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22. Januar 1852.
Lieber Marx!
Inliegend der siebente Artikel für die Tribune. Der achte usw. wird morgen abend gemacht werden, heute werde ich etwas für Weydemeyer fertig machen. Ich behalte mir für Weydemeyer zunächst England vor, da ich mich nicht entschließen kann, deutsche Zeitungen zu lesen und etwas über Deutschland zu machen. Könntest Du Lupus, der hoffentlich auch wieder flott auf den Beinen ist, nicht bewegen, etwas „aus dem Reiche“ zu liefern? – Weerth wird nächste Woche etwas für Weydemeyer schaffen, diese Woche kann er nicht. Übermorgen hoffe ich ihn hier zu sehen, und vielleicht kommt er in acht bis vierzehn Tagen nach London, da es ihm wieder vor lauter Ungeduld wie heiße Kohlen unterm Hintern brennt.
Da gestern der Pacific von New York eingesprungen ist, so könnte es sein, daß ich morgen die versprochenen Nummern von Weydemeyer erhielte – doch rechne ich nicht darauf, da er vielleicht den englischen Postdampfer abgewartet hat. Er muß übrigens weniger schicken, 50 Nummern ist zu viel und wird wahrscheinlich ein Heidengeld kosten; und wem sollten wir die alle schicken? Ich will sehen, was die Kosten sind, und im Notfall, wenn er nicht durch Paketversendungsagenturen die Sache wohlfeiler einrichten kann, so reichen 10 Exemplare vollkommen aus; denn auf Abonnenten in Europa kann er doch nicht rechnen. Vielleicht ein paar in London, sonst doch nur etwa in Hamburg. Dazu gehörte auch eine Agentur, und die würde sich nicht bezahlen. – Hoffentlich schickst Du mir jetzt auch bald einen Artikel für die Tribune zum Übersetzen.
Jones schrieb an mich und verlangt Beiträge. Ich werde mein Bestes tun und hab’s ihm versprochen. Bei alledem geht mir ein Stück freie Zeit zum Ochsen nach dem anderen fort, und das ist schlimm. Ich muß sehen, wie ich mich einrichte und das Kontor prelle. Jones schrieb von einer Gemeinheit von Harney gegen ihn, und von 15 Pfund, um die er geprellt sei, worüber Du mir Näheres sagen könntest – was ist das? Er war natürlich very busy[1] und schrieb sehr in abgebrochenen Sätzen und Ausrufungszeichen. –
Daß der brave Louis Napoleon Krieg anfangen muß, ist sonnenklar, und wenn er sich mit Rußland verständigen kann, so wird er wohl mit England anbinden. Es hätte das seine guten und seine schlimmen Seiten. Die Einbildung der Franzosen, sie könnten in fünf Stunden London und England erobern, ist sehr ungefährlich. Was sie jetzt allerdings können, sind plötzliche Piratenüberfälle mit 20 000, höchstens 30 000 Mann, die aber nirgends viel ausrichten könnten. Brighton ist die einzige ernstlich bedrohte Stadt; Southampton usw. sind mehr als durch alle Befestigungen durch ihre Lage in tiefen Buchten, die nur zur Flutzeit und nur mit lokalen Lootsen zu befahren sind, sichergestellt. Der höchste Effort, den eine französische Landung zustande bringen könnte, wäre die Zerstörung von Woolwich; aber selbst dann müßten sie sich verdammt hüten, nach London zu gehen. Für jede ernsthafte Invasion müßte der ganze Kontinent zusammen den Engländern wenigstens a years notice[2] geben, und sechs Monate reichen hin, um England in Verteidigungszustand gegen jeden Angriff zu setzen. Der gegenwärtige Alarm ist absichtlich übertrieben, und die Whigs helfen bestens dazu. Laß die Engländer ein Dutzend Linienschiffe und Steamer zurückrufen, ein zweites Dutzend von jeder Sorte, die halbfertig in den Häfen liegen, ausrüsten, 25 000 Mann mehr Truppen halten, freiwillige Jägerbataillons mit Miniéschen Büchsen organisieren und dazu etwas Miliz und etwas Exerzitium für die yeomanry,[3] und sie sind vorderhand sicher. Der Alarm ist aber sehr gut, die Regierung hatte die Geschichte wirklich famos verkommen lassen, und das wird aufhören; und dann, wenn es zu etwas kommt, sind sie so gerüstet, daß sie jeden Landungsversuch zurückweisen und sofort Revanche nehmen können.
Sonst sehe ich nur zwei Chancen für Louis Napoleon, wie er Krieg anfangen will: 1. gegen Österreich, das heißt gegen die ganze heilige Allianz, oder 2. gegen Preußen, wenn dies von Rußland und Österreich fallen gelassen wird. Indes dies letztere ist sehr zweifelhaft, und ob er mit der heiligen Allianz anbindet, fragt sich sehr. Piemont, die Schweiz und Belgien werden ihm, sei es von England, sei es von der heiligen Allianz, nicht überlassen. Die Sache wird so schön vertuckt, daß schließlich der pure Zufall entscheiden muß.
Und à l’intérieur,[4] welche famose Entwicklung! Die Mordversuche werden schon ganz alltäglich und die Maßregeln immer schöner. Flöge doch endlich der Herr de Morny, der noch etwas den Tugendhelden spielt, und konfiszierte der Edle doch das Vermögen der Orleans!
Man kann einem Gouvernement Blanqui nicht besser vorarbeiten, wie dieser Esel tut.