Frankieren tut um Gottes willen nicht an mich. Wenn mich der verdammte Leske, der mir endlich wegen der dem P[üttmann] geschickten alten Drecke einen nichtsnutzigen Wechsel zuschicken ließ, den ich retournieren mußte – wenn mich Leske nicht im Stiche ließe, schickte ich Euch sogleich 25 Franken für die Komiteekasse. Einstweilen aber übernehme ich die Kosten wenigstens der Korrespondenz mit mir. Wenn ich den vorigen Brief nicht frankierte, so geschah dies, weil es zu spät war und ich ihn nur noch durch Hineinschmeißen in den Briefkasten wegbekam. Sowie der Leske mir das Geld schickt, erhaltet ihr ein Quotum.

Keiner der Straubinger kriegt die Antwort an Kriege zu sehen. Sonst wäre sie vor Grün nicht sicher. Wir müssen namentlich dem Kerl alles vom Halse halten, bis seine Bearbeitung des Proudhonschen Buches, nebst Noten von K. Grün, fertig ist. Dann ist er gefangen. Er revoziert darin vollständig eine Masse früher gesagter Geschichten und überliefert sich mit Leib und Seele dem Proudhonschen Erlösungssystem. Nachher hat es dann mit dem Exploitieren ein Ende, wenn er nicht wieder tournieren will. Ist der Weitling noch in Brüssel?

Mit den Straubingern hier denke ich durchzukommen. Die Kerle sind freilich gräßlich unwissend und durch ihre Lebenslage gar nicht präpariert. Konkurrenz unter ihnen gibt es gar nicht. Der Lohn hält sich immer auf einem und demselben Niveau, der Kampf mit dem Meister dreht sich gar nicht um Lohn, sondern um den Gesellenhochmut usw. Bei den Schneidern wirken jetzt die fertigen Kleiderläden revolutionierend. Wenn’s nur nicht so ein faules Handwerk wäre.

Der Grün hat scheußlich geschadet. Er hat bei den Kerls alles Bestimmte in bloße Duselei, Menschheitsstreben usw. verwandelt. Unter dem Scheine, den Weitlingschen und sonstigen Systemkommunismus anzugreifen, hat er ihnen den Kopf voll unbestimmter Belletristen- und Kleinbürgerphrasen gesetzt und alles andere für Systemreiterei ausgegeben. Selbst die Schreiner, die nie Weitlingianer gewesen – oder doch nur einzelne – haben eine abergläubische Gespensterfurcht vor dem „Löffelkommunismus“ und schließen sich – wenigstens vor dem durchgesetzten Beschluß – lieber der größten Duselei, friedlichen Beglückungsplänen usw. an, als diesem „Löffelkommunismus“. Es herrscht eine grenzenlose Konfusion hier vor. An Harney habe ich dieser Tage einen leisen Angriff gegen die Friedlichkeit der fraternal Democrats[1] geschickt, ihm übrigens geschrieben, daß er mit Euch in Korrespondenz bleiben soll.

Dein E.


[1] Brüderliche Demokraten. [Titel einer von G. Julian Harney geführten Chartistenverbindung internationaler Tendenz.]

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Paris, 23. Oktober 1846.

Brief an das Brüsseler Komitee. Nr. III.