An der von den Zeitungen ausposaunten großen Expedition der 700 Vagabunden nach Paris scheint nichts zu sein, und auch der kleine Louis Blanc ist nach seinem heutigen erneuerten Schmerzgeächze in der Daily News einstweilen, wenn auch angeblich nicht in London, doch in Sicherheit. Das erste Wehklagen war noch göttlich gegen das heutige. Peuple français – noble fierté – courage indomptable – éternel amour de la liberté – honneur au courage malheureux[1] – und damit macht der kleine Kerl einen demi-tour à droite[2] und predigt Vertrauen und Vereinigung des Volkes und der Bourgeoisie. Vide Proudhon: Appel à la Bourgeoisie, pagina 2.[3] Und dies Räsonnement! Wenn die Insurgenten geschlagen worden, so kommt das daher, daß sie nicht das vrai peuple[4] waren; das vrai peuple kann nicht geschlagen werden; und wenn sich das vrai peuple nicht geschlagen hat, so kommt das daher, daß es sich nicht für die Nationalversammlung schlagen wollte; es ist da freilich einzuwenden, daß das vrai peuple, einmal siegreich, selbst Diktator gewesen wäre, aber daran hat es in der Überraschung nicht denken können, und dann ist es ja so oft geprellt worden!
Das ist diese alte ordinäre Demokratenlogik, die noch bei jeder Niederlage der revolutionären Partei sich breit gemacht hat. Le fait est,[5] meiner Ansicht nach, daß wenn sich das Proletariat diesmal nicht in Masse geschlagen hat, es sich vollständig seiner eigenen Erschlaffung und Ohnmacht bewußt war und mit fatalistischer Resignation sich so lange in den erneuerten Kreislauf von Republik, Empire, Restauration und neuer Revolution ergab, bis es eben wieder durch ein paar Jahre Misere unter der Herrschaft möglichst großer Ordnung neue Kräfte gesammelt hat. Ich sage nicht, daß dies so kommen wird, aber das scheint mir die instinktive Grundanschauung gewesen zu sein, die am Dienstag und Mittwoch und nach der Herstellung der geheimen Abstimmung und der darauffolgenden Retirade der Bourgeoisie am Freitag beim Pariser Volke vorgeherrscht hat. Es ist Unsinn, zu sagen, daß dies keine Gelegenheit fürs Volk war. Wenn das Proletariat warten will, bis ihm von der Regierung seine eigene Frage gestellt wird, bis eine Kollision eintritt, die den Konflikt schärfer und bestimmter ausspricht als im Juni 1848, da kann es lange warten. Die letzte Gelegenheit, wo die Frage zwischen Proletariat und Bourgeoisie ziemlich distinkt gestellt war, war beim Wahlgesetz 1850, und da zog das Volk es vor, sich nicht zu schlagen. Das und das ewige Hinweisen auf 1852 war schon ein Beweis von Schlaffheit, der, ausgenommen im Falle einer Handelskrise, für uns hinreichte, ein ziemlich schlechtes Prognostikon auch für 1852 zu stellen. Seit der Abschaffung des allgemeinen Stimmrechtes, seit der Verdrängung des Proletariats von der offiziellen Bühne ist es doch etwas zu viel verlangt, den offiziellen Parteien zuzumuten, die Frage so zu stellen, daß sie dem Proletariat konveniert. Und wie stand denn die Frage im Februar? Damals war das Volk gerade so hors de cause[6] wie jetzt. Und es ist gar nicht zu leugnen, daß, wenn die revolutionäre Partei in einer revolutionären Entwicklung anfängt, entscheidende Wendepunkte passieren zu lassen, ohne ein Wort dreinzusprechen oder, wenn sie sich einmischt, ohne zu siegen, sie mit ziemlicher Sicherheit als für einige Zeit kaputt angesehen werden kann. Witness[7] die Insurrektionen nach dem Thermidor und nach 1830, und die Herren, die jetzt so laut sagen, daß das vrai peuple seine Gelegenheit abwarte, kommen in Gefahr, allmählich in denselben Train mit den ohnmächtigen Jakobinern von 1795 bis 1799 und den Republikanern von 1831 bis 1839 zu geraten und sich sehr zu blamieren.
Auch ist nicht zu leugnen, daß der Effekt der Herstellung der geheimen Abstimmung auf die Bourgeoisie, Kleinbürgerschaft und au bout du compte[8] auch auf viele Proletarier (das geht aus allen Berichten hervor) ein merkwürdiges Licht auf die Courage und Einsicht der Pariser wirft. Viele haben offenbar gar nicht daran gedacht, wie albern die von Louis Napoleon gestellte Frage ist, und wo denn Garantien für die richtige Registrierung der Stimmen sind; die meisten aber müssen den Humbug durchschaut und trotzdem sich vorgeschwatzt haben, jetzt sei all right,[9] bloß damit sie einen Vorwand hätten, sich nicht zu schlagen.
Nach dem Briefe von Reinhardt, nach den täglichen neuen Enthüllungen über die Infamien der Soldaten und über ihre speziellen Exzesse auf den Boulevards gegen jeden pékin quelconque,[10] Arbeiter oder Bourgeois, Roter oder Bonapartist, n’importe[11] – nach den sich häufenden Nachrichten von lokalen Insurrektionen selbst in den entlegensten Winkeln, wo kein Mensch Widerstand vermutete, nach dem Briefe des französischen Exdeputierten und Commerçant in der gestrigen Daily News scheint allerdings der Appel au peuple[12] eine unangenehme Wendung für Bonaparte nehmen zu wollen. Die Masse der Bourgeoisie in Paris scheint doch dies neue Regime mit seinen oktroyierten Transportationsgesetzen nicht sehr zu relishen.[13] Der militärische Terrorismus entwickelt sich zu schnell und zu unverschämt. Zwei Drittel von Frankreich sind in Belagerungszustand. Ich glaube, daß nach all diesem die Masse der Bourgeoisie gar nicht stimmen wird, daß die ganze Stimmposse auf nichts hinauslaufen wird, denn die Gendarmen werden an allen zweifelhaften Orten, wo die Gegner Louis Napoleons in Massen stimmen, Krakeel mit den Wählern anfangen und dann der ganze Wahlprozeß dort kassiert werden. Dann erklärt Louis Napoleon Frankreich en état d’aliénation mentale[14] und proklamiert die Armee zur einzigen Reiterin der Gesellschaft, und dann ist der Dreck vollständig klar und Louis Napoleon mitten drin. Aber eben bei dieser Wahlgeschichte könnte die Sache sehr unangenehm werden, wenn dann überhaupt noch ernsthafter Widerstand gegen eine etablierte Regierung zu erwarten wäre.
Eine Million Stimmen hat der Kerl sicher an den Beamten und Soldaten. Eine halbe Million Bonapartisten, vielleicht mehr, sind auch im Lande. Eine halbe Million, vielleicht mehr, zaghafter Bürger stimmen für ihn. Eine halbe Million dummer Bauern, eine Million Additionsfehler – das sind schon 31/2 Millionen, und mehr hatte der alte Napoleon nicht in seinem Empire, das das ganze linke Rheinufer und Belgien einschloß, also gewiß 32 Millionen Einwohner hatte. Warum sollte ihm das vorderhand nicht genügen? Und bekäme er die, mit vielleicht 1 Million gegen ihn, so würden die Bourgeois ihm bald zufallen. Aber vielleicht bekommt der die 21/2 Millionen nicht, und vielleicht, obwohl es der Ehrlichkeit der französischen Beamten viel zugemutet wäre, bringt er es nicht fertig, sich Additionsfehler bis zu 1 Million kreditieren zu lassen. Jedenfalls hängt sehr viel ab von den Maßregeln, die er gezwungen ist, inzwischen zu treffen. Übrigens, wer hindert die Beamten, ehe das Abstimmen anfängt, in die Wahlurnen ein paar hundert oui zu werfen? Il n’y a plus de presse[15] – niemand kann’s verifizieren.
Jedenfalls ist es schlimm für Crapulinski, daß die Fonds wieder am Fallen sind, und für Louis Blanc, daß er jetzt England als freies Land anerkennen muß.
In ein paar Monaten müssen die Roten wieder eine Gelegenheit bekommen, wo sie sich zeigen können, vielleicht schon bei der Abstimmung; wenn sie dann aber wieder abwarten, dann gebe ich sie auf, und dann bringen sie es auch bei der schönsten Handelskrise zu nichts als zu einer sie definitiv für ein paar Jahre beseitigenden Tracht Prügel. Was ist denn noch an dem Gesindel, wenn es verlernt, sich zu schlagen?
Ist Pieper wieder in London? Ich habe ihm einen Auftrag wegen Büchern nach Frankfurt zu geben, und weiß nicht, ob er noch in Brighton ist.
Das schlimmste ist, daß Du jetzt mit Löwenthal auf Schwierigkeiten stoßen wirst. Es wäre am besten, wenn der Kontrakt schon abgeschlossen wäre.
Liverpool Market – quiet at yesterdays prices; Manchester Market – firm. Some overtrading going on to the Levant. German buyers continue keeping out of the Market.[16]