[9] Überfüllung.
[10] Aber was kann ich tun?
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28 Deanstreet, Soho, 19. Oktober 1851.
Lieber Engels!
Vor einigen Tagen erhielt ich einen Brief von Dronke, worin dieser – von wegen Ausweisung angeblich – seine Ankunft in London für den 23. oder 24. dieses Monats ankündigt. Die Existenzfrage wird ihm hier näher denn je auf den Leib rücken.
Eine noch fatalere Nachricht ist die: Ich führte seit letzter Zeit die Korrespondenz mit Köln so, daß die Briefe an mich durch den Eisenbahnkonduktor Schmidt nach Lüttich besorgt, ich andererseits, unter einem Kuvert, ihm einen Brief nach Lüttich durch eine dritte Person zuschickte. Dieser Schmidt ist nun verhaftet worden, dann freigegeben, aber die Untersuchung dauert fort. In dieser Sache scheint direkter Verrat im Spiele zu sein. Der Verabredung gemäß müßte Pieper übrigens längst Nachricht aus Köln, wo Rothschilds sich einen Tag aufhielten, und aus Frankfurt geschickt haben. Statt dessen ersehe ich aus einem Briefe Ebners (aus Frankfurt) an Freiligrath, daß er, obgleich schon acht Tage in Frankfurt, noch nicht bei Ebner war, dem er einen Brief von mir zu überbringen hatte. Unser großes Pech ist, daß unsere Agenten höchst nachlässig die Sache immer betreiben, und stets als Nebensache. Die anderen sind unstreitig besser bedient. – –
Was nun den Ewerbeck betrifft, so mußt Du mir wenigstens bis zum Jahre 1845 die Dich betreffenden Notizen in etwelchen Zeilen niederschreiben.
Die plötzliche Schwenkung des Herrn Louis Bonaparte, welche Konsequenzen sie auch haben mag, ist ein Meisterstreich Girardins. Du weißt, daß dieser Herr sich in London mit Ledru-Rollin verbunden hatte, und sein Blatt wurde eine Zeitlang auch wirklich so dumm, wie es von einem Verbündeten Ledru-Rollins und Mazzinis zu erwarten steht. Unerwartet machte er den Zug mit dem suffrage universel,[1] wozu er mittels seiner Artikel, des Dr. Veron und persönlicher entrevues[2] den Bonaparte bestimmt hat. Die royalistische Konspiration ist so gebrochen. Die Wut des sonst so diplomatischen Journal des Débats beweist dies am klarsten. Alles stand unter einer Decke, Faucher, Carlier, Changarnier und selbst die edlen Berryer und Broglie, die scheinbar sich mit Bonaparte ralliiert hatten. Jedenfalls ist jetzt die „Revolution“ – in dem Sinne des Losgehens – eskamotiert. Mit dem suffrage universel ist nicht daran zu denken. Herr Girardin aber liebt die revolutionäre Inszenesetzung nicht. Er hat die Royalisten und die Revolutionäre von Fach gleichmäßig düpiert, und es ist sogar noch die Frage, ob er den Louis Bonaparte nicht auch absichtlich düpiert. Denn der suffrage universel wieder eingesetzt, wer bürgt dem Bonaparte für die Revision, und die Revision erreicht, wer bürgt ihm dafür, daß sie in seinem Sinne ausfallen wird? Dennoch, bei der naturwüchsigen Dummheit der französischen Bauern fragt es sich, ob der Élu du suffrage universel[3] als Restaurateur dieses suffrage nicht wieder gewählt wird aus Dankbarkeit, namentlich wenn er by and by[4] liberale Minister ernennt und durch geschickte Pamphlets alles Unheil auf die konspirierenden Royalisten schiebt, die ihn gefangen gehalten während drei Jahren. Es wird von seiner Geschicklichkeit abhängen. Bonaparte weiß jetzt jedenfalls, daß ihm von der parti de l’ordre kein Weizen blüht.
Eines der komischsten Intermezzos in diesem Intrigenspiel ist die melancholische Gebarung des National und des Siècle, die beide bekanntlich seit geraumer Zeit für den suffrage universel geheult haben. Jetzt, wo Frankreich in Gefahr steht, es wieder geschenkt zu erhalten, vermögen sie ihr Ressentiment [Verdruß] nicht zu verbergen. Wie nämlich die Royalisten mit dem suffrage restreint[5] auf Changarniers, hatten sie mit demselben auf Cavaignacs Wahl gerechnet. Girardin sagt ihnen geradezu, er wisse, daß sie unter dem republikanischen Abscheu vor der Revision – die dem Bonaparte Aussicht auf Wiederwahl eröffne – nur ihren Haß gegen das suffrage universel verbergen, das ihren Cavaignac und ihre ganze Koterie unmöglich mache. Der arme National s’était déjà consolé du départ du suffrage universel.[6]