Weerth wird morgen früh, also gleichzeitig mit diesem Wisch, unter der Adresse Steinthal einen Brief von mir vorfinden, darin ein anderer an Schneider II liegt, den Ihr sofort besorgen müßt. Die Sache ist von der äußersten Wichtigkeit und keinen Augenblick aufzuschieben. Ich ersuche Euch daher, nicht an Euer gewöhnliches Tagewerk zu gehen, bis Ihr die Sache gelesen und expediert habt.

Dein K. M.

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24. November 1851.

Lieber Frederic!

Du begreifst, daß ich bei sehr brouilliertem [mißlichem] Familienwesen erst jetzt einige Zeilen an Dich richte.

Du erinnerst Dich, daß der Pieper in seinem letzten Briefe schrieb, der Kontrakt über meinen Anti-Proudhon sei dem Abschluß nahe. Aus seinem einliegenden Briefe wirst Du ersehen, daß dieses Manuskript gar nicht mehr erwähnt wird. Das ist dieselbe Weise, worin unsere lieben Getreuen mich seit sechs Monaten hinhalten. Andererseits hat Ebner mir geschrieben, Löwenthal wolle den Versuch mit einem Bande machen, erwähnte aber nicht, daß ich mit der „Geschichte der Ökonomie“ anfangen solle. Dies wäre ein Umwerfen meines ganzen Planes. Ferner schrieb Ebner, daß Löwenthal nur „niedrig“ zahlen könne. Dies lasse ich mir gefallen, wenn er das herausgibt, was ich zunächst herausgeben will. Zwingt er mich aber, meinen ganzen Plan zu verderben, so muß er mir auch so zahlen, als wenn ich direkt in seinem Auftrag schriebe. Indes, ich lasse einstweilen den Ebner gewähren. Er hat mir mitgeteilt, daß er nicht abschließen wird ohne meine Genehmigung. Qu’en penses-tu?[1] – –

Eccarius’ Bruder ist hier angekommen. Er und sämtliche übrige in Hamburg inhaftierte Straubinger sind mit einem Laufpaß freigegeben worden. Daß Haupt ursprünglich nicht die Absicht hatte, zu verraten, geht aus folgendem hervor: Bürgers Brief an ihn fiel in die Hände seines Alten, der ihn darüber zur Rede stellte und ihn der Polizei ausliefern wollte. Letzteres verhinderte er, zerriß ihn und brachte nachher die Stücke Eccarius usw., um sie erst zusammenzusetzen und zu lesen und dann in deren Gegenwart zu verbrennen. Dieses Faktum ist wichtig. Der Familiendruck hat den unglücklichen Kerl ruiniert.

Vor einigen Tagen las ich in der Bibliothek Herrn Proudhons Elukubrationen über die gratuité du crédit[2] gegen Bastiat. Dies übertrifft an Charlatanerie, Poltronnerie, Tapagerie und Schwäche alles, was der Mann geleistet hat. Exempli gratia:[3] Die Franzosen glauben, im Durchschnitt 5 bis 6 Prozent Zinsen zu zahlen. Sie zahlen 100 Prozent. Comment donc?[4] Nämlich so. Die Zinsen auf die hypothekar- und chirographische Staats- usw. Schuld beträgt 1600 Millionen. Nun existiert aber in Frankreich nur eine Milliarde Kapital in Gold und Silber. Also q. e. d.[5] Anderes Beispiel: Als die Banque de France errichtet wurde, betrug ihr Kapital 90 Millionen. Damals, auf diese Summe, gestattete ihr das Gesetz, 5 Prozent zu nehmen. Sie operiert jetzt (Depositen usw. eingerechnet) auf ein Kapital von 450 bis 460 Millionen, wovon drei Viertel nicht ihr, sondern dem public gehören. Wenn also die Bank (90 zu 450 = 1 : 5) statt 5 nur 1 Prozent nimmt, so erhält sie den legitimen Profit. Und weil die Banque de France im Notfall (2) mit 1 Prozent sich begnügen könnte (das heißt die Aktionäre), darum kann der Zinsfuß für Frankreich auf 1 Prozent herabgesetzt werden. Und 1 Prozent c’est la presque gratuité du crédit.[6]

Dabei solltest Du sehen, wie der Kerl dem Bastiat gegenüber mit der dialectique hégelienne[7] renommiert.