[1] Jetzt.

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Manchester, 6. Juli 1852.

Lieber Marx!

Ich sitze hier bis über die Ohren in der Arbeit. Vor mir liegen jetzt noch elf Geschäftsbriefe, die ich heute noch schreiben muß, und es ist gleich 7 Uhr. Ich will indes womöglich noch heute, spätestens aber morgen abend einen Artikel für Dana machen.

Ich habe gerade den Herrn Görgey vor. Wir haben damals aus den österreichischen Berichten den Gang des ungarischen Krieges in der Neuen Rheinischen Zeitung famos richtig geraten und glänzend, aber auch vorsichtig, richtig prophezeit. Das Buch von Görgey ist hundsgemein, so etwas klein Neidisches, infam mesquin Borniertes existiert nicht mehr. Das Militärische ist gut, Görgey, wie er leibt und lebt, der talentvolle Exleutnant, der sofort General wird und dem der Kompagniedienst und das elementartaktische Detail noch als Eierschale überall anklebt. Die Ungarn, die behaupten, Görgey hätte das nicht schreiben können, sind Esel. Das echt Görgeysche und das österreichische Element sind im Buche so leicht zu unterscheiden, wie im Chenu die beiden heterogenen Elemente. Als Quelle ist das Buch – mit Vorsicht – aber sonst sehr gut zu gebrauchen. Die boshafte Borniertheit des Kerls geht so weit, daß sie ihn dazu treibt, sich selbst zu blamieren, wie durch die Geschichte von der Waizener Proklamation, worin er Kossuth vorwirft, in der Wirklichkeit gescheiter gewesen zu sein als in seinen bombastischen Reden, und durch die ganze unbeholfene Darstellung, die den Verfasser sich immer wider Willen kompromittieren läßt. Diese Borniertheit läßt Görgey nie zu einer wirklichen Charakterisierung irgend eines Kerls kommen, doch sind nette Züge und einzelne Glossen drin über Kossuth und die meisten anderen. Trotz dieser Borniertheit der Boshaftigkeit war Görgey – man sieht es überall – doch allen überlegen – was sind also die anderen erst für Kerle!

Über den ungarischen Krieg schreibe ich jedenfalls.

Dein F. E.

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