es im Anfang keine bessere Grundlage als eiserne Strenge der Disziplin. Mehr noch als in der inneren Organisation des Landes können demokratische Grundsätze in den Armeen erst nach dem Siege der Revolution zur Anwendung kommen.

8. Der kommende Krieg ist seiner Natur nach ein Vernichtungskrieg – Völker oder Fürsten. Folgt daraus die Anerkennung der politischen und militärischen Solidarität aller Völker, das heißt der Intervention.

9. Das Gebiet der kommenden Revolution liegt räumlich in denselben Grenzen wie das der besiegten: Frankreich, Deutschland, Italien, Ungarn, Polen.

Folgt aus allem: Die Frage der kommenden Revolution ist gleichbedeutend mit der eines europäischen Krieges. Gegenstand des Krieges: Ob Europa kosakisch oder republikanisch. Schauplatz des Krieges – die alten: Oberitalien und Deutschland. Herr Techow zählt nun auf: 1. Die Streitkräfte der Konterrevolution; 2. die Streitkräfte der Revolution.

I. Streitkräfte der Konterrevolution.

1. Rußland. Gesetzt, es könne seine Streitkraft auf 300 000 bringen, das wäre sehr viel. In welcher Zeit und wie stark kann es dann am Rhein und in Italien erscheinen? Im besten Falle in zwei Monaten. Mindestens ein Drittel Abgang für Kranke und Besatzung der Etappenstraßen. Bleiben 200 000 Mann, die in zwei Monaten nach Ausbruch der Bewegung auf den entscheidenden Punkten des Kriegsschauplatzes erscheinen.

2. Österreich. Berechnet den Stand seiner Armee auf 600 000 Mann. Brauchte 1848 und 49 in Italien 150 000 Mann. Diese Zahl verlangt Radetzky auch jetzt in Friedenszeiten. In Ungarn braucht es jetzt im Frieden 200 000 Mann. Im letzten Kriege reichten 200 000 Mann nicht aus. Ein Drittel dieser Armee besteht aus Ungarn und Italienern, die abfallen werden. Im besten Falle, wenn der Aufstand in Ungarn und Italien nicht gleichzeitig ausbricht, kann es – durch allerlei Barrikadenkämpfe aufgehalten – in 6 Wochen mit 50 000 Mann am Rhein erscheinen.

3. Preußen. Zählt 500 000 Mann, inklusive der Ersatzbataillone und der Landwehr des ersten Aufgebots, die nicht mit ins Feld rücken. Für die Operation im Felde 300 000 Mann: Halb Linie, halb Landwehr. Mobilisierung: 14 Tage bis 3 Wochen. Das Offizierkorps in der preußischen Armee aristokratisch, die Unteroffiziere bureaukratisch, die Masse „durchaus demokratisch“. Fernere Chance hat die Revolution in der Mobilisierung der Landwehr. Desorganisation des preußischen Heeres durch die Revolution, deren der König nur unter Schutz der russischen Armee so weit Herr wird, um mit den Russen die Trümmer seines Heeres gegen die Rebellen zu führen. Rheinprovinz, Westfalen, Sachsen für ihn verloren, so die wichtigsten Festungslinien und mindestens ein Drittel seiner Armee. Ein Drittel braucht er gegen die Aufstände in Berlin, Breslau, Provinz Posen und Westpreußen. Bleiben höchstens 100 000, die nicht früher als die Russen selbst auf dem Kampfplatz erscheinen können.

4. Die deutsche Bundesarmee. Das badische, schleswig-holsteinsche, das kurhessische und die pfälzischen Regimenter gehören der Revolution. Nur Trümmer der deutschen Bundesarmee werden, dem Flehen der Fürsten folgend, die Heere der Reaktion verstärken. Ohne militärische Bedeutung.