Carey, der amerikanische Nationalökonom, hat ein neues Buch herausgegeben: „Slavery at home and abroad“.[7] Unter „Slavery“ hier alle Formen der Knechtschaft, wageslavery[8] usw. verstanden. Er hat mir sein Buch zugeschickt und mich wiederholt (aus der Tribune) zitiert, bald als „a recent english writer“,[9] bald als „correspondent of the New York Tribune“. Ich habe Dir früher gesagt, daß in den bisher erschienenen Werken des Mannes die „Harmonie“ der ökonomischen Grundlagen des Bürgertums entwickelt und alles „mischief“[10] aus überflüssiger Einmischung des Staates hergeleitet war. Der Staat war seine bête noire.[11] Jetzt pfeift er aus einem anderen Loch. An allem Bösen ist schuld die zentralisierende Wirkung der großen Industrie. Aber an dieser zentralisierenden Wirkung ist wieder England schuld, das sich zum workshop[12] der Welt macht und alle anderen Länder auf brutale und von der Manufaktur losgerissene Agrikultur zurückwirft. Für die Sünden Englands ist dann wieder verantwortlich die Theorie von Ricardo-Malthus und speziell Ricardos Theorie von der Grundrente. Die notwendige Konsequenz sowohl der Ricardoschen Theorie wie der industriellen Zentralisation würde der Kommunismus sein. Und um allem diesen zu entgehen, der Zentralisation die Lokalisation und die auf das ganze Land zerstreute Union von Fabrik und Agrikultur gegenüberzustellen, wird schließlich empfohlen von unserem Ultrafreetrader – Schutzzölle. Um den Wirkungen der bürgerlichen Industrie, für die er England verantwortlich macht, zu entgehen, nimmt er als echter Yankee dazu seine Zuflucht, diese Entwicklung in Amerika selbst künstlich zu beschleunigen. Im übrigen wirft ihn sein Gegensatz gegen England in sismondisches Lob der Kleinbürgerei in der Schweiz, Deutschland, China usw. hinein. Derselbe Kerl, der früher Frankreich wegen seiner Ähnlichkeit mit China zu verhöhnen gewohnt war. Das einzig positiv Interessante in dem Buche ist die Vergleichung der früheren englischen Negersklaverei in Jamaika usw. und der Negersklaverei in den Vereinigten Staaten. Er zeigt nach, wie die Hauptstöcke der Neger in Jamaika usw. immer aus frisch importierten barbarians bestand, da unter der englischen Behandlung die Neger nicht nur ihre Population nicht aufrechterhielten, sondern auch der jährliche Import zu zwei Dritteln immer weggefressen wurde, während die jetzige Negergeneration in Amerika einheimisches Produkt, mehr oder minder yankisiert, Englisch sprechend und darum emanzipationsfähig wird.
Die Tribune posaunt natürlich Careys Buch mit vollen Backen aus. Beide haben allerdings das Gemeinsame, daß sie unter der Form von sismondisch-philanthropisch-sozialistischem Antiindustrialismus die schutzzöllnerische, das heißt die industrielle Bourgeoisie in Amerika vertreten. Das ist auch das Geheimnis, warum die Tribune, trotz aller ihrer „isms“ und sozialistischen Flausen, „leading Journal“[13] in den Vereinigten Staaten sein kann.
Dein Artikel über die Schweiz war natürlich ein direkter Sackschlag auf die „Leader“[14] der Tribune (gegen Zentralisation usw.) und ihren Carey. Ich habe diesen versteckten Krieg fortgesetzt in einem ersten Artikel über Indien, worin die Vernichtung der heimischen Industrie durch England als revolutionär dargestellt wird. Das wird ihnen sehr shocking[15] sein. Übrigens war die Gesamtwirtschaft der Briten in Indien säuisch und ist es bis auf diesen Tag.
Was den stationären Charakter dieses Teiles von Asien trotz aller zwecklosen Bewegung in der politischen Oberfläche vollständig erklärt, sind die zwei sich wechselseitig unterstützenden Umstände: 1. Die public works[16] Sache der Zentralregierung; 2. neben derselben das ganze Reich, die paar größeren Städte abgerechnet, aufgelöst in villages (Dorfgemeinden), die eine vollständig diskrete Organisation besaßen und eine kleine Welt für sich bildeten.
Diese idyllischen Republiken, die bloß die Grenzen ihrer Village eifersüchtig gegen das benachbarte Village bewachen, existieren noch ziemlich perfekt in den erst kürzlich den Engländern zugekommenen northwestern parts of India.[17] Ich glaube, daß man sich kaum solidere Grundlage für den asiatischen Despotismus in Stagnation denken kann. Und so sehr die Engländer das Land irlandisiert haben, das Aufbrechen dieser stereotypen Urformen war die conditio sine qua non[18] für Europäisierung. Der taxgatherer[19] allein war nicht der Mann, das fertigzubringen. Die Vernichtung der uralten Industrie gehörte dazu, die diesen Villages den Selfsupporting-Charakter[20] raubte.
In Bali, Insel an der Ostküste von Java, noch vollständig neben der Hindureligion auch diese Hinduorganisation, deren Spuren, wie die von Hindueinfluß, auf ganz Java übrigens zu entdecken. Was die Eigentumsfrage betrifft, so bildet sie eine große Streitfrage bei den englischen Schriftstellern über Indien. In den kupierten Gebirgsterrains südlich vom Krischna scheint allerdings Eigentum an Grund und Boden existiert zu haben. In Java dagegen, bemerkt Sir Stamford Raffles, der ehemalige englische Governor von Java, in seiner „History of Java“, auf der ganzen Oberfläche des Landes, „where rent to any considerable amount“ was obtainable,[21] [ist] der sovereign[22] absoluter Landlord. Jedenfalls scheinen in ganz Asien die Mahommetans die „Eigentumslosigkeit in Land“ nicht prinzipiell festgestellt zu haben.
Über die oben zitierten Villages bemerke ich noch, daß sie schon bei Menu figurieren und die ganze Organisation bei ihm darauf ruht: 10 stehen unter einem höheren Kollektor, 100 dann, und dann 1000.
Schreibe mir bald.
Dein K. M.