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28 Deanstreet, Soho, 1. Dezember 1851.

Lieber Engels!

Ich lege Dir hier ein: 1. Auszug des Briefes von Cluß (aus Washington) an Wolff; 2. Brief von Pieper aus Brüssel.

Ad Nr. 1 hat Lupus vergessen, zwei Data noch auszuziehen, die Dir nicht uninteressant sein werden. Erstens: Der Artikel „Revolution und Konterrevolution in Deutschland“ ist deutsch in der New Yorker Abendzeitung erschienen, in verschiedene Blätter übergegangen und hat Furore gemacht. Cluß schreibt nicht, ob dies Übersetzung aus der Tribune ist oder nicht. Ich habe deswegen direkt an Dana geschrieben. Zweitens: Herr Wiß, das Hauptinstrument Kinkels, hat öffentlich erklärt, daß er „ökonomisch“ unsere Ansichten teile. Du siehst, wie sie operieren.

Was Herrn Tupman [Pieper] betrifft, so erwähnt er weder unseren Brief aus Manchester, noch einen späteren Brief, den ich ihm von hier aus durch meine Frau schreiben ließ.

Was aber nun die Kölner betrifft, so ist es System der gemeinen Emigrationsschweine, die ihre Rüssel in der ganzen Preßkloake haben, gegen diese Sache la conspiration du silence[1] zu beobachten, um nur ja ihrer eigenen Wichtigkeit keinen Abbruch zu tun. Dem muß jetzt entgegengewirkt werden. Ich habe Briefe heute nach Paris geschickt gegen die preußische Justiz, um die Sache in die dortige Presse zu bringen. Lupus hat die Artikel für Amerika und Schweiz übernommen. Maintenant[2] mußt Du mir eine englische Geschichte schmieden, nebst einem Privatbrief an den Editor[3] der Times, wohin die Sache versuchsweise geschickt werden muß. Wenn die Times, die jetzt ihre Popularität wieder aufzufrischen sucht und sich sicher geschmeichelt findet, wenn sie als einzig einflußreiches Journal auf dem Kontinent behandelt wird, die ohnehin preußenfeindlich ist, wenn die Times sich der Sache annähme, könnte man nach Deutschland hin wirken. Hervorzuheben wäre die Lage des Justizwesens überhaupt in Preußen.

Gelingt dieser Versuch nicht, der auf keinen Fall schadet, so schreibst Du von Manchester direkt an den Sun. Erhält er die Sache vor der Times, so würde diese sie auf keinen Fall mehr annehmen. –

E. Jones hat Kossuth – mit Benutzung meines Briefes – sans miséricorde[4] angegriffen. „I tell him, that the revolutions of Europe mean the crusade of labour against capital, and I tell him they are not to be cut down to the intellectual and social standard of an obscure semibarbarous people, like the Magyars, still standing in the halfcivilisation of the 16th century, who actually presume to dictate to the great enlightenment of Germany and France, and to gain a false won cheer from the gullibility of England.“[5]

Apropos. Ich hätte bald ein Wichtiges in der Chronique scandaleuse vergessen. Stechan, Hirsch, Gümpel usw., kurz, die aus Deutschland gekommenen Arbeiter haben sich bei mir ansagen lassen. Ich werde sie heute empfangen. Sie haben sich schon bedeutend mit Schapper und Willich überworfen. Stechan hat offen den Dietz als Spion denunziert vor dem Arbeiterverein, und obgleich einige Stimmen schrien, er sei Agent von Marx, dennoch die Niedersetzung einer Kommission bewirkt, worin aber die Freunde und Protektoren des Dietz-Schapper und Willich die Hauptrolle spielen. Durch diese Leute werde ich jedenfalls neue Krisen in der elenden ... Herberge hervorrufen.