Schreibe mir unter der Adresse: M. Ramboz, 45 Rue de Lille.

Paris, 45 Rue de Lille, 7. Juni 1849.

Lieber Engels!

Ich schreibe Dir in diesem Briefe wenig ausführlich. Erst sollst Du mir antworten, ob er unversehrt angekommen ist. Ich glaube, daß die Briefe wieder con amore[1] erbrochen werden.

Es herrscht hier eine royalistische Reaktion, schamloser als unter Guizot, bloß vergleichbar mit der nach 1815. Paris ist morne.[2] Dazu die Cholera, die außerordentlich wütet. Trotzdem stand ein kolossaler Ausbruch des Revolutionskraters nie näher bevor als jetzt zu Paris. Die Details darüber später. Ich komme mit der ganzen revolutionären Partei zusammen und werde in einigen Tagen sämtliche Revolutionsjournale zu meiner Verfügung haben.

Was die hiesigen pfälzisch-badischen Gesandten betrifft, so ist Blind, von einem wirklichen oder vermeintlichen Cholerafall erschreckt, einige Stunden von Paris aufs Land gezogen.

Quant à[3] Schütz ist folgendes zu bemerken:

Die provisorische Regierung setzt ihn in eine falsche Position, indem sie ihm keine Berichte schickt. Die Franzosen verlangen des faits,[4] und wo soll er sie hernehmen, wenn ihm kein Teufel schreibt? Es müssen ihm möglichst oft Depeschen zukommen. Es ist klar, daß er in diesem Augenblick nichts ausrichten kann. Das einzig Erreichbare ist, der pr[eußischen] Regierung Sand in die Augen zu streuen, indem man ihm möglich macht, häufig mit den Chefs der Montagnards[5] zusammenzukommen.

Daß er im übrigen wenig erfährt, versteht sich von selbst, da er nur mit einigen offiziellen Montagnards zusammenkommt. Ich werde ihn übrigens immer au courant[6] halten.

Meinerseits muß ich verlangen, daß Du mir wenigstens zweimal die Woche regelmäßig und jedesmal, so oft etwas Wichtiges vorfällt, sofort schreibst.