Tedesco ist frei und gleich nach Lüttich fort, ohne einen Menschen zu sehen. Esselenz war einige Tage hier, aber er hatte ihn nicht gesehen.

Hier herrscht eine Finanz-, Börsen-, Industrie- und Handelskrisis ohnegleichen. Der Commerce jammert arbeitslos auf dem Café Suisse herum, die Herren Kauwerz, Laufs und Konsorten schleichen umher wie bepißte Pudel, die Arbeiter haben Rassemblements[2] gemacht und petitioniert; große Brotnot allgemein. Bares Geld nirgends zu haben, und dabei ein emprunt forcé[3] von 60 Millionen! Sie kriegen hier die Republik durch die Börse aufgedrängt.

Lüning findet bei seiner Rückkehr hierher die Nachricht vor, daß in Preußen auf ihn gefahndet wird; er wird seine Frau herkommen lassen und nach Paris kommen. Der Dronke war vor seiner Flucht durch Willich und Konsorten in den Bund aufgenommen worden. Ich habe ihn hier einem neuen Examen unterworfen, ihm unsere Ansichten vorgetragen, und da er sich einverstanden erklärte, ihn bestätigt. Man hätte nichts anderes tun können, selbst wenn mehr oder weniger Bedenken dagewesen wären. Indes ist der Kerl sehr bescheiden, sehr jung und scheint sehr zugänglich, so daß ich glaube, daß er mit einiger Aufsicht und einigem Studium gut werden wird. Er revozierte mir gegenüber alle seine früheren Schriften. Er wohnt leider bei Moses, der ihn einstweilen also bearbeiten wird, aber das hat bekanntlich nichts zu sagen. Bei Lüning, an den er sich schrecklich angekittet hatte, bedurfte es zweier Worte, um ihn aus dem Sattel zu heben.

Moses ist übrigens freundschaftlicher denn je – den Kerl begreife einer!

Bei Cassel kann ich nichts tun, da Maynz, nicht ich, Order hat. Breyer beruft sich aus die Finanzkrisis, auf die Unmöglichkeit, seine alten Wechselschulden jetzt prolongieren zu lassen, auf die Zahlungsweigerung seiner gesamten Klientel. Er erklärt sogar, sein einziges Roß verkaufen zu wollen. Ich werde indes sehen, was zu kriegen ist, denn mit dem Geld von Maynz komme ich kaum aus, und das von Heß, der zuerst gezahlt, ist bereits den Weg alles Fleisches. Gigot ist auch in Schwulitäten. Ich werde noch heute mal zu Breyer gehen.

In den Débat social[4] kommt morgen eine ausführliche Widerlegung, mot pour mot,[5] des Moniteurs.

Dem Faider füge noch hinzu: wenn er eine spezielle Vollmacht haben müsse, so werdest Du sie ihm schicken.

Schreibe auch ein paar Zeilen an M. Bricourt, membre de la Chambre des Représentants, der sehr gut für Dich in der Kammer aufgetreten ist und den Minister auf Maynz’ Ansuchen scharf interpelliert und die Enquete wegen der Geschichte durchgesetzt hat. Er ist Repräsentant für Charleroi und nach Castiau der beste. Castiau war gerade in Paris.

Sieh den inliegenden Wisch durch und schicke ihn an die Réforme. Die hiesigen Kerls müssen fortwährend geärgert werden.

Si c’est possible,[6] so reise ich Montag ab. Aber die Geldwirtschaft kommt mir immer in die Quere.