Unter den Hiesigen, Deutschen wie Engländern, hat sich Monsieur Kossuth durch seine Erklärungen total ruiniert; Mazzini desgleichen durch die Insurrektion selbst und die lausige Manier, Krawall durch Meuchelmord von einzelnen Soldaten anzufangen, was speziell den Engländern widerlich ist. Etwas Feigeres und Lumpigeres als diese Kossuthschen zwei Briefe ist doch nicht zu ersinnen, und dabei immer die Prätension: I am a plain, honest man.[4] Die Herren mögen sich übrigens in acht nehmen, finden sich Beweise, so ist ce cher[5] Aberdeen ganz der Mann, sie ohne weiteres einstecken und verfolgen zu lassen, und ob sie nach diesem so sicher sind, freigesprochen zu werden, weiß ich nicht.

Das Ministry of all the talents turns out a complete humbug.[6] Johnny verschrumpfter als je, der große Gladstone ein selbstgefälliger Klugtuer à la Mevissen, Aberdeen voll diplomatisch-torystischer Reminiszenzen und purer Hofmann, der Apostel Johannes des seligen Messias Peel, Sidney Herbert ein total inkapabler Kriegsminister, es ist ein schönes Lot [Pack]. Dabei fühlten sich alle nicht an ihrem Platze, ausgenommen der alte unverschämte Palmerston, der überall zu Hause ist, und wie die Mazzinidebatte beider Häuser beweist, so mutinous[7] ist wie je. Er ist doch de facto[8] seit der griechischen Debatte, der Milizbill und der Adreßdebatte der leader of the House of Commons,[9] und es ist bittere Ironie, dem armen Johnny diesen Posten pro forma zu geben. Die Schamlosigkeit aber geht ins Weite, für Johnny in dieser Kapazität noch ein Salär zu verlangen, aber ein neuer Posten ist natürlich beiden Parteien ein gefunden Fressen. Ich bin begierig auf Master Gladstones Budget, seine Äußerung bei den Estimates und Humes Tarifmotion lassen erwarten, daß er alles so ziemlich beim alten lassen wird, und das ist auch wohl das einzige, was bei diesem patriotischen Koalitionsministerium herauskommen wird. Unterdes sind die Korruptionsgeschichten von der letzten Wahl her wunderschön und werden doch in der nächsten Session eine Art Reformbill nötig machen. Wenn bis dahin der Trade schlecht wird und der Kontinent sich regt, können wir schöne Geschichten erleben.

Ich habe jetzt den Urquhart zu Hause, der den Palmerston für von Rußland bezahlt angibt. Die Sache erklärt sich einfach: der Kerl ist ein keltischer Schotte mit sächsisch-schottischer Bildung, der Tendenz nach Romantiker, der Bildung nach freetrader.[10] Dieser Kerl ging als Philhellene nach Griechenland, und nachdem er sich drei Jahre mit den Türken herumgeschlagen, ging er in die Türkei und begeisterte sich für ebendieselben Türken. Er schwärmt für den Islam, und sein Prinzip ist: wenn ich nicht Kalvinist wäre, so könnte ich nur Mohammedaner sein. Die Türken, die der Blütezeit des osmanischen Reiches ganz besonders, sind die vollkommenste Nation der Erde, in allem ohne Ausnahme. Die türkische Sprache ist die vollkommenste und wohlklingendste der Welt. All das alberne Gerede von Barbarei, Grausamkeit, lächerlichem Barbarenhochmut rührt bloß von der Unwissenheit der Europäer in bezug auf die Türkei und von den interessierten Verleumdungen der griechischen Dragomans her. Wenn ein Europäer in der Türkei schlecht behandelt wird, so ist das seine eigene Schuld; der Türke haßt nicht die Religion und den Charakter, sondern nur die engen Hosen des Franken. Türkische Architektur, Etikette usw. wird dringend zur Nachahmung empfohlen.

Gegen dies glückliche Land intrigiert nun der Zar vermittels der griechischen Pfaffen, und England hat sich von diesem fortwährend an der Nase herumführen lassen. England muß die Türkei stützen usw., eben so alte wie platte Gemeinplätze. Im ganzen ist dies Buch höchst amüsant. Das beste aber ist, daß sich hieraus die ganze Politik der englischen palmerstonfeindlichen Liberalen stützt, zum Beispiel sind alle Artikel in der Daily News über die türkische Schmiere reine Paraphrasen aus Urquhart, der qua freetrader[11] unbedingt Kredit genießt, obgleich er den Engländern vorwirft, sie zerstörten durch ihre Importe die thessalische Industrie – aber bei einem highlander[12] kommt das nicht so genau [darauf an].

Es hat eine sehr gute Seite, daß die Times, wenn auch zunächst im russischen Interesse, endlich einmal die alte Philisterdummheit von der Integrität der Türkei angreift. Die dumme Daily News, die in ihrer Bürgerborniertheit nicht weiter sieht, als ihre Nase reicht, schreit über Verrat und weiß nichts anderes entgegenzusetzen, als eben diesen alten Diplomatenmist. Zieht sich der Tanz noch etwas hin, so werden die Herren doch bald zu anderen Argumenten greifen müssen und zu der Einsicht kommen, daß nur eine kontinentale Revolution dem Dreck ein Ende machen kann. Das müssen doch mit der Zeit auch die ärgsten Philister einsehen, daß ohne diese gar nichts gelöst werden kann.

Die österreichisch-preußische Zollgeschichte ist der einzige Fortschritt, zu dem man es in Deutschland gebracht hat – et encore![13] Das Ding ist so mit Haken verklausuliert, und so viel Hauptsachen sind späteren Kommissionen überlassen, während die wirklichen Zollnachlässe so klein sind, daß wenig dabei herauskommt. Geht die große industrielle Krise los, so wird der ganze Handelsvertrag verschwinden vor dem allgemeinen débâcle.[14]

Hier wird nur noch gestohlen, Knochen zerschmettert auf den Eisenbahnen und in die Luft geflogen. Das hiesige Philisterium ist ganz konsterniert von den absonderlichen Ereignissen der letzten acht Tage. Glücklicherweise geht Baumwolle herunter, weshalb an der Börse nichts los ist und man sich nach Herzenslust mit diesen großen Begebenheiten beschäftigen kann. Die Spinnereien und meisten Webereien sind noch voll beschäftigt, aber in groben Kalikos (domestics[15]) ist vollständige Stagnation, und von Montag an wird in dieser Branche nur drei Tage per Woche in allen Fabriken gearbeitet werden.

Grüße Deine Frau und Kinder.

Dein F. E.