Weerth kam Sonntag abend, fand mich sehr beschäftigt und nicht ganz rosig gelaunt. Er fragte mich, „was ich denn eigentlich über die Kölner Geschichte schreiben wolle?“ – und dies zwar in etwas vornehm näselndem Tone. Ich fragte ihn, „was er in Westindien wolle?“, und nach Zeit von einer Viertelstunde verschwand er. Dienstag abend kam er wieder und sagte mir, er hätte eigentlich nicht wieder kommen wollen, habe aber dem Andringen Freiligraths nachgegeben. Ich habe ihm nämlich Sonntag sehr beschäftigt und verdrießlich geschienen. Ich nahm mir die Freiheit, Herrn Weerth darauf aufmerksam zu machen, daß er neun Zehntel der Zeit, die ich ihn kenne, immer verdrießlich und malcontent war, was er von mir nicht behaupten werde. Nachdem ich ihm den Kopf etwas gewaschen, fand er sich wieder zurecht und wurde – wieder der alte Weerth. Ich finde, daß er verdammt verbürgert ist und seine Karriere zu sehr „au sérieux“[1] nimmt. Strohn ist wenigstens immer der alte und pas trop fin.[2]

Bonapartes Kaiserreichhonigmonate sind prächtig. Der Kerl hat immer auf Pump gelebt. Machen wir die Pumpanstalten in Frankreich so allgemein und allen Klassen der Franzosen so zugänglich als möglich – und alle Welt wird glauben, daß das Millennium herangekommen ist. Dazu direkt eine eigene Bank für stockjobbery und railwayhumbug.[3] Der Kerl bleibt sich immer gleich. Der Industrieritter und der Prätendent verleugnen keinen Augenblick einer den anderen. Wenn er nicht Krieg macht und bald macht, so geht er an den Finanzen kaputt. Gut ist’s, daß Proudhons Erlösungspläne sich in der einzigen Form realisieren, in der sie praktikabel sind – als Kreditschwindel und mehr oder minder direkte Prellerei.

Ich freue mich sehr auf Deine Ankunft hierher.

Dein K. Marx.


[1] Ernsthaft.

[2] Nicht zu fein.

[3] Aktienspekulationen und Eisenbahnschwindel.

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28 Deanstreet, 14. Dezember 1852.