[2] Verflossen, weiland.
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Nach dem 26. Oktober 1851.
Lieber Marx!
Wenn ich Dir nicht gleich auf Deinen Brief vom 19. antwortete, so geschah es, weil ich Weerth in einigen Tagen hier erwartete und wegen Haupt die Sachen abmachen wollte; und weil ich den Proudhon ebenfalls abschließen wollte. Letzteres wird heute und morgen abend geschehen, und Weerth war Samstag und Sonntag hier, er wird noch einige Zeit in Bradford bleiben, kann also selbst keinen Brief hinnehmen und weigerte sich auch eventuell es zu tun, da die Verhältnisse in Deutschland jetzt so brillant seien, daß man ohne weiteres bei der geringsten Veranlassung abgefaßt werde und er keine Lust hat, in diese Bundesgeschichte irgendwie verwickelt zu werden. Dies ist ihm au fond[1] nicht übelzunehmen. Er will mir indes einen Brief sicher an H[aupt] besorgen und verlangt nur, daß er ganz aus der Sache herausgelassen werde. Außerdem erzählte er, daß er dem H[aupt] in der letzten Zeit mehrmals begegnet und auf ihn zugegangen sei, daß dieser ihm aber jedesmal mit großer Verlegenheit plötzlich ausgewichen und durchgebrannt sei. Möglich wäre es, daß H[aupt] von seiner Familie usw. im Cachot etwas breitgeschlagen wäre und einige Geständnisse gemacht hätte, die ihm jetzt schwer auf dem Herzen liegen. Sonst meint Weerth auch, daß diese anderen Willich-Stechanschen Geschichten reine Verleumdungen seien, da H[aupt] gar keinen Grund haben könne, sich zu verkaufen.
Der Fischersche Brief ist allerdings das Dümmste, was mir seit langer Zeit vorgekommen ist. Ich erwartete aber so etwas und glaube auch, daß es bei seinen Geldversprechungen sein Bewenden haben wird. Es ist von demokratischen Eseln nicht zu verlangen, daß sie uns Geld schicken sollen, wenn ihre eigenen Leute persönlich bei ihnen betteln, und das Höchste, wozu sie zu kriegen sind, ist, wie Fischer selbst sagt, daß sie uns eine Stimme in der Verwendung der Gelder geben wollen, wenn wir uns dazu verstehen wollen, mit dergleichen Pack in einem Konklave zu sitzen und noch dazu in einer Minorität. Der Pumpplan à la Mazzini mit Reichsgarantie (das Deutsche Reich garantiert die Republik!) ist gar so übel nicht und hat jedenfalls die Gesamttätigkeit sämtlicher Musterbettler zu seiner Erzeugung nötig gehabt. Seitdem diese Erfindung zustande gebracht, wird unserer Partei nichts übrig bleiben, als sich vom demokratischen Geldmarkt völlig zurückzuziehen. This impudence beats us hollow.[2] Die Gelder, die wir überhaupt von den Demokraten für politische Zwecke erhalten haben, sind uns ohnehin bloß per abusum[3] zugekommen, und seit die großen Männer selbst als joint stock company[4] am Markt erschienen sind, hört diese Illusion vollständig auf. Alle unsere Aufforderungen würden uns bloß refus[5] und Blamagen zuziehen, es sei denn, daß es Weydemeyer gelingt, in New York etwas auszurichten, und auch das würde bloß unter den Arbeitern sein.
Weerth wird Dir dieser Tage schreiben. Er ist sehr unschlüssig, was er anfangen soll. Er hat famose Offerten, aber sie konvenieren ihm alle nicht recht.
Herr Kossuth ist wie der Apostel Paulus, alles für alle. In Marseille schreit er Vive la République, in Southampton God save the Queen. Welche merkwürdige, hyperkonstitutionelle Moderation paradiert der Kerl jetzt. Es ist aber den Herren Pettie und der Clique Harney recht, daß er ihr Bankett gar nicht besuchen will. Selbst Herr Mazzini würde sehr kühl empfangen werden – wenigstens von dem Publikum. Wieder einer, in dem man sich nicht getäuscht hat. Wie lange wird es übrigens dauern, wenn es nächstes Jahr keine secousses[6] geben sollte, so sinkt Herr Kossuth auch auf die Mazzinische ordinäre Brülldemagogie herab.
Morgen oder übermorgen den Proudhon. Ich werde Fischer womöglich die Revue schicken, habe aber nur vom letzten Heft mehrere Exemplare. Kannst Du mir Nr. 1 bis 4 noch verschaffen?
Dein F. E.