Basel, 7. März 1853, morgens 9 Uhr.
„Lieber Marx!
Soeben vernehme ich, daß die ganze Sendung der ‚Enthüllungen‘, die aus 2000 Exemplaren bestand und schon seit sechs Wochen jenseits der Grenze in einem Dorfe lag, gestern beim Weitertransport abgefaßt wurde. Was nun geschieht, weiß ich nicht; in erster Linie Reklamationen der badischen Regierung beim Bundesrat, dann wahrscheinlich meine Abfassung oder wenigstens Inanklagezustandversetzung usw. In jedem Falle ein großartiger Lärm. Dies in Kürze Ihnen zur Nachricht; weitere Mitteilungen sollen, wenn ich daran verhindert werden sollte, durch eine dritte Person erfolgen. Wenn Sie an mich schreiben, so benutzen Sie auf dem Kuvert die Adresse: ‚Mad. Brenner-Guérard, magazin de modes, Basle‘ und schreiben auf der für mich bestimmten versiegelten Inlage bloß: ‚Für Jacques‘. Das Manuskript über den Staatsstreich werde ich an sicherem Orte deponieren. Adieu. Hoffentlich bald mehr, als ich jetzt noch weiß. Geben Sie mir sichere Adressen an, Ihre und die Bambergers sind wohl bekannt.
Ihr Jacques.“
Nun, qu’en pensez-vous, mon cher maître renard?[2] Hat der „Suisse“[3] für bar Geld mich an die preußische Regierung verkauft? Sechs Wochen jenseits der Grenze in einem Dorfe, die affektierte Ängstlichkeit, kein Wort über die in der Schweiz gebliebenen Exemplare, trotz meinem Dringen kein Exemplar hierhergeschickt!
Soll einem unter solchen Umständen nicht die Lust zum Schreiben vergehen? Immer zu arbeiten pour le roi de Prusse!
Que faire?[4] Denn so darf der „Suisse“ nicht durchschlüpfen.
Quant à[5] Dana, so hat er meinen Wechsel honoriert. Der „brave“ Bamberger gab mir ursprünglich 5 Pfund darauf, ließ mich dann vierzehn Tage hin und her nach der City rennen, zahlte endlich erst diese Woche, nachdem sich meine Wirtin seit Wochen dem Heulen (wörtlich) ergeben hatte. Seit der Zeit habe ich wieder sieben Artikel der Tribune geschickt. Morgen schicke ich wieder einen. Ich würde mich jetzt herausarbeiten, wenn ich nicht die verfluchte dette consolidée[6] auf dem Pelze hätte. Auch diese wäre zu einem bedeutenden Teile abgetragen worden, hätte der elende Schweizer mich nicht wieder ins néant[7] gestürzt.
Ich muß nun notwendig, um den Dana warm zu halten, einen längeren Artikel über haute politique[8] schreiben. Also die détestable question orientale,[9] womit mir ein miserabler Yankee von hier in der Tribune Konkurrenz zu machen sucht. Aber diese Question ist vor allem militärisch und geographisch, also nicht von meinem Departement. Du mußt Dich also noch einmal exécuter.[10] Was aus dem türkischen Reiche werden soll, ist mir „spanisch“. Ich kann also keinen allgemeinen Gesichtspunkt geben.
Nur für einen Zeitungsartikel – wo es übrigens nötig wäre, durch militärisch-geographisch-historische Draperie möglichst an der eigentlichen Question vorbeizuschlüpfen – scheinen mir folgende Anhaltspunkte, direkt von Montenegro ausgehend, nötig: